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Geschichte von Friedrichstein

In Friedrichstein befand sich einst eines der berühmtesten Schlösser Ostpreußens, Stammsitz der Familie von Dönhoff und Geburtsort von Marion Gräfin von Dönhoff. Das Schloss wurde nach dem 2. Weltkrieg abgerissen, jedoch ist der Grundriss zwischen dem Teich und dem Plateau des ehem. französischen Gartens durch Mauerfragmente in der Erde noch lokalisierbar. Wirtschaftsgebäude blieben teilweise stehen. Das Gut umfasste um 1900 insgesamt 10.000 ha und gehörte zu den größten Ostpreußens.

Im Zusammenhang mit einer Hypothek, die der Freiherr Hans Jacob zu Waldburg und Erbtruchseß der Heil. Röm Reichs Ende des 16. Jhs. den Besitzern aus der Familie Jonas gewährte, war die Familie zu Waldburg bis zum 2. September 1666 in Friedrichstein ansässig. Der Sohn Friedrich zu Waldburg, Amtshauptmann zu Marienwerder, wurde 1607 mit Löwenhagen, Reichenhagen, Sigstein und dem Hof Barten bei Ottenhagen belehnt. Auf dem Gelände von Siegstein wurde ein neues adliges Wohnhaus errichtet und nach Friedrich zu Waldburg „Friedrichstein“ genannt. Nach dem Tod des Freiherrn zu Waldburg 1625 führte seine Witwe Maria von Waldburg, geb. von Kreutzen, die Wirtschaft bis zu ihrem Tod am 17. 9. 1642. Die wirtschaftliche Lage der Besitzung war zu dieser Zeit nicht gut und der Erbe Hans Albrecht zu Waldburg sah sich gezwungen, Friedrichstein, Löwenhagen, Reichenhagen und die fünf zu Anfang des 17. Jhs. gegründeten Holländerdörfer zu verkaufen. Ihm blieb nur das Haus Barten und das kleine Dorf Ellerwalde. Gut Friedrichstein allein hatte eine Fläche von rd. 450 ha.

Am 2. September 1666 gab der Große Kurfürst seine Zustimmung zum Kauf durch Friedrich Graf von Dönhoff (gest. 26. 2. 1696), Kammerherr des Kurfürsten und Oberstleutnant, und zugleich wurde der Kaufvertrag mit einem Preis von 25.500 Reichstalern unterschrieben. Nunmehr saß die Familie von Dönhoff bis zum Ende der deutschen Zeit 1945 in Friedrichstein als dem Stammsitz des ostpreußischen Zweigs der Familie.

Der Erbe Otto Magnus Graf von Dönhoff (gest. 14. 12. 1717) war in diesem Zeitpunkt Kurfürstlicher Kammerherr, Brigadier zu Fuß, Gouverneur und Amtshauptmann zu Memel. Zur Krönung Friedrichs I. 1701 durfte er die Krone von Sophie Charlotte tragen und wurde als einer der ersten mit dem zu diesem Anlass gestifteten Schwarzen Adlerorden ausgezeichnet. Der König ernannte ihn zum Wirklichen Geheimen Etats- und Kriegsminister und zum General, doch 1708 fiel er als Mitglied des „Dreigrafenkabinetts“ in Ungnade. Hinfort widmete er sich seinem Landbesitz.

Als im Winter 1709 eine Feuersbrunst das damalige Gutshaus zerstörte wurde Jean de Bodt (1670 – 1745), Architekt u. a. des Zeughauses in Berlin, beauftragt, einen repräsentativen neuen Herrschaftssitz zu schaffen. Jean de Bodt war 1699 aus England nach Brandenburg gekommen und leitete in Berlin nach Andreas Schlüter den Bau des Zeughauses, dessen Vorderfront er nach eigenen Entwürfen umgestaltete. Bauleiter war John de Collas wie auch in Dönhofstädt und Schlodien.

Von 1709 bis 1714 entstand so das fast 100 Meter messende Schloss Friedrichstein, das zu den bekanntesten und schönsten Königsschlössern in Ostpreußen gehörte, bis es am 26. Januar 1945 ausbrannte und die Ruine 1957 abgetragen wurde. Ähnlich wie General Albrecht Conrad Finck von Finckenstein in Finckenstein nutzte Otto Magnus von Dönhoff seine Stellung als Regimentskommandeur dazu, 100 Soldaten dieser Einheit für die Bauarbeiten einzusetzen. Während die reinen Bauarbeiten 1714 weitgehend abgeschlossen wurden, zog sich der Innenausbau mit den repräsentativen Rokoko-Räumen im Erdgeschoß durch italienische Künstler bis 1750 hin.

Das Schloss hatte 19 Achsen, einen zweigeschossiger Mitteltrakt, Seitenrisalite an der Hof- und Gartenseite sowie zentrale Risalite, ein hohes Kellergeschoß und ein Mansardendach. Die Hofseite betonte ein Portikus in ionischer Ordnung, an der Gartenseite gab es eine analoge Außenloggia. Diese Seite war zu einem lang gezogenen Teich hin ausgerichtet, vermutlich einem alten Pregelteil.

