Deutsch Polnisch Russisch 
 

Katharinerinnen-Orden

Regina Protmann und zwei Gefährtinnen, denen sich bald weitere anschlossen, lebten ab 1571 - ähnlich wie Beginen - als religiöse Gemeinschaft erst einmal in einem geerbten Haus und waren zunächst v. a. in der Krankenpflege tätig. Als Leiterin der Gruppe verfasste sie einige vor allem die Askese und Spiritualität betonende Lebensregeln.

Mehr lesen

Regina Protmann und zwei Gefährtinnen, denen sich bald weitere anschlossen, lebten ab 1571 - ähnlich wie Beginen - als religiöse Gemeinschaft erst einmal in einem geerbten Haus und waren zunächst v. a. in der Krankenpflege tätig. Als Leiterin der Gruppe verfasste sie einige vor allem die Askese und Spiritualität betonende Lebensregeln. Charakteristisch für die Gemeinschaft waren die Ablegung der drei einfachen Gelübde (Keuschheit, Armut, Gehorsam), aber keine strenge Klausur, jedoch eine straffe zentrale Führung. 1583 bestätigte Bischof Martin Kromer die Gemeinschaft als Orden, den Regina Protmann unter das Patronat der hl. Katharina von Alexandria stellte, wie sie es von der Katharinenkirche in Braunsberg her kannte. Der Orden kapselte sich nicht sozial ab, sondern widmete sich der Kranken- und Altenpflege, der Betreuung von Waisen und der Mädchenerziehung. Insofern nahm er eine günstige Entwicklung. 1586 erfolgte die Tochtergründung in Wormditt, 1587 in Heilsberg, 1593 in Rößel. 1602 nahm Papst Clemens VIII. die Katharinerinnen in die Reihe der anderen berühmten Orden auf. Der Katharinerinnen-Orden ist der älteste, ununterbrochen bestehende Frauenorden Deutschlands und Wegbereiter vieler moderner Krankenpflegeorden. Außerdem wurden ab Anfang des 17. Jhs. Schulen gegründet, in der alle Mädchen Lesen, Schreiben, Rechnen und die religiösen Grundwahrheiten lernen konnten.

Im Laufe der Zeit gehörten dem Orden Krankenhäuser, Waisen- und Altenheime. Die Katharinerinnen breiteten sich vor allem seit dem 19. Jahrhundert über das Ermland hinaus als Lehrorden aus. Sie wirkten in Königsberg, Berlin und Litauen. 1866 gingen einige Schwestern nach Liverpool, 1877 übernahmen einige Katharinerinnen die deutsche Schule in Helsinki, 1897 wurden sie von den Franziskanern nach Brasilien gerufen, wo sie heute zahlenmäßig am stärksten sind. Zum 400. Jahr der Gründung - 1983 - eröffnete man in Togo eine Mission. 1933 zählte man über 1000 Mitglieder, heute sind 830 Schwestern mit Gelübden versammelt.

Bis zum Jahre 1945 blieb das Ermland Sitz des Ordens. Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Schwestern jedoch aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. 102 Schwestern kamen in den Kriegswirren ums Leben. Nach dem Aufbau eines Krankenhauses in Bad Rothenfelde im Bistum Osnabrück, auf der Suche nach einem neuen Wirkungskreis, verlegten die Katharinen-Schwestern Ende der 50er Jahre ihr Domizil nach Frankfurt am Main. Am 30. Mai 1960 öffnete das neu erbaute "Sankt Katharinen-Krankenhaus" seine Pforten für die ersten Patienten. Seitdem hat sich die traditionsbewusste Klinik zu einem renommierten, modern geführten Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 360 Betten in sieben Fachabteilungen entwickelt. Andere Katharinerinnen übernahmen Krankenhäuser in Hamburg-Wilhelmsburg, Xanten, Daun und das Berliner Gertrauden-Krankenhaus, wo sie aber nur noch an der Leitung beteiligt sind.

Einige Schwestern blieben nach dem 2. Weltkrieg in Ostpreußen und begründeten die polnische Provinz, heute die zweitstärkste Bastion. Kleinere Niederlassungen befinden sich in Litauen, Rußland, Italien, Weißrußland und Togo. Sitz des Generalats befindet sich seit 1953 in Grottaferrata bei Rom, die deutsche Provinzialleitung, die auch für das Ermland zuständig ist, ist seit 1949 in Münster/Westfalen beheimatet. In Heilsberg, Wormditt und Braunsberg gibt es Niederlassungen.

In Braunsberg haben sich die Katharinenschwestern im ehemaligen, 1906 erbauten Novizinnenhaus niedergelassen. Hier kann man auch den Allensteiner Weihbischof Prof. Dr. Julian Wojkowski antreffen. Er leitet die Zeugenbefragungen für den Seligsprechungsprozess der 16 in den Kriegswirren umgekommenen Katharinenschwestern. Sie wurden allesamt Opfer der Soldateska. Insbesondere zwei Schwestern in Rastenburg erlitten ein grausames Ende: sie waren an ein Auto gebunden worden, das in Schlangenlinien eine Straße entlang fuhr, damit ihre Köpfe und Körper am Bordstein zerbarsten.

 
 
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren