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Unternehmen aus Gumbinnen: Carl Brandt GmbH & Co. KG

Das von Carl Brandt 1882 gegründete Unternehmen hat alle Existenzgefährdungen in den 130 Jahren seines Bestehens gemeistert und ist heute ein führender Vermarkter von Holzwerkstoffen aus aller Welt mit Sitz bei Coburg in Bayern.

Die Firma wurde am 1. Oktober 1882 von dem aufstrebenden und innovativen 26jährigen Kaufmann Carl Brandt als Handelsunternehmen in Gumbinnen gegründet. Das Sortiment reichte von Eisenwaren und landwirtschaftlichen Geräten über Haushaltsartikel bis hin zu Bau- und Brennstoffen. Die gute Entwicklung erforderte 1900 den Umzug in größere Räume, die sich im Zentrum der Stadt fanden, und der Betrieb erwarb sich sehr bald den Ruf als eine der fortschrittlichsten Eisenwarenhandlungen Ostpreußens.

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Das von Carl Brandt 1882 gegründete Unternehmen hat alle Existenzgefährdungen in den 130 Jahren seines Bestehens gemeistert und ist heute ein führender Vermarkter von Holzwerkstoffen aus aller Welt mit Sitz bei Coburg in Bayern.

Die Firma wurde am 1. Oktober 1882 von dem aufstrebenden und innovativen 26jährigen Kaufmann Carl Brandt als Handelsunternehmen in Gumbinnen gegründet. Das Sortiment reichte von Eisenwaren und landwirtschaftlichen Geräten über Haushaltsartikel bis hin zu Bau- und Brennstoffen. Die gute Entwicklung erforderte 1900 den Umzug in größere Räume, die sich im Zentrum der Stadt fanden, und der Betrieb erwarb sich sehr bald den Ruf als eine der fortschrittlichsten Eisenwarenhandlungen Ostpreußens.

Die geschäftlichen Schwierigkeiten, die der russische Einfall im 1. Weltkrieg und die Flucht der Bevölkerung aus Gumbinnen mit sich brachte, überwand Carl Brandt sehr zügig. Er starb aber bereits 1918 mit 61 Jahren. Sein Sohn Bruno Brandt übernahm nach dem Ende des Krieges mit 27 Jahren die Fortführung des väterlichen Betriebs, wandelte 1922 das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und erweiterte die Produktpalette sehr bald um die Abteilung Motorfahrzeuge. Bald übernahm man die Generalvertretung von Opel im östlichen Teil der Provinz.

Trotz der dynamischen Entwicklung war es sehr schwer, die Firma durch die Zeiten von Inflation und anschließender Deflation zu steuern. Doch Bruno Brandt war hier so erfolgreich wie sein Vater. Durch Übernahme einer alteingesessenen Eisenwarenhandlung in Insterburg 1931 konnten, wie man heute zu sagen pflegt, erhebliche Synergieeffekte und eine beachtliche Leistungssteigerung erzielt werden. Die Expansion nahm seinen Fortgang, die Geschäftsräume wurden ausgebaut, ein Automobilzentrum mit Reparaturwerkstatt eingerichtet, ein großes Baugelände erworben. 1937 wandelte man das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft um und nahm von den bisherigen Vorstandsmitgliedern u. a. Fritz Soyka, Mitarbeiter seit 1921, als Komplementär auf. 1938 übernahm man eine weitere, damals bekannte Eisenwarengroßhandlung in Tilsit in den Firmenkomplex auf und dehnte so die Geschäfte bis in das Memelland aus. Die Carl Brandt KG zählte nun zu den größten Unternehmen der Branche und beschäftigte 400 Mitarbeiter.

Dann kam der 2. Weltkrieg und brachte viele personelle Probleme. Am 16. Oktober 1944 wurden große Teile Gumbinnens durch einen sowjetischen Luftangriff zerstört und am 20. Oktober musste man die Stadt verlassen. Ein wichtiger Teil der Lagerbestände konnte unter Lebensgefahr geborgen und bis in die Nähe Königsberg verbracht werden. Doch auch dorthin stießen die Sowjets bald vor. Die Belegschaftsmitglieder flüchteten über die Weichsel oder über das zugefrorenen Frische Haff nach Danzig und weiter auf dem Landweg. Einige Warenvorräte, die man bei Berlin deponiert hatte, konnte man gerade noch nach Meiningen und nach Rodach bei Coburg retten. Dorthin gelangten auch Mitarbeiter der Automobilabteilung mit einigen Fahrzeugen. Somit hatte man etwas Substanz retten können, die einen Neuanfang in Coburg ermöglichten. So gründeten Bruno Brandt und Fritz Soyka am 1. August 1945 die Firma Carl Brand GmbH, die später in eine KG umgewandelt wurde. Mit 30 alten Betriebsangehörigen startete man in die schwierige Zeit der ersten Nachkriegsjahre.

Nach der Mangelwirtschaft und den Verlusten und Zerstörungen durch den Krieg bestand jetzt ein großer Bedarf an Eisenwaren für die Land- und Forstwirtschaft, für Industrie und Handwerk und an den notwendigsten Bedarfsgegenständen und die Carl Brandt GmbH war sehr erfolgreich bei der Beschaffung dieser Güter. Es ging wieder aufwärts und das Handelsunternehmen im Coburger Raum gewann Umsatz und Bedeutung. Als dieser Nachkriegsboom sich legte, sann man auf neue Geschäftsfelder und stieß auf den Bereich der Holzverarbeitung, der im Coburger Land durch seine starke Möbelfabrikation ein großes Potential hatte. Das wurde die Basis für den weiteren Bestand des Unternehmens. Der Markt für Eisenwaren, Werkzeuge und Hausrat schrumpfte und wurde eingestellt. Dafür sicherte man mit dem Groß- und Außenhandel für Sperrholz, Spanplatten, Dekorplatten, Fertigtüren, Schnittholz, Konstruktionsholz und letztlich auch Kunststoffplatten den Weg ins 21. Jahrhundert. Das Unternehmen gehört aktuell zu den großen Holz- und Baumaterialhandlungen in Deutschland. Das Management hatte sich ein weiteres Mal erfolgreich an geänderte wirtschaftliche Verhältnisse angepasst und so den Fortbestand des Unternehmens auch nach 130 Jahren nachhaltig gesichert.[1] Siehe auch http://www.carl-brandt.de/


[1] Quelle: Gumbinner Heimatbrief, Juni 2012, S. 117 ff

Unternehmensgründer Carl Brandt (Gumbinner Heimatbrief 2012)
Ladengeschäft in Gumbinnen (Gumbinner Heimatbrief 2012)
Belegschaft 1935 (Gumbinner Heimatbrief 2012)
Neustart in Coburg (Gumbinner Heimatbrief 2012)
Erfolg in Coburg (Gumbinner Heimatbrief 2012)
Die moderne Firma Carl Brandt (Gumbinner Heimatbrief 2012)
 
 
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