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Das Weinlokal „Blutgericht“

Seit den 1830er Jahren war die Weinschänke in den Gewölben des Nordflügels des Königsberger Schlosses populär und wurde im Laufe der Zeit so berühmt wie Luther & Wegener in Berlin oder Auerbachs Keller in Leipzig. Der Name bezog sich möglicherweise auf die Räumlichkeiten im Unterbau des Schlosses, die als Marterkammer, Peinkammer, Diebesgefängnis, Pfefferstub, Große Glocke oder Spanische Nadel der mittelalterlichen Wahrheitsfindung dienten oder auf das Hofgericht, das seit 1512, oder das Oberlandesgericht, das seit 1810 in den Räumen darüber tagte.


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Seit den 1830er Jahren war die Weinschänke in den Gewölben des Nordflügels des Königsberger Schlosses populär und wurde im Laufe der Zeit so berühmt wie Luther & Wegener in Berlin oder Auerbachs Keller in Leipzig. Der Name bezog sich vermutlich auf die Räumlichkeiten im Keller des Schlosses, die als Marterkammer, Peinkammer, Diebesgefängnis, Pfefferstub, Große Glocke oder Spanische Nadel der mittelalterlichen Wahrheitsfindung dienten oder auf das Hofgericht, das seit 1512, oder das Oberlandesgericht, das seit 1810 in den Räumen darüber tagte.

Im Jahr 1738 begründete der 6 Jahre zuvor aus Schintlmaiß am Haidberg bei Bischofshofen im Salzburgischen zugewanderte Balthasar Schindelmeißer in der Kneiphöfischen Langgasse eine Weinhandlung, die bald florierte. Es wurden Filialen in Warschau und Wilna gegründet und Balthasar Schindelmeißer konnte von den Erträgen 1760 das spätere Gut Luisenthal in der Gemarkung Juditten erwerben. Ab 1790 führte Sohn David (1766 – 1802) die Geschäfte weiter. Nach seinem frühen Tod heiratete seine Witwe 1806 den Kaufmann Johann Christoph Richter, der 1799 im Nord- und Westflügel des Königsberger Schlosses einen Weinhandel gegründet hatte. Das Vermögen des Ehepaars vergrößerte sich rasch, mit der Folge, dass Richter 1818 zum Komerzien- und Admiralitätsrat ernannt wurde. 1827 übernahm die Firma David Schindelmeißer unter Leitung von Komerzienrat Richter dessen Mietverträge im Schloss und richtete das Weinlokal „Blutgericht“ ein, das 1842 erstmals namentlich erwähnt wurde, als Oberpräsident von Schön, der ein Weinlokal an dieser Stelle unschicklich fand, dieses schließen lassen wollte. Sein Nachfolger, Oberpräsident von Boetticher, fand das nicht. Er erwirkte die Genehmigung des Königs für den Fortbestand des Lokals und das Blutgericht konnte bis zum Ende der deutschen Zeit seine Pforten offen halten. Es gewann bald überregionale Bedeutung. Am 1. 10. 1938 feierte man das 200jährige Bestehen der Weinhandlung. Vom Eingang führte eine Treppe hinunter in die „Große Halle“ mit dem imposanten Tonnengewölbe und fünf überdimensionalen Prunkfässern. Von der Decke hingen neben den schmiedeisernen Kronleuchtern etliche Schiffsmodelle herab. Berühmt war das Blutgericht für seinen Rotspon und für das „Ochsenblut“: Champagner mit einem Schuß rotem Burgunder.

Zu den Gästen des Lokals im Schlosshof zählten im Laufe der Zeit viele Prominente wie die Schauspieler Paul Wegener und Heinrich George, die Schriftsteller Fritz Skowronnek und Ernst von Wolzogen, der „Seeteufel“ Graf Luckner, Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, Außenminister Gustav Stresemann, der Vorsitzende des Goethe-Bundes Ludwig Goldstein und viele weitere.

Anfang April 1945 waren die Räume des Blutgerichts noch gut intakt, lediglich im Eingangsbereich gab es Beschädigungen. Der Gastronomiebetrieb wurde bis zur Eroberung Königsbergs durch die Rote Armee aufrecht erhalten. Die Räume des Blutgerichts wurden nach 1945 gesprengt und die letzten verbliebenen Mauerteile mit dem Schloss 1969 abgeräumt. Seit Mai 1987 erinnert ein Traditionszimmer, ein Kellerraum im Haus der Ost- und Westpreußen in Oberschleißheim, das im Geiste des Königsberger Blutgerichts ausgestattet wurde, an das einstige Traditionslokal. Zum Jubiläum des 250jährigen Bestehens der Weinhandlung Schindelmeißer wurde die „Tafelrunde der zwölf Blutrichter“ wiederbelebt. Dazu passend gibt es ein „Blutrichter-Kollegium im Königsberger Blutgericht zu Oberschleißheim“ im Haus der Ost- und Westpreußen, Ferdinand-Schulz-Allee 3/ Am Tower, Oberschleißheim.

Der Küfer und Disponent der Weinhandlung Schindelmeißer, der ursprünglich aus Sinsheim in Baden stammende Joseph Ritzhaupt, seit 1816 Teilhaber der Weinhandlung, holte in jener Zeit seinen Neffen, den Bierbrauer Johann Philipp Schifferdecker aus Mosbach in Baden nach Königsberg, der 1839 die stillgelegte Brauerei Latterner kaufte und in deren Räumen die bekannte Ponarther Aktienbrauerei begründete.[1]



[1]Jürgen Ehmann, Die Weinhandlung im „Blugericht“, Unser schönes Samland, Frühjahr 2021, S. 70 ff, D.R., Alte Gepflogenheiten werden fortgesetzt, Oprbl. Nr. 11/1988 (12. März), S. 19,

Zerstörtes Blutgericht 2018
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