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Der Schriftsteller und Dichter Johannes Bobrowski, in Tilsit geboren, gilt als der bedeutendste Lyriker Ostpreußens im Nachkriegsdeutschland


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Geschichte des Ermlands

Aktualisiert am 12.09.05

Mit einer Urkunde vom 29. 7. 1243 bestätigte Wilhelm von Modena die Gründung des Bistums Ermland. Das Ermland war die größte der preußischen Diözesen und reichte im Norden bis an den Pregel, im Süden bis zum Omulef-Fluß und vom Frischen Haff bis an die Litauische Grenze. Der Name „Ermland“ geht zurück auf Ermia, Gattin von Warmio, des neunten Sohnes von König Widewuto, und dieser Warmio ist der Namensgeber für den prußischen Gau Warmien und das heutige polnische Warmia.

Nachdem der zunächst ausersehene Ordensbruder Heinrich von Strittberg verzichtet hatte, der statt dessen 1254 den Bischofsstuhl des Samlands einnahm, wurde Anselmus, aus einem Land der Krone Böhmens und vielleicht aus Schlesien stammend, 1250 zum ersten Bischof des Ermlands ernannt und geweiht. Er wählte 1251 als weltliches Territorium die späteren Kreise Braunsberg, Heilsberg, Allenstein und Rößel, wobei er sich endgültig erst 1254 mit dem Orden einigte. Die dadurch fixierten Grenzen des Ermlands hatten, von geringfügigen Ausnahmen abgesehen, Bestand bis 1945. Die Polen ergänzten das historische Ermland nach dem 2. Weltkrieg durch die Landstriche bis zur sowjetischen Demarkationslinie, also um Teile der ehemaligen Kreise Heiligenbeil, Pr. Eylau und Bartenstein.

Das Domkapitel gründete Bischof Anselm 1260. Es hatte 16 geistliche Mitglieder und nahm seinen Sitz zunächst in Braunsberg, ab 1284 in Frauenburg. Durch Teilungsvertrag von 1288 mit endgültiger Regelung 1346 erhielt es seinen eigenen weltlichen Bereich, die Kammerämter Frauenburg, Mehlsack und Allenstein. Dabei war das Gebiet um Allenstein zunächst noch gemeinsamer Besitz von Bischof und Kapitel. Erst Bischof Hermann von Prag (1338 - 1349) teilte 1346 das südöstliche Ermland und gab das Kammeramt Allenstein an das Domkapitel.

Kaiser Karl IV. erkannte mit der Goldenen Bulle die souveräne Stellung des Bischofs von Ermland an und bezeichnete ihn als Fürsten und Vasallen. Während der Bischof des Ermlands bis 1354 dem Erzbischof von Riga unterstand, trat er seit dieser Zeit unter die unmittelbare Hoheit des Papstes und wurde gleichzeitig zum deutschen Reichsfürsten erhoben, was die spätere Titulierung als Fürstbischof des Ermlands begünstigte. Papst Pius II. (1458 - 1464), der vorher von Papst Calixtus III. (1455 - 1458) in den Wirren des preußischen Städtekrieges zum Bischof des Ermlands ernannt worden war, ohne je seinen Bischofsstuhl eingenommen zu haben, bekräftigte, dass das Bistum Ermland dem Apostolischen Stuhl direkt unterstellt sei. Diese Zuordnung wurde allerdings endgültig erst mit der Aufhebung des Bistums Riga 1566 wirksam, dauerte dann aber bis 1929, als das Ermland dem Erzbistum Breslau zugeordnet wurde. Mit Hinweis auf den deutsch-polnischen Vertrag wurde 1972 erstmals wieder ein polnischer Bischof für die Diözese Ermland eingesetzt.

Im Gegensatz zu den anderen ordenszeitlichen Bistümern Samland und Pomesanien waren der Bischof und das Domkapitels des Ermlands nicht in den Deutschen Orden inkorporiert. Bischof Anselm, selbst Ordensbruder, bestimmte, dass die Kapitelherren nicht aus dem Ritterorden stammen sollten. Diesem Umstand hatte es das Bistum Ermland u. a. zu verdanken, dass es den Ordensstaat um rd. 250 Jahre bis zur ersten polnischen Teilung überlebte, während die Bistümer Pomesanien und Samland mit der Umwandlung des Ordenslandes in ein Herzogtum und der damit einhergehenden Einführung der Reformation 1525 ihre Existenz aufgaben.