Nach dem Tod von Otto Magnus von Dönhoff verwaltet seine Witwe Amalie aus dem Haus Dohna-Schlobitten den Besitz, da der erbende Sohn Friedrich (II.) erst 9 Jahre alt und somit unmündig war, bis sie 1725 den Grafen von Schwerin auf Wildenhoff ehelicht. Vormund für den Erben bis 1733 war Friedrich Boguslaus von Dönhoff auf Wulfsdorf. Er heiratete Sophia Wilhelmina von Kamecke, und an die erinnerte in Schloss Friedrichstein bis zuletzt die Kamecke-Stube.

1771 erbte Christian August Ludwig Carl von Dönhoff (1742 – 30. 3. 1803) als Ältester den Besitz. Er war unter König Friedrich Wilhelm II. Staatsminister und Obermarschall. Sein Enkel August Heinrich Herrmann Graf Dönhoff (10. 10. 1797 - ) wurde 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. als Gesandter an den Bundestag in Frankfurt/Main geschickt, wo ihn dann 1850 Bismarck ablöste. Die Friedrichsteinschen Güter wurde 1859, nachdem sämtliche Schulden aus der Franzosenzeit getilgt waren, in ein Fideikommiß umgewandelt, um der Gefahr der Zersplitterung der Güter zu entgehen. Jetzt erbte grundsätzlich der älteste Sohn den gesamten Besitz, während die nachgeborenen Jungen eine angemessene Ausbildung, die Mädchen eine standesgemäße Aussteuer erhielten und jedes Familienmitglied im Alter und in der Not ein Wohnrecht im Schloss erhielten.

Der vorletzte Besitzer, Graf August von Dönhoff, Vater von Marion Gräfin Dönhoff, gründete zusammen mit Wilhelm von Bode den Kaiser-Friedrich-Museums-Verein und war ein rühriger Förderer der Berliner Museen.

Letzter Besitzer des Gutes von 1942 bis zur Flucht war Dietrich Graf von Dönhoff (1902 – 1991), nachdem sein älterer Bruder Heinrich Graf von Dönhoff (1899 – 1942) mit dem Flugzeug bei Kaunas tödlich abgestürzt war. Der Gedenkstein für Heinrich Graf Dönhoff in Friedrichstein zwischen See und Museumsgebäude trägt folgende Inschrift: „Heinrich Graf Dönhoff, geboren 2. 12. 1899, gefallen 15. 11. 1942. Der Tod ist das Tor zum Leben“.

Das Gut war bis 1943 verpachtet. Nach dem Krieg wanderte Dietrich von Dönhoff mit seiner Familie 1952 nach Irland aus, wo er sich bis 1987 aufhielt. 1991 verstarb er im 89. Lebensjahr auf Gut Schwebda in Hessen, das seinem jüngsten Sohn Christian Graf von Dönhoff gehörte, nachdem er beim Beschlagen eines Pferdes, das ausschlug, schwer verletzt worden war. Er hatte 1980 der Stadtgemeinschaft Königsberg fünf Porträts von Immanuel Kant geschenkt, die sich im Familienbesitz befanden und jetzt im Museum Stadt Königsberg in Duisburg ausgestellt sind.

In der Nacht vom 25. zum 26. Januar 1945 geriet nach einer Explosion das Dönhoffsche Schloss in Brand. Im Keller waren zu diesem Zeitpunkt etliche Frauen aus dem Kirchspiel und aus vielen Trecks der Umgebung eingeschlossen. Sie konnten gerade noch rechtzeitig befreit werden und mussten dennoch in der üblichen Weise leiden. Viele Geschossdecken stürzten sehr bald ein.

Von den Friedrichsteiner Wirtschaftsbauten hat sich wohl die Schmiede erkennbar, doch ohne Dach und mit begonnenen Umbauten, erhalten, und vermutlich gibt es auf dem Frontgiebel noch die Wetterfahne mit dem Dönhoffschen Wappen, dem Eber- oder Schweinekopf. Auch die Anlage der ehemaligen Fasanerie an der Straße von Wehlau nach Löwenhagen beim Ortseingangsschild „Komsomolsk“ ist noch erkennbar, wenn auch stark verfallend.

Eine überlebensgroße Sandsteinfigur hat, wenn auch beschädigt, die Vernichtung überstanden und steht heute im Hof der ehem. Neuen Universität in Königsberg, wo auch andere Denkmäler aus deutscher Zeit lagern. Es handelt sich um eine männliche Figur mit 2 Delphinen, dieser ohne Kopf, jene ohne das angestückte Maul. Es müsste sich um Neptun handeln.

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Schloss Friedrichstein vor 1941
Gedenkstein für Heinrich Graf Dönhoff