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Geschichte von Sztum - Stuhm

Der Kreis Stuhm gehört zu den ersten Gebieten im Prußenland, die vom Deutschen Orden besiedelt wurden und zählt geografisch zu Pommerellen beiderseits der Weichsel. Das Gebiet wurden zwischen 3000 und 17oo v. Chr. besiedelt. Vom 8. Jh. v. Chr. bis zu Zeitenwende lebten hier nacheinander frühgermanische und baltische Stammesgruppen. Später kamen germanische Wandalen, Burgunden, Goten und Gepiden, die in der Zeit der Völkerwanderung im 4. – 5. Jh. n. Chr. in den Süden zogen. In den freien Raum wanderten die Prußen ein, die sich mit den zurückgebliebenen Germanen vermischten.

Der Deutsche Orden eroberte 1236 im Stuhmer Gebiet eine Prußenburg, die auf dem Hügel zwischen dem Barlewitzer See und dem Hintersee stand. Nach der Niederschlagung des ersten Prußenaufstands 1242 errichtete der Orden auf diesem Platz eine hölzerne Wallburg. Vermutlich kam um 1270 ein Ordenshof in Stuhm hinzu, der erstmals 1295 urkundlich erwähnt und zusammen mit der Wehranlage zu einer Burg ausgebaut wurde.

Im weiteren Verlauf der Eroberung siedelte man auch hier wie z. B. auch in Steegen und im SamlandSudauer an, so 1288 die Sudauer Muntigin, Tholeike, Schare und Prodwele in der Gegend von Kerschitten und 1285 Fürst Kantigirde, Kampfgenosse Herzog Skomands, mit dem Sudauer Zwinniennen und deren Söhnen im Feld Powunden (Kr. Pr. Holland).

Beginnend unter Luther von Braunschweig wurde der Ordenshof Stuhm 1326 - 1346 zu einer steinernen Vogtei mit Burg ausgebaut. Diese Burg war als Sperrfeste für die Marienburg vorgesehen, diente aber den Hochmeistern auch oft als Sommeraufenthalt und Jagdsitz. Der Verbindungsgraben zwischen den beiden Seen war gleichzeitig Burggraben und trennte die Haupt- von der Vorburg.

Die spätere Siedlung entwickelte sich nur sehr langsam ab 1294. Nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg 1410, an der auch der Vogt von Stuhm, Heinrich von Potendorf, teilgenommen hatte, wurde die Burganlage durch die zur Marienburg ziehenden polnischen Truppen beschädigt, ebenso vier Jahre später im Hungerkrieg. Auf dem Gelände der Vorburg legte man jetzt eine Stadt an, die am 21. September 1416 das Stadtprivileg erhielt, unterzeichnet vom Hochmeister Michael Küchmeister von Sternberg. Mit der Verwaltung der Stadt wurde Ambrosius Gerhardt von Schonenberg beauftragt, der aus Schöneberg an der Weichsel stammte. Danach nahm sie eine günstigere Entwicklung und es gelang ihr fast, der Stadt Christburg den Rang abzulaufen. Am Ausbau Stuhms waren die besonders fähigen Baumeister Nicolaus Fellenstein und Hannus Bolle aus Danzig beteiligt.

Bürgermeister und Stadtrat von Stuhm traten bereits am 24. Juni 1440 dem Preußischen Bund bei. Als jedoch der 13jährige Städtekrieg 1454 – 1466 ausbracht, blieb Stuhm auf der Seite des Ordens. Nach 22wöchiger Belagerung mussten die Ordensritter in Stuhm zwar kapitulieren, erhielten aber einen ehrenvollen Abzug. Die neue Besatzung der Burg vom Preußischen Bund hielt sich nur bis zum 21. September und wich den Ordensrittern, die gerade am 18. September die Schlacht von Konitz gegen die polnischen Truppen gewonnen hatten. Am 31. August 1461 konnten die Polen von Marienburg aus nochmals die Burg von Stuhm erobern und verwüsteten dabei die Stadt erheblich. Nach ihrem Abzug verblieb Stuhm in Ordenshand bis Stuhm und Marienburg ebenso wie das Kulmer Land und das Ermland unter die Schutzherrschaft der Krone Polens kam. Nach der Übergabe der Stadt 1468 residierte in Stuhm ein polnischer Starost sowie das Marienburger Landgericht . König Sigismund II. August von Polen bestätigte der Stadt 1553 die 1416 verliehenen Rechte, erweitert um einen Jahrmarkt und einen Wochenmarkt.

Die vom Orden im Frieden von Thorn abgetretenen Gebiete blieben zunächst als Preußen Königlichen Anteils preußisch und waren ein mit der polnischen Krone in Personalunion verbundener autonomer Staat. Dieses Inkorporationsprivileg wurde später jedoch infrage gestellt und mit dem „Lubliner Dekret“ von 1569 abgeschafft, indem man das Land in das Königreich Polen eingliederte. Der Marienburger Wojewode Achatius von Zehmen (1485 – 1565), der sich lange erfolgreich gegen diese Annexion gewehrt hatte, liegt in der Stuhmer Kirche begraben. In dieser Zeit verlor die Stadt Stuhm jedoch nachhaltig an Bedeutung, denn ihre ordenszeitliche Bedeutung als Sperrfeste vor der Marienburg hatte sie verloren.

In den beiden schwedisch-polnischen Kriegen wurde Stuhm 1626-1629 und 1655-1660 von schwedischen Truppen besetzt und nahm den üblichen Schaden. Am 26. Juni 1629 fand in der Nähe eine der größten Schlachten des 1. schwedisch-polnischen Krieges, die Schlacht bei Honigfelde, auch Schlacht bei Stuhm genannt, statt. Im Nordischen Krieg (1701 – 1721) wurde Stuhm erneut von schwedischen Truppen okkupiert.

Ab jetzt verlor die Stadt ihre militärische Bedeutung gänzlich. Zuerst wurden die Wehrtürme, später auch Teile der Stadtmauer abgebrochen. Stuhm zählte damals 513 Einwohner, die sich hauptsächlich mit der Landwirtschaft, dem Handwerk, dem Branntweinbrennen und der Bierbrauerei beschäftigten. 1683 zerstörte ein großer Brand die Stadt und zog auch das Rathaus in Mitleidenschaft.

Mit der ersten polnischen Teilung 1772 kam Stuhm an das Königreich Preußen und wurde Sitz eines preußischen Kataster- und Domänen-Rentamtes. Nach der obligatorischen Bestandsaufnahme verfügte die Gemeinde innerhalb der Stadtmauern über 75 Wohnhäuser. Dazu kamen einiger Häuser in der Vorstadt.

1818 wurde Stuhm im Zuge der preußischen Verwaltungsreform Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, weil in dem eigentlich für diese Funktion vorgesehenen Christburg nicht die erforderlichen Räumlichkeiten zur Verfügung standen. In der Folge entwickelte sich die Stadt recht gut. Die Einwohnerzahl stieg von 918 im Jahr 1804 auf 2.265 im Jahr 1890. Durch Eingemeindungen bis 1924 (Vorschloss, Hintersee, Ostrow, Lindenkrug, Stuhmerfelde, Stuhmsdorf) erlangte Stuhm flächenmäßig das Niveau einer großen Stadt.

1913 wurde Stuhm wieder Garnisonsstadt. Es wurden Kasernen gebaut und ein Bataillon Soldaten hierher verlegt.

Im Jahr 1910 gaben im Kreis Stuhm (36.527 Einwohner) 57,4 % deutsch und 42,6 % polnisch als ihre Muttersprache an. Bei der Volksabstimmung nach dem 1. Weltkrieg entschieden sich demzufolge überproportional viele Stimmberechtigte, 19,07 %, für den Anschluss an Polen. In der Stadt Stuhm waren es sogar 26,5 %. Damit erzielte die polnische Partei ihr bestes Ergebnis im gesamten Abstimmungsgebiet. Als am 30. November 1920 in Allenstein der „Bund der Polen in Ostpreußen“ ins Leben gerufen wurde, stammte einer der Vorsitzenden – Pawel Muchowski – aus Stuhm. Vorsitzender des Bundes war Kazimierz von Donimirski, Leiter der polnischen Volksbank in Stuhm und Gutsbesitzer.

Im weiteren Verlauf der Geschichte war dann der Landkreis Stuhm einer der Wahlkreise, in denen dieNationalsozialisten besonders schlecht abschnitten und das katholische Zentrum außerhalb des Ermlands einen Achtungserfolg erzielte. Die Nazis gründeten in Stuhm eine der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA) und hier wie anderswo wurde in der Reichspogromnacht 1938 die Synagoge in der Wasserstrasse zerstört.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 verlegte man das Kriegslazarett Nr. 916 aus dem fast eingekesselten Kurland nach Stuhm. Am 25. Januar 1945 wurde die Stadt kampflos von der Roten Armee besetzt. Die Stadt wurde in Brand gesetzt und die Wohngebäude zu mehr als der Hälfte zerstört.

1975 wurde der Kreis Stuhm, wie andere Kreise auch, aufgelöst und an die neu entstandene Wojewodschaft Elbing angeschlossen. Seit der jüngsten Verwaltungsreform befindet sich die Stadt Stuhm im Kreis Malbork und damit in der Wojewodschaft Pommern.

Auf dem hiesigen Marktplatz stürzte am 16. Juni 1929 der weithin bekannte Flugpionier Ferdinand Schulz zusammen mit seinem Kopiloten Bruno Kaiser anlässlich einer Schauflug-Veranstaltung zur Einweihung eines Kriegerdenkmals tödlich ab. Bei seinem Motorflugzeug hatte sich eine Tragfläche gelöst. Ferdinand Schulz war es, der 1924, in Rossitten auf der Kurischen Nehrung startend, einen ersten Weltrekord aufstellte, indem er mit einem Segelflugzeug, seiner “Besenstielkiste”, 8 Stunden 42 Minuten in der Luft blieb. Das Kriegerdenkmal wurde auf dem Platz errichtet, auf dem das 1918 abgebrannte „Deutsche Haus“ gestanden hatte. Stanislaus Cauer schuf dafür die Symbolfigur „Trauernde Mutter“

 
 
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