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Kneiphof und Dom

Der Kneiphof auf der Pregelinsel erhielt 1327 vom Hochmeister W. von Orseln die Stadtrechte und blieb eigenständig bis 1724, als die drei Städte Altstadt, Löbenicht und Kneiphof zusammengeschlossen wurden. Ganz am Anfang hieß die Insel Werder oder Vogtswerder, wurde aber schon in der Gründungsurkunde als „knipab“ bezeichnet, womit man möglicherweise meinte, das die Stadt von den beiden Pregelarmen abgekniffen wurde.

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Der Kneiphof auf der Pregelinsel erhielt 1327 vom Hochmeister W. von Orseln die Stadtrechte und blieb eigenständig bis 1724, als die drei Städte Altstadt, Löbenicht und Kneiphof zusammengeschlossen wurden. Ganz am Anfang hieß die Insel Werder oder Vogtswerder, wurde aber schon in der Gründungsurkunde als „knipab“ bezeichnet, womit man möglicherweise meinte, das die Stadt von den beiden Pregelarmen abgekniffen wurde.

Da der Kneiphof von den Kaufleuten bevorzugt bewohnt wurde, gehörte diese Stadt zu den reicheren der drei Königsberger Gründungen und war ein entsprechend wohlgestaltetes Quartier. Es hieß nicht umsonst: „Der Altstadt die Macht, dem Kneiphof die Pacht“ (oder: … die Pracht). In der Nacht zum 30. August 1944 ging der Kneiphof mit seinen Fachwerkhäusern im Feuersturm alliierter Bomber unter. Nur die Ruine des Doms ragte noch aus den Trümmern. Von den fünf Brücken waren vier zerstört.

Die neuen Bewohner Königsbergs planierten die Insel und verwandelten sie in eine Grünanlage mit Skulpturenpark. Die Ruine des Doms blieb stehen. Anstelle der vier zerstörten mittelalterlichen Brücken wurde 1972 eine 546 m lange und 27 m breite Hochbrücke über die beiden Pregelarme und die Insel errichtet.

Das Rathaus von Kneiphof, 1374 erstmals erwähnt und vermutlich bald nach 1327 angelegt, wurde 1695 - 1697 barock umgestaltet. Mit der Vereinigung der drei Städte 1724 zog die Verwaltung der Gesamtstadt in die Räume dieses Rathauses ein und blieb dort bis 1926, als die Verwaltung in den neuen Handelshof am Hansaring umzog. Ins Kneiphöfische Rathaus zog ein schon lange geplantes Museum ein, unter dessen Ausstellungsstücken sich auch die Kantandenken der Stadtbibliothek am Dom befanden. Erster Leiter des Museums war der in Pr. Holland geborene Maler und Graphiker Eduard Anderson.[2] Auf den Pfeilern neben den Treppenaufgängen stand jeweils ein ca. 1 m hoher Bär aus hellem Sandstein, der den Wappenschild des Kneiphofs in seinen Tatzen hielt. Diese beiden Bären fand man im Schutt der Insel. Sie wurden nicht entsorgt, vielleicht getragen von dem besonderen Wohlwollen der Russen gegenüber Bären, sondern befinden sich heute im Dom.

Bischof Johannes I. Clare (1320 - 1344) verlegte die ursprünglich in der Altstadt begonneneDomgründung, nachdem er 1322 den Kneiphof zugesprochen bekommen hatte, auf diese Insel, weil der Deutsche Orden ein geistliches Zentrum in der Altstadt ungern neben seiner Burg als weltlichem Zentrum zu stehen haben wünschte. Hochmeister Luther von Braunschweig setzte mit Vertrag vom 9. 9. 1333 auch durch, dass der Insel-Dom sich nicht zu einer wehrhaften Bischofsburg entwickelte, die er ebenfalls nicht in seinem unmittelbaren Umfeld duldete, und legte dafür die maximalen Wandstärken vertraglich fest. In dieser Zeit entstanden südlich des Doms außerdem Stiftsgebäude mit Kreuzgang für das Domkapitel, das mit seinem Sitz in Königsberg blieb. Unmittelbar am Pregelufer im Osten erhob sich die bischöfliche Pfalz, im Norden lagen Schule und Hospital. Alles zusammen ergab denBischofshof.

Der Dom wurde in drei Etappen von 1325 bis 1382 gebaut. Ältester Teil ist der Chor. Ein Wehrgang in der bei Vertragsabschluß bereits errichteten Ostmauer des Chors, Reste des südöstlichen Türmchens und die große Wandstärke der Chor-Nordwand bis zur Höhe von 2,75 m, die dann bis 1,28 Meter reduziert werden musste, zeugen noch von der anfänglichen Absicht, eine wehrhafte Kirchenburg zu bauen. Der Weiterbau der Nordwand und die Südwand wurden nach 1333 nur noch in einer Wandstärke von 1,28 m aufgeführt. Der Chor war als erstes fertig. Er teilte sich in einen östlichen Abschnitt für das Domkapitel und einen westlichen Teil für die Bürger des Kneiphofs. Nach Fertigstellung des Langhauses zog die Laiengemeinde dorthin um und der Sektor des Kapitels, der im Chor verblieb, wurde durch eine Lettnerwand vom Rest der Kirche abgeteilt. Dieser wurde seit der Reformation als Fürstengruft genutzt. Der Bau des Langhauses erstreckte sich von 1344 – 1351.

Die ursprüngliche Basilika wurde unter Hochmeister Winrich von Kniprode (1351 - 1382) zu einerPseudobasilika umgestaltet, indem man die Fenster nach oben verlängerte. Die Gewölbe baute man 1440 ein. 1820 wurden die Mauern des Langhauses erhöht und erhielten ein neues Gesims.

1523 ging vom Königsberger Dom die Reformation Ostpreußens aus - der von Martin Luther nach Königsberg gesandte Reformator Johannes Briesmann hielt – noch in Franziskanerkutte – am 27. September auf dem Kneiphof die erste evangelische Predigt. 1560 wurde der Dom offizielle Universitätskirche der unmittelbar nebenan gelegenen ,,Albertus-Universität" und seit dieser Zeit erhielten die Professoren der Hochschule ihr Ehrengrab auf der Nordseite des Doms. Briesmann gewann auch Georg von Polenz für die Reformation und der hielt schon im Dezember 1523 im Dom den Gottesdienst nach neuer Anschauung. Das war zugleich der erste Gottesdienst in deutscher Sprache. 1528 wurde der Dom dann die Pfarrkirche des Kneiphofs und 1560 Universitätskirche.

1544 fielen die beiden Türme der Westfassade einem Brand zum Opfer. Der Südturm wurde erneuert und bekam einen zwölfeckigen Aufsatz im Stil der hier gerade beginnenden Renaissance und eine Uhr, der Nordturm erhielt ebenso wie der Mittelbau ein schlichtes Satteldach, und diese hielten unverändert bis zum 2. Weltkrieg. In etwa dieser Zeit, nach 1542, entstand die Honigbrücke als letzter der mittelalterlichen Brückenbauten, über die man vom ehemaligen jüdischen Waisenhaus über den Pregelarm zur Kneiphofinsel gelangt.

Nach der Besetzung Königsbergs durch Napoleon 1807 diente der Dom als Lazarett, Gefängnis, Remise. Bis zum Ende des 19. Jhs. war das Gebäude so heruntergekommen, dass es einzustürzen drohte. Durch besonderen Einsatz des Provinzialkonservators Richard Dethlefsen gelang von 1901 – 1907 die Sanierung.

Beim Angriff am 26. bis 30. August 1944 durch britische Kampfbomber wurde der Dom nicht direkt getroffen, jedoch durch brennende Gebäude ringsum in Brand gesteckt und brannte ungehemmt aus - getreu dem Führerbefehl „Kirchen zuletzt löschen“. Das Feuer griff erst auf das Dach, dann auf den Turm, die Seitenwände und dann auf das Innere über. Erstmals zum 250. Geburtstag Kants 1974 begann man halbherzig, die Ruine zu entrümpeln.

1990 beschloss der Stadtrat den Wiederaufbau und 1992 gründeten einige Russen die Firma „Kafedralny Sobor“ mit dem Ziel, zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege (ZHD) die Domruine zu sichern und nach Möglichkeit wieder aufzubauen. Nachdem „Die Zeit“ eine Spende von 1,25 Mio DM zur Verfügung gestellt hatte, konnte das Dach des Hauptschiffs wieder aufgesetzt werden. Der Dom hat sich in seiner 600jährigen Geschichte durch sein Gewicht um 1,67 m gesenkt. Bei der jetzigen Restaurierung wählte man deshalb eine leichtere Stahlkonstruktion für den Dachaufbau, dessen Gewicht um 40 % gegenüber früher gesenkt werden konnte. Am 24. 10. 1998 feierte man die Wiederherstellung des Daches mit einer feierlichen Aufführung des „Requiem“ von Mozart. Im Dom sollen zukünftig kulturelle Veranstaltungen stattfinden wie Konzerte u. ä. sowie ökumenische Gottesdienste.

1995 goss ein Kaliningrader Metallwerk die vier Glocken "Russland" (1180 kg.), "Alexander Newskij" (700 kg.), "Peter der Große" (580 kg.) und "Kneiphof" (200 kg.), welch letztere eine Oktave höher schlägt als die Russland-Glocke. Das Material stammt aus der beschlagnahmten Beute von Metalldieben, zur Verfügung gestellt von der Zollverwaltung. Die Glocken schlagen zu jeder Viertelstunde. Bei jeder vollen Stunde erklingt vor dem tiefen Stundenschlag der Russland-Glocke die Anfangsmelodie aus Beethovens fünfter Sinfonie.

In den Türmen wurde 1997 ein Museum eröffnet. Es enthält das, aber auch ein Modell des Doms und 345 Bücher aus der Wallenrodtschen Bibliothek. Diese Bibliothek wurde von Martin von Wallenrodt (1570-1632), ehemals Kanzler in dieser Stadt, 1629 begründet. Wallenrodts Vorfahren stammten aus Franken und gelangten bereits zur Ordenszeit nach Preußen Konrad von Wallenrodt war 1391 - 1393 Hochmeister. Es handelte sich bei der Bibliothek anfangs um eine Sammlung seltener Bücher und Handschriften, später um in Silber gebundene Prachtbände, Gemälde, Manuskripte und Briefe, u. a. von Herzog Albrecht und Martin Luther. Er hinterließ seinen Nachkommen 2.000 Bücher, die den Grundstock der Bibliothek bildeten, und weitere Kostbarkeiten. Johann Ernst von Wallenrodt (1615-1697), sein Sohn, belegte 1650 einen schlichten Raum im Südturm des Königsberger Domes und stellte 1659 die Bibliothek dort unter 1673 wurde sie in einem großen Raum hinter der Orgelrückwand der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und 1688 um einen Saal erweitert. Die Regale, geschmückt mit Palmenstämmen und darin verborgenen musizierenden Putten, schuf Gregor Singknecht. Die Bücher entstammten mehrheitlich dem 16. und 17. Jh., wobei die theologischen Schriften überwogen. Die Wallenrodt-Erben durften die Bücher nicht verkaufen und mussten sogar für ihren Unterhalt aufkommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt die 21.000 Werke umfassende Wallenrodtsche Bibliothek, davon 3.500 Bücher im Dom, anfangs als verschollen bzw. als requiriert. Doch tauchten immer wieder Bücher und Handschriften von ihr auf. Man fand dann heraus, dass allein in St. Petersburg mehrere tausend Bücher der Wallenrodiana aus dem Dom und auch Dubletten aus der Staats- und Universitätsbibliothek in Königsberg überlebt hatten. Über 300 zusammen gesammelte Bücher aus dem Dom befanden sich seit 1981 wieder an der Universitätsbibliothek in Kaliningrad.[4]Neuerdings rekonstruierte man die kunstvoll verzierten Bücherregale, um die Wallenrodt-Bücher angemessen zu präsentieren. Das Luther-Gemälde aus der Wallenrodtschen Bibliothek befindet sich heute im Dohnaschlößchen von Mohrungen.

Der Chor des Doms hat wieder ein Deckengewölbe. Es werden 8 Fenster eingebaut, in denen die Wappen von 8 hier beigesetzten Hochmeistern zu sehen sein werden, darunter das von Luther von Braunschweig und von Herzog Albrecht. Bis 2005 sollen alle Rippengewölbe im Dom wieder hergestellt und die Schäden am Epitaph von Herzog Albrecht beseitigt sein. Der Fußboden erhält eine Heizung und es werden zwei Orgeln beschafft. Die Empore für die Hauptorgel existiert bereits.

Im Königsberger Dom gab es im Laufe der Jahrhunderte mehrere Orgeln. Eine erste Orgel hatte der Dom bereits 1335 erhalten, und die wegen ihres guten Klangs berühmte Große Domorgel von Mosengel wurde 1721 oder 1728 eingebaut. Die letzte Orgel stammte von 1928, gebaut von Furtwängler & Hammer, Hannover. Ausführlich über die Orgeln im Dom: Paul Heinrich, Ein Markstein des modernen Orgelbaus, Oprbl. Nr. 47/89, S. 10. Die jetzt neu installierte große Orgel wurde ebenso wie die kleine von der Alexander Schuke Orgelbaufirma Potsdam GmbH in Werder(Havel), Otto-Lilienthal-Straße 33 (Havelauen) gebaut und am 14. Dezember 2007 in Anwesenheit von Präsident Putin eingeweiht. Die Figuren am Orgelprospekt entstanden durch russische Holzschnitzer.

Am 9. September 2006 wurde bereits die kleinere Chororgel mit einem Konzert eingeweiht, an dem auch der Domorganist von Erfurt, Silvius von Kessel, teilnahm. Dessen Auftritt war ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Erfurter Domorgel als Vorbild für die neue große Königsberger Orgel diente.

An der Ostwand des Hohen Chors blieben Teile des Grabdenkmals für Herzog Albrecht (gest. 1568) erhalten, von Cornelis Floris im Stil italienischer Hochrenaissancegräber 1570 - 1572 geschaffen. Die Reste des Grabmals der Markgräfin Elisabeth (gest. 1578) von Willem van dem Blocke an der Nordwand wurde erst im Zuge früherer Restaurierungsarbeiten vernichtet, ebenso wie das Epitaph der Herzogin Dorothea , entworfen von Jakob Binck aus Köln, ausgeführt von Cornelius Floris und aufgestellt von dem Bildhauer Heinrich Vlint auf der Nordseite des Hohen Chors . Von der Büste der Herzogin Dorothea, Tochter des dänischen Königs, die Bestandteil des Epitaphs war, konnte man eine genaue Kopie des Originals anfertigen, das sich in Kopenhagen befindet. Inzwischen wurde das Epitaph von Herzogin Dorothea wieder originalgetreu restauriert. Aber nicht nur das. Dombaumeister Odinzow erinnerte sich, dass es in Moskau seit dem Ende des 2. Weltkriegs ein Depot gibt, wo viele aus Deutschland stammende Büsten und Figuren versammelt sind. Er bat, dort mal nach der Büste der Herzogin Dorothea zu forschen und wurde fündig. Ein sowjetischer Soldat hatte sie offenbar aus der Ruine des Doms gerettet. Jetzt wird das nachgebildete Epitaph der Herzogin Dorothea gekrönt durch das Original ihrer Büste - wie vor dem Krieg.[1]


An der Südwand finden sich dagegen noch die Epitaphien von Herzogin Anna Maria, der 2. Frau von Herzog Albrecht, vollendet 1572, und von Bogislaus und Anna Maria Radziwill. Fürst Bogislaus Radziwill (1620 – 1699) war polnischer Calvinist, der noch dazu im ersten Nordischen Krieg Partei für die schwedische Seite ergriffen hatte. Er wurde deshalb in Polen geächtet, verlor Besitz und Vermögen und übersiedelte darauf hin nach Preußen, wo er ab 1657 als Statthalter des Großen Kurfürsten in Königsberg tätig war. Er übersetzte das Lied „Wach auf, mein Herz und singe“ ins Polnische und hinterließ der Universität 500 Bücher und Folianten.

Verloren ist das wegen seines hohen künstlerischen Wertes geschätzte Grabdenkmal des Kanzlers und ersten Präsidenten des 1657 gegründeten Oberappellationsgericht Johann von Kospoth, ebenso das weniger bedeutende von Ernst von Wallenrodt. Im Eingangsbereich liegt die Grabplatte des Hochmeisters Luther von Braunschweig, des Erbauers des Doms, die durch Kriegseinwirkung zersprungen war. Von seinem Grabmal mit einer geschnitzten Plastik des Verstorbenen sind noch Fragmente der steinernen Grabtafel mit Teilen der Inschrift im Dom erhalten. In den Museumsräumen des Turms werden zahlreiche originale Steine und Bodenfundstücke ausgestellt.

Die bis zum 2. Weltkrieg noch vorhandenen 20 von 168 Bildern des Heilszyklus im Chor sind auch verloren. Der Zyklus, entstanden 1330 – 1340 durch den Straßburger Mönch Ludolf von Sachsen, war in der Reformationszeit übertüncht und in den nachfolgenden Jahrzehnten z. B. durch die Anbringung von Epitaphien stark beschädigt worden. 1901 – 1907 legte man den überlebenden Rest frei.

Einige Epitaphfragmente und anderes wie Verzierungen des Orgelprospekts, die 1944 evakuiert worden waren, gelangten in das Museum von Allenstein. Im Dohnaschlösschen von Mohrungenbefindet sich das Epitaph von Johann von Nemitz mit der ältesten Ansicht von Königsberg und des Schlosses, gemalt 1557 von Heinrich Königswieser. Außerdem haben sich dort Engelsfiguren vom Domorgelprospekt angefunden.

Im Jubiläumsjahr 2005 wurde die nach alten Vorlagen wiederhergestellte Taufkapelle, die 1595 angebaut worden war, wiedereröffnet. Aus demselben Jahr stammt der Taufstein, der, wenn auch beschädigt, wieder in der Taufkapelle stehen wird. Diese erhielt ebenfalls 2005 ein großes Altarbild von Tilo Beier mit dem Titel „Noli me tangere“, der Bezug nimmt auf ein Zwiegespräch zwischen dem wieder auferstandenen Jesus mit Maria Magdalena – siehe Joh.20:17. Tilo Beier wohnt in Karlsruhe und ist mit einer Russin verheiratet. Er verfügt über gute Beziehungen zu Kaliningrad und leistet viele Beiträge zur deutschen Kulturpflege dort. Die Taufkapelle wird wieder mit einer schmückenden Holzwand abgeschlossen werden. Der zerstörte Taufstein hat ein Bronzebecken erhalten, sodass er wieder für Taufen verwendet werden kann. An einer Seitenwand will Baumeister Odinzow noch eineErinnerungstafel für Immanuel Kant anbringen, der hier in der Kapelle getauft wurde. Seinerzeit 1724 war der Dom gleichzeitig Pfarrkirche der Vorstadt, in der die Familie Kant lebte.

Im Gebietsmuseum von Königsberg befinden sich aus der Domkirche: 2 Tugenden (Fides und Spes), Putto vom Grabdenkmal Herzog Albrechts, 4 Reliefs mit Opferszenen vom Epitaph der ersten Frau von Herzog Albrecht, der dänischen Prinzessin Dorothea (gest. 1549), ein Kunstwerk aus Alabaster von Cornelis Floris.

Die alte Stundenglocke des Doms - 100 kg schwer - fand Professor Carl Stange 1952 auf dem Hamburger Glockenfriedhof und vermittelte sie an die Klosterkirche des Benediktinerklosters von Bursfelde an der Weser im Landkreis Göttingen, wo sie jetzt läutet. Die Glocke trägt die Inschrift D ET Joh An Do MCCCCLXX G da / Jochim GryTTE - wurde also 1470 gegossen, und zwar in Danzig.

Die 1.200 kg schwere alte „Silberglocke“ - wohl wegen ihres Klanges so genannt - entkam ebenfalls dem Einschmelzofen. Sie wurde 1736 von Andreas Dorling in Königsberg gegossen, befand sich im Südturm des Doms und hängt seit 1951 in der Gedenkstätte des Deutschen Ostens auf Schloss Burg an der Wupper im Bergischen Land in einer Glockenkammer zusammen mit 2 Glocken aus Breslau.

Eine dritte der 5 Glocken des Königsberger Doms hat überlebt: eine 75 kg schwere und 1680 gegossene Glocke, die sich jetzt in St. Georg in Wester-Wanna bei Cuxhaven befindet. Verloren gegangen ist dagegen die 1492 gegossene große Marienglocke aus dem Nordturm, die größte seinerzeit in Ostpreußen überhaupt, sowie die kleine Goldglocke aus dem Südturm, die die Gottesdienste einläutete. Die 4,2 Tonnen schwere Marienglocke wurde erst 1949 demontiert und dann zerstört.