Die Vertretung des Landes nach außen sowie Krieg bzw. Verteidigung blieb dem Orden vorbehalten. Auf dem militärischen Sektor fand eine enge Abstimmung auch in strategischen Fragen statt. Auch auf personellem Gebiet fand teilweise eine Vermischung zwischen Bistum und Orden statt. So wurde z. B. der Komtur von Ragnit, Friedrich von Liebenzell, zum Bischofsvogt des Ermlands ernannt, aber nach 1333 wieder beim Orden als Komtur in Golau eingesetzt.

Da das Ermland die Verteidigung dem Orden überließ, hatte es wenig Interesse daran, Rittergüter gegen die Verpflichtung zum Militärdienst zu vergeben. Stattdessen förderte es die Besiedlung durch Bauern, denen man Scharwerksdienste und Zinsen abverlangen konnte. Deshalb gab es relativ wenig Großgrundbesitz, dafür aber um so mehr Bauerndörfer. Zur Zeit des 2. schwedisch-polnischen Krieges (1655 - 1660) zählte man z. B. anlässlich der Inventur im Auftrag des Großen Kurfürsten durch den Statthalter Fabian Burggraf zu Dohna-Lauck 200 Grundbesitzungen von Adligen und Freien. Große Adelsgüter entstanden erst später, als in den Kriegswirren, die auf den Niedergang des Ordens folgten, zu viele Bauernhöfe wüst lagen und, nach der Übernahme des Bistums durch Preußen, weil Adel und Königtum sich gegenseitig stützten

Der Städtekrieg (1454 - 1466) brachte politische Differenzen zwischen Bischof und Domkapitel. Während der Bischof zum Deutschen Orden hielt, schloss sich das ermländische Domkapitel gleich am Anfang dem Preußischen Bund an. Diese Konstellation brachte Spannungen und Verwirrungen und endete damit, dass das Ermland unter die Oberhoheit der polnischen Krone kam, und zwar als "Patrozinium", nicht als "Regnium Poloniae". Unter polnischer Herrschaft wurde der ermländische Bischof Mitglied des polnischen Senats.

Der polnische König als neuer Lehnsherr seit dem Frieden von Thorn 1466 hatte auch zugesagt und verbrieft, dass die Bischofswahl völlig unabhängig erfolgen darf. Dagegen verstieß er jedoch sehr bald, indem er einen eigenen Kandidaten - Vincent Kielbasa - gegen den vom Kapitel nominierten Nikolaus von Thüngen aufstellte. Dieser, gebürtig aus Wormditt, war Sekretär bei der römischen Kurie, ab 1459 Kanoniker an der Breslauer Domkirche und ab 1465 Domdechant im Bistum Ermland. 1467 wählte ihn das Domkapitel des Ermlands zu seinem Bischof. Als er von seinem weltlichen Gebiet Besitz ergreifen wollte, ächtete ihn der polnische Reichstag. Nikolaus von Thüngen floh nach Riga, gab sich jedoch nicht geschlagen, sondern organisierte von Livland aus seinen Widerstand. Er suchte und fand Verbündete und brachte mit solcher Hilfe, von Braunsberg ausgehend, das Ermland wieder in seinen Besitz. Als Folge kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Polen, die man als den “Pfaffenkrieg” (1467 - 1479) bezeichnete. Die meiste Zeit über gab es Waffenstillstand, doch 1478 flammten die militärischen Aktionen wieder auf. Sie führten ein Jahr später durch Vermittlung des Königs von Ungarn zu einem Vergleich, dem Vertrag von Petrikau. Darin konzedierten die Polen, dass Nikolaus von Thüngen bis zu seinem Tod (1489) ermländischer Bischof blieb. Das Kapitel wurde jedoch verpflichtet, zukünftig nur noch Personen zum Bischof zu wählen, die der König von Polen akzeptierte. Außerdem mussten Bischof, Domherren, Bischofsvogt, Kapitelvogt und alle Beamten fortan dem König von Polen den Treueid leisten. Und dennoch wählte das Kapitel als Nachfolger von Nikolaus von Thüngen den Onkel des Kopernikus, Lukas Watzenrode, zum Bischof des Ermlands - gegen polnischen Protest. Dann aber dauerte es nicht mehr lange, bis es dem polnischen König gelang, sein Nominationsrecht durchzusetzen.

