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Die Anfänge des Fußballspiels in Gumbinnen

Der nachfolgende Beitrag wurde von Herrn Wolfgang Müller-Lee zugeschickt. Quelle: Otto Gebauer „Gumbinner Heimatbuch (1958)

"Fußballklub Preußen

Im Jahre 1907 versuchten junge Leute, die bisher Turnen oder Radfahren betrieben hatten, den Männerturnverein und den Radfahrerverein für den Fußballsport zu gewinnen. Beide Vereine lehnten ab, brachten sie doch diesem „neuen Sport“ das größte Misstrauen entgegen. Allen Widerständen zum Trotz gründeten Unentwegte am 18. April 1907 den Fußballklub Preußen.

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Der nachfolgende Beitrag wurde von Herrn Wolfgang Müller-Lee zugeschickt. Quelle: Otto Gebauer „Gumbinner Heimatbuch (1958)

"Fußballklub Preußen

Im Jahre 1907 versuchten junge Leute, die bisher Turnen oder Radfahren betrieben hatten, den Männerturnverein und den Radfahrerverein für den Fußballsport zu gewinnen. Beide Vereine lehnten ab, brachten sie doch diesem „neuen Sport“ das größte Misstrauen entgegen. Allen Widerständen zum Trotz gründeten Unentwegte am 18. April 1907 den Fußballklub Preußen.

Unter Führung von Kurt Paethe und Mitarbeit von Fritz Schacknies begann der Klub mit 20 Mitgliedern seine Tätigkeit für den Rasensport in Gumbinnen und darüber hinaus für die Provinz Ostpreußen. Die Gründung des Fußballklubs Preußen als erstem Provinzverein dieser Art – nur in Königsberg waren schon Rasensportvereine vorhanden – wirkte aufmunternd für Bestrebungen gleicher Art in Insterburg und anderen Städten.

Der Tätigkeit dieser kleinen Schar stellten sich die größten Schwierigkeiten entgegen. Überall stieß der Klub mit seiner neuen, bisher unbekannten Sportart auf Widerstand. Alle um Beihilfe angegangenen Kreise, die Behörden wie auch Privatleute, versagten anfänglich jede Unterstützung, ja, sie versuchten sogar, den „Kampf um das Leder“ ins Lächerliche zu ziehen. So blieb die unbeugsame Schar junger Sportler zunächst nur auf den Opferwillen aus den eigenen Reihen angewiesen.

Der erste Fußball wurde aus Insterburg geholt. Fußballschuhe waren für die meisten Mitglieder unerschwinglich und in Gumbinnen damals auch gar nicht zu haben. Es wurde mit gewöhnlichen Straßenschuhen gespielt, oft mit langen Hosen und weißen Hemden. Einen vollständigen Spielanzug vermochte man sich erst allmählich anzuschaffen. Als erstes Spielfeld diente der damalige Exerzierplatz vor dem Sodeiker Tor.

Wohl erteilte die Militärverwaltung die Erlaubnis zur Benutzung des Platzes, doch hatte sie dieGrasnutzung anderweitig verpachtet. Der Pächter sah im Fußballspiel eine Schädigung durch Minderung seiner Grasnutzung. Am Sonntag sollten Wettspiele ausgetragen werden, am Sonntag behielten die Kühe aber auch ihre Weideplätze. Aus diesem Grunde gab es fortgesetzt Reibereien zwischen dem Verein und dem Pächter, sehr oft musste die Polizei vermittelnd eingreifen. Hinzu kam noch, dass die Kühe den Platz verunreinigten, so dass er vor den Spielen regelmäßig erst gesäubert werden musste.

Trotzdem nahm das Interesse für das Fußballspiel in Gumbinnen ständig zu. Bestanden die Tore anfänglich nur aus zwei Stangen und diente als Querlatte bloß ein Bindfaden, war ferner kein Tor- und Strafraum gekennzeichnet, der Ball fand schon seinen Weg. Ging auch mitunter bei einem gewaltigen Schuss der Schuh auseinander, es wurde mit einem Eifer gespielt, der heute noch vorbildlich wäre.

