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Wirtschaftliche Entwicklung Braunsbergs

Der Standort an der Passarge ermöglichte die Einrichtung eines verkehrsgünstig gelegenen Hafens und dadurch entwickelte sich Braunsberg sehr bald zum ermländischen Fernhandelszentrum. Die Stadt erhielt das Stapelrecht für alle ermländischen Produkte - hauptsächlich Getreide, Flachsgarn und Leinwand, und wurde 1358 Mitglied der Hanse.

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Der Standort an der Passarge ermöglichte die Einrichtung eines verkehrsgünstig gelegenen Hafens und dadurch entwickelte sich Braunsberg sehr bald zum ermländischen Fernhandelszentrum. Die Stadt erhielt das Stapelrecht für alle ermländischen Produkte - hauptsächlich Getreide, Flachsgarn und Leinwand, und wurde 1358 Mitglied der Hanse.

Der Handel brachte den Bürgern Wohlstand und versetzte sie in die Lage, für ihre Stadt Vorrechte und Privilegien zu erwerben, die teilweise der rechtlichen Stellung einer freien Reichsstadt nahe kamen. Braunsberg war allerdings viel zu klein, um auch nur annähernd an die Bedeutung von Elbing oder Danzig heranzureichen. Eine gedeihliche Entwicklung hielt in den nächsten Jahrhunderten an.

Ältester Verarbeitungsbetrieb in Braunsberg war eine Wassermühle, die Amtsmühle, die 1341 eingerichtet worden war. Um sie betreiben zu können, benötigte man einen Wasserstau und der war mit einem Wasserfall südlich der Steinbrücke verbunden. Er hieß im Volksmund der “Überfall”.

Um die Wende vom 18. zum 19. Jh. entwickelte sich Braunsberg ökonomisch recht günstig. Das war vor allem der Tatkraft einzelner Bürger bzw. ganzer Familien zu danken. Hier taten sich besonders die Familien Schorn und Oestreich hervor. Das bedeutendste Mitglied der Familie Oestreich, überhaupt Braunsbergs bedeutendster Bürger jener Zeit war Johannes Oestreich (1758‑1833). In Königsberg verkehrte er während seines Studiums auf Empfehlung des Bürgermeisters Schorn, den der große Philosoph einmal in Braunsberg besucht hatte, im Hause Kants. Nach dem Tode des Vaters (1785) leitete Johannes Oestreich, der schon 1783 zum Königl. Kommerzienrat ernannt worden war, allein das Geschäft, das vor allem ein Handelsgeschäft mit Garn war.

Im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung entwickelten sich im 19. Jh. in Braunsberg einige durchaus beachtliche mittelständische Unternehmen. Am bekanntesten war die 1854 von Karol de Roy gegründete Brauerei Bergschlößchen, deren Bier aufgrund des verwendeten, besonders guten Trinkwassers besonders geschätzt war. Deren Fabrikgebäude stehen noch. Daneben gab es eine kleine Lederindustrie, eine Zigarrenfabrik, einen Maschinenbauer, einen Likörhersteller, Sägewerke, Zementfabriken. Aus der Zeit, in der in Braunsberg der Seehandel dominierte und wo es viele, auch optisch schöne Fachwerkspeicher gab, existiert immerhin noch der “kleine Hansespeicher”.

Nachdem die Bierproduktion in Braunsberg für längere Zeit unterbrochen war, wird seit 2006 hier wieder Bier gebraut. Der neue Eigentümer der Fabrik, Andrzej Kononczuk, hat dafür 7 Millionen € investiert und beschäftigt nunmehr 130 Mitarbeiter. Absatzgebiet ist mit Perspektive ganz Polen, aber auch die Russische Föderation.[1] Offenbar gab es eine weitere Unterbrechung, denn die neue Brauerei Namyslów, die die Gebäude im Februar 2014 gekauft hatte, produziert wieder mit 70 Mitarbeitern ab Ende Oktober 2014.[2]



[1] Meldung in Oprbl. Nr. 26/06, S. 14
[2] E.G., Bier aus Braunsberg, Oprbl. Nr. 39/2014 (27. September), S. 13

 
 
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