Das Bistum Ermland konnte den Vormarsch der Reformation im preußischen Umland nicht bremsen oder gar verhindern, kämpfte aber erfolgreich dafür, den Katholizismus im eigenen Machtbereich zu behaupten. Gleich 1526 erwirkte Bischof Mauritius Ferber einen Synodalbeschluß, der Nichtkatholiken den dauerhaften Aufenthalt im Ermland verbot, d. h., sie durften sich “kein volles Jahr” aufhalten. Um diese später noch verschärfte und gut überwachte Bestimmung zu unterlaufen, begaben sich die dennoch vorhandenen Protestanten über Sylvester und einige weitere Tage im neuen Jahr ins benachbarte Herzogtum bzw. Königreich, ins sog. “Ausland”, um sich nach dieser Unterbrechung wieder ordnungsgemäß im Ermland aufhalten zu dürfen. Ein gängiger Spottvers dazu lautete:

Johann, spann an
zwei Katzen voran,
zwei Ziegen nach hinten,
so geht es nach Zinten.

Der aus dem Geist der Gegenreformation geborene Hang zu Prunk und Pracht fand in vielen der ermländischen Kirchen, vor allem den Wallfahrtskirchen, seinen künstlerischen Ausdruck. Wie in anderen katholischen Ländern auch standen viele Kapellen und Kreuze am Wegesrand. Erst nach der Vereinigung des Ermlands mit Preußen im Zuge der ersten polnischen Teilung 1772 eröffnete sich die Möglichkeit, auch protestantische Kirchen zu bauen. Diese sind deshalb hier relativ jung, genauso wie umgekehrt die katholischen begründeten Kirchen im protestantischen Teil Ostpreußens.

Während des 2. schwedisch-polnischen Krieges (1656 - 1660) wurde das Ermland vom schwedischen König Karl Gustav in ein weltliches Fürstbistum umgewandelt und im Rahmen des Bündnisses zwischen Schweden und Brandenburg am Anfang dieses Krieges dem Großen Kurfürsten zugeordnet.

Das galt allerdings nur für kurze Zeit. Der Große Kurfürst wechselte rasch die Fronten. Im Vertrag zu Wehlau mit Polen erlangte er die Unabhängigkeit für Preußen, musste aber zustimmen, dass das Ermland sich wieder unter die Krone Polens begab. Endgültig kam das Fürstbistum mit der ersten polnischen Teilung an Preußen. Daran konnte auch der letzte Fürstbischof Ignatius Krasicki, der mit Friedrich II. befreundet war und daher auch die Hedwigskathedrale in Berlin einweihte, nichts ändern. Der Bischof, der selbst vom Verlust seines Landes überrascht wurde, protestierte beim Papst, fand aber kein Gehör und die eigenständige Existenz des Ermlands war für immer beendet.

Weihnachtsbrauch im Ermland: Am ersten Weihnachtsfeiertag gab es im ganzen Ermland ein Erbsengericht zu Mittag: „de Wiehnachtsarfte“, weiße Erbsen mit Speck oder manchmal auch mit Wurst. Man hatte merkwürdige Erklärungen für diesen Brauch. In Klackendorf, Kreis Rößel, sagte man: „Das hängt mit der Erbsünde zusammen.“ In Glockstein, Kreis Rössel, glaubte man, daß dann die Erbsen gut geraten würden, und in Komainen, Kreis Braunsberg, hoffte man, dadurch viel Geld zu bekommen. Tatsächlich handelt es sich hier um eine Segen bringende Speise, wie man sie an wichtigen Anfangsterminen verzehrte. Dieser Brauch erinnert daran, daß der 25. Dezember um die Mitte des 4. Jahrhunderts von Rom aus als Jahresanfang bestimmt wurde und daß noch im Jahre 1310 eine Kirchenversammlung zu Köln den ersten Weihnachtstag als Jahresanfang für Deutschland festsetzte. (so Prof. Dr. Erhard Riemann – Alte Weihnachtsbräuche im Ermland).






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