Ungeachtet aller heute unbekannten Widerstände wuchs der Klub, seine Gemeinschaft erstarkte. Durch das tatkräftige Wirken seines damaligen Vorsitzenden, Bäckermeister Mahl, stieg die Mitgliederzahl und das Spielkönnen steigerte sich beachtlich. Man wurde in Königsberg auf den Provinzverein aufmerksam. Auf Veranlassung des Baltischen Rasensportverbandes führte der Sportverein Prussia-Samland 1908 ein Werbefest in Gumbinnen durch. Zwar verloren die Preußen mit 3:0, aber die geringe Niederlage gegen Königsberg hob das Selbstbewusstsein.

Fleißiges Üben und weitere Spiele mit Insterburger und Königsberger Vereinen brachte auch die ersten Siege. Der stolzeste Sieg war der gegen Germania Königsberg. Die Farben des Klubs Schwarz-Weiß, die auch die Sporthemden in Längsrichtung zeigten, wurden in ganz Ostpreußen bekannt.

Das Jahr 1909 brachte dem Klub durch die Neugründung des Sportvereins Litauen und des Sportklubs Gumbinnen mehr Wettspielgelegenheiten am eigenen Ort. Ungeahnt schnell hatte sich das Fußballspiel in zwei Jahren Gumbinnen erobert. Beigetragen hat hierzu wesentlich das Spielkönnen der „Preußen“, die im Bezirk führten. Der einzige vorerwähnte Spielplatz wurde mittlerweile zu klein.

Diese Tatsache und die gute Entwicklung des Vereins ließen den Plan reifen, sich einen eigenen Platz zu schaffen. Ein geeignetes Gelände wurde am Stallupöner Tor gefunden und von dem Ehrenmitglied Rudatis, Preußendorf, kostenlos zur Verfügung gestellt. Bereits im Frühjahr 1910 konnte mit der Einzäunung und dem Ausbau des Platzes begonnen werden. Die aufgewendeten Kosten betrugen die für den Klub stattliche Summe von 3.500,- Mark.

An der am 26. Juli 1910 erfolgten, mit einem großen Sportfest verbundenen Einweihung des Platzesnahmen Sportler aus ganz Ostpreußen teil. Ein Beweis dafür, was ein zäher Wille und Ausdauer zu erreichen vermögen. Die großen Schwierigkeiten waren durch die Tatkraft seines Vorstandes und die Treue seiner Mitglieder überwunden.

Die Stimmung für den Rasensport war plötzlich umgeschlagen, überall fand er nunmehr begeisterte Anhänger. Behörden, vor allem das Militär, förderten jede Sporttätigkeit; ebenso bekam auch mancher Bürger eine andere Meinung vom Fußballspiel. Die Mitgliederzahl des Fußballklubs Preußen wuchs ständig. Der Verein konnte 1910 drei Seniorenmannschaften und eine Jugendmannschaft zu den ersten Bezirksspielen melden. Der zweiten Mannschaft gelang es sogar, in ihrer Klasse die Meisterschaft zu erringen. Eine im Winter 1910/11 ins Leben gerufene Damenhockeyabteilung konnte sich nicht lange halten; die Zeit war damals noch nicht reif für den Frauensport.

Das Jahr 1912 war besonders erfolgreich für den Verein. Die erste Mannschaft wurde Bezirksmeister. Durch den Zusammenschluss mit dem Sportklub Gumbinnen in der Spielstärke noch mehr gehoben, beteiligte sich der Verein mit der ersten Fußballmannschaft an der Sportwoche in Cranz und konnte dort den Sportverein Prussia-Samland Königsberg mit 2:1 schlagen und damit den Cranzer Ehrenpreisgewinnen. 1913 behielt die erste Preußenelf die Bezirksmeisterschaft und ging 1914 mit größten Aussichten in die Bezirksrunde.