Der letzte Domorganist, Prof. Herbert Wilhelmi, schrieb über den Untergang der großen Glocke: "Beim zweiten Angriff in der Nacht vom Montag zu Dienstag konnten fast 400 Menschen dort (im Dom unter einer eingefügten Betondecke- Anm. der Red.) Schutz finden. Und dabei geschah es, daß mitten im Feuersturm die Eingeschlossenen plötzlich die

Marienglocke im Nordturm sieben Mal anschlagen hörten; darauf ein dumpfer Fall auf die Betondecke. Nach drei Tagen fanden wir nur den zentnerschweren Klöppel. Besucher der Domgottesdienste wissen, das beim "Vater unser" der alte Glöckner Lenk die Marienglocke sieben Mal ... anzuschlagen hatte. So hat die Marienglocke bis zum letzten "Atemzuge" ihre Gottesdienstpflicht erfüllt".[3]

Im Chor des Doms war der Prunksarg Kurfürst Georg Wilhelms, Vater des Großen Kurfürsten und einziger in Königsberg begrabener Hohenzollernherrscher, aufgestellt. Das Feuer im Dom nach dem Bombenangriff vom 29./30. 8. 1944 überstand der Sarg relativ unversehrt. Nach der Eroberung Königsbergs durch die Sowjets erlitt er dann arge Beschädigungen, stand aber noch 1947 auf seinem Platz - mit heruntergeschlagenen Verzierungen und einem eingebrochenen Loch. Der anschließende Verbleib ist unbekannt

Die Königsberger Loge „Zum Totenkopf und Phönix“ stiftete zusammen mit der Drei-Kronen-Loge und der Loge Immanuel ein Glasfenster für die Taufkapelle des Doms, das die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer darstellte. Dieses Fenster ging im 2. Weltkrieg verloren. Der russische Baumeister Odinzow fand im Archiv in Allenstein die Originalvorlage für dieses Fenster und ließ danach ein neues Fenster herstellen. Die Loge „Zum Totenkopf und Phönix“ entstand als einzige ostdeutsche Loge nach dem Krieg in Westdeutschland wieder, indem sie am 22. 5. 1947 neu gegründet wurde. Allerdings wurde auch die Drei-Kronen-Loge im Jahr 2002 unter Mithilfe deutscher, russischer und polnischer Freimaurer in Kaliningrad zu neuem Leben erweckt und trägt dort weiterhin den alten Namen.

(Literaturhinweis zum Königsberger Dom von Lorenz Grimoni:



    • Manfred Gerner/Igor Alexandrowitsch Odinzow – Der Königsberger Dom, 1998

    • August Rudolph Gebser/Ernst August Hagen: Der Dom zu Königsberg, 1835

    • Fachhochschule Rosenheim: Der Königsberger Dom – Phönix aus der Asche, 2001

    • Stadtgemeinschaft Königsberg: Königsberger Bürgerbrief ab 1992)



Förderverein Königsberger Dom
Konto 248000259, Stadtsparkasse Duisburg BLZ 350 500 00
Rückfragen: Lorenz Grimoni, Fürstenstrasse 14, 47051 Duisburg

Vom Kneiphof gelangt man über die Honigbrücke zur Lomse. Es hat sich der Brauch herausgebildet, dass frisch verheiratete Paare, inzwischen aber auch in Ehren ergraute Eheleute, auch deutsche, ein Schloss am Brückengeländer befestigen und den Schlüssel in den Pregel werfen.


[1] Lorenz Grimoni, Förderkreis Dom, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2011, S. 72
[2] Hanswerner Heincke, Das Stadtgeschichtliche Museum in Königsberg, Königsberger Bürgerbrief, 1978, S. 2
[3] Prof. Herbert Wilhelmi, Von der Domglocke auf Schloß Burg an der Wupper, Königsberger Bürgerbrief 1978, S. 17
[4] Lorenz Grimoni, Die Wallenrodtsche Bibliothek im Königsberger Dom, Königsberger Bürgerbrief, Sommer 2013, S. 52 ff

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Rathaus Kneiphof (Königsberger Bürgerbrief, 1978)
Magistratssitzungssaal ((Königsberger Bürgerbrief, 1978)
 
 
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