Sofort nach dem Kriege 1914/18 wurde der Fußballbetrieb wieder aufgenommen, verstärkt durch den Zusammenschluss mit dem SV Litauen. 1920 brachte Siege über fast sämtliche Königsberger Vereine, darunter VfB 4:0, Asco 5:1. 1921 konnten 15 Mannschaften aufgestellt werden. Die Bezirksmeisterschaft fiel dem Klub mehrmals zu.

Auf der Höhe seines Ruhmes stand der Fußballklub im Jahre 1925, als er mit sieben aufgestellten Mannschaften sechs Meisterschaften errang, darunter die der Ligaklasse. In diesem Jahre wurde auch das 3.000. Tor für die Preußenfarben geschossen.

Ein Markstein in der Geschichte des FC Preußen ist auch die Schaffung eines neuen Platzes an Fichtenwalde. Auf Anregung von Kurt Paethe und Franz Hein wurde im August 1924 das Gelände von der Stadt auf 50 Jahre in Erbpacht genommen. Es ist dabei interessant, festzustellen, dass auf dieser Fläche bereits 1818 der erste Turnplatz Gumbinnens stand, der aber schon 1819 der Turnsperre zum Opfer fiel.

Der Klub übernahm mit diesem Gelände eine Sandwüste, aus der er einen vorbildlichen Sportplatz schuf. Wieder erwuchsen große Schwierigkeiten verschiedenster Art. An den Opfergeist und die Hilfsbereitschaft der Mitglieder wurden abermals äußerste Anforderungen gestellt. Jedoch tat jeder sein Bestes und dank dem Entgegenkommen seitens der städtischen und staatlichen Behörden entstand in wirtschaftlich schwerer Zeit aus dem Nichts ein Sportplatz, auf den der Klub und ganz Gumbinnen stolz sein konnte.

Nach der festlichen Platzweihe am 9. März 1926 brachte der verstärkte Spielbetrieb dem Klub weiteren Aufstieg, vor allen Dingen aber eine feste Zusammenfassung und Ausrichtung seiner Mitglieder. Auch in den folgenden Jahren gehörte der Preußenklub zu den führenden Vereinen und blieb reich an Erfolgen. Sehr oft weilten Gäste aus Königsberg und aus dem Reiche in Gumbinnen. Ebenso kam ein Spielverkehr mit Sportvereinen aus Litauen zustande.

Die größten sportlichen Triumphe seit seiner Gründung brachte dem FC Preußen das Jahr 1934. – In einem einzigen Siegeszug gelang es seiner Liga in den Pokalspielen am 8. April Rasensport-Preußen Königsberg mit 4:2, am 15. April Prussia-Samland mit 4:2 und am 17. Juni den 13-fachen Baltenmeister VfB Königsberg mit 3:1 zu schlagen. Daneben konnte die Preußenelf dem späteren Ostpreußenmeister von 1935, York Insterburg, am 15. August 1934 die einzige Niederlage mit 3:1 beibringen.

Sportvereinigung Grün-Weiß
Die Sportvereinigung Grün-Weiß entstand im Jahre 1927 durch Zusammenschluss des Sportvereins ehemaliger und jetziger Friedrichsschüler und des Sportvereins Gumbinnen. Grün-Weiß war in unserer Stadt auf leichtathletischem Gebiet stets führend. Die Leichtathleten Schlicht, Dzewas, Muess und andere brachten es zu hervorragenden Leistungen.

Weitere Sportvereine
Am 15. September 1922 wurde auf Anregung von Oberleutnant Hanke der Gumbinner Militärsportverein „Verein für Leibesübungen 1922“ gegründet.
Die Sportvereine Sportklub Gumbinnen, 1909 gegründet, und Sportverein Litauen, gegründet am 26. Mai 1909 durch Lehrer Wensky, schlossen sich 1912 bzw. 1919 dem FC Preußen an.
Der Sportverein Ostmark, 1921 gegründet von jungen Sportlern, die im Stadtteil Norutschatschen ihren Wohnsitz hatten, löste sich 1932 auf. Der Vorläufer von Ostmark war ein Sportverein Königstreu, der 1914 gegründet worden war."

 
 
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