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Bemerkenswerte Mitglieder der Familie zu Dohna

Erster überragender Vertreter der Familie in Preußen war Abraham Burggraf zu Dohna (1579 - 1631), ein Liebhaber von Musik, Dichtkunst und Architektur, dessen umfassende humanistische Bildung gerühmt wurde. Er genoss eine umfassende Ausbildung, die er am niederländischen Hof vertiefte, wobei er enge Kontakte zu Prinz Moritz von Oranien knüpfte. Als Gesandter Johann Sigmunds von Brandenburg sicherte er mit großem diplomatischen Geschick auf dem Reichstag von Warschau 1611 an der Spitze der kurfürstlichen Gesandtschaft den ererbten Anspruch seines Kurfürsten auf die Vormundschaft für den Sohn Herzog Albrechts, den “blöden Herrn”, und die Regentschaft im Herzogtum Preußen.

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    • Erster überragender Vertreter der Familie in Preußen war Abraham Burggraf zu Dohna (1579 - 1631), ein Liebhaber von Musik, Dichtkunst und Architektur, dessen umfassende humanistische Bildung gerühmt wurde. Erst kürzlich fand sich in der Nationalbibliothek von Warschau ein von ihm eigenhändig geschriebenes Liederbuch mit 48 eigenen, auch zum Gesang bestimmten Gedichten, die sehr höfisch-kunstvoll komponiert sind.[1] Er genoss eine umfassende Ausbildung, die er am niederländischen Hof vertiefte, wobei er enge Kontakte zu Prinz Moritz von Oranien knüpfte. Als Gesandter Johann Sigmunds von Brandenburg sicherte er mit großem diplomatischen Geschick auf dem Reichstag von Warschau 1611 an der Spitze der kurfürstlichen Gesandtschaft den ererbten Anspruch seines Kurfürsten auf die Vormundschaft für den Sohn Herzog Albrechts, den “blöden Herrn”, und die Regentschaft im Herzogtum Preußen. Es lässt 1621 - 1624 einen frühbarocken Herrensitz in Schlobitten errichten, der später hochbarock ausgebaut wird, und tritt als Festungsbaumeister in Pillau, Memel und Königsberg in Erscheinung. Von der Pferdezucht unter seiner Ägide kündet sein Stutbuch von 1623 - 1631, das als das älteste erhaltene im deutschsprachigen Raum gilt.[2]Auf Abraham folgten Familienmitglieder, die Feldmarschälle, Minister und hohe Würdenträger am Hof der Hohenzollern wurden
    • Christoph Graf zu Dohna (1583 - 1637) beherrschte sieben Sprachen, wirkte als geschätzter Diplomat und war Oberstkämmerer am Hof des 1619/20 regierenden protestantischen böhmischen "Winterkönigs" Friedrich V., vorher Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz. Nach der Schlacht am Weißen Berg und der Flucht des Königs suchte Christoph zu Dohna eine neue Lebensbasis und fand diese schließlich durch seinen Schwager, den Statthalter der Niederlande, 1630 als Statthalter im Fürstentum Orange. Dieses kleine Fürstentum an Rhone und Durance im Süden Frankreichs ist für Prinz Friedrich Heinrich aus dem Haus Nassau-Oranien, Statthalter von Holland und Seeland und damit nur der wichtigsten, nicht aller Provinzen in den Vereinigten Niederlanden, insofern von Bedeutung, als er hier als regierender Fürst auftreten konnte. Christoph zu Dohna bekam in die verworrenen Verhältnisse in dieser Herrschaft schnell wieder Ruhe und Ordnung und fand so Anerkennung in der Bevölkerung. Die war so ausgeprägt, dass nach seinem Tod seine Frau Ursula, geb. Gräfin zu Solms-Braunfels (1594 - 1657) zur Statthalterin ernannt wurde. Ihr folgte ihr Sohn Friedrich d. J. Graf zu Dohna (1621 - 1688) als Generalkapitätn und Statthalter, der jedoch das Fürstentum Orange an König Ludwig XIV. von Frankreich ausliefern musste und sich in Coppet in der Schweiz niederließ. In Delft wurde 1628 der jüngste Sohn Christoph zu Dohna geboren, der deshalb den Zweitnamen Delphicus erhielt.
    • Christoph Delphicus Graf zu Dohna (1628 - 1668)) verlebte seine Jugend in den Niederlanden und am Hof der Landgräfin von Hessen in Kassel. Von dem Feldherrn Friedrich Heinrich von Oranien in der Kriegskunst gut ausgebildet, begab er sich als niederländischer Kapitän 1652 in den Dienst der schwedischen Königin Christina (1626 - 1689), Tochter Gustav Adolfs, und stieg dort sehr bald zum Oberkammerherrn der Königin und zum Oberst der Leibgarde auf.. Unter König Karl X. Gustav ( - 1660), dem Nachfolger Christinas, die 1654 abdankte, setzte Christoph Delphicus seine militärische Karriere fort und nahm in führender Position an den Kriegen zwischen Schweden und Polen sowie zwischen Schweden und Dänemark teil. 1658 heiratete er Anna Gräfin Oxenstierna /1620 - 1690) und trat damit in die oberste Schicht des schwedischen Adels ein. König Karl Gustav ernannte ihn zum Vizegouverneur der schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden sowie zum General und Kommandanten über ein Drittel der schwedischen Streitkräfte. Nach dem Tod des Königs 1660 waren seine Dienste weniger gefragt und er nutzte die Zeit, um sich um seinen preußiscnen Bsitz zu kümmern und in Carwinden einen stattlichen Herrensitz zu errichten. Die Schweden erlaubten nicht, dass Christoph Delphicu in die Dienste des Großen Kurfürsten eintrat und beförderten ihn statt dessen zum Feldmarschall und verwendeten ihn in diplomatischen Missionen in den Niederlanden und in England. Etliche seiner Nachkommen gehen in schwedische Dienste oder heiraten schwedische Adlige. Letztlich verkaufte der mit schwedischem Erbe gut ausgestattete Friedrich Carl Graf zu Dohna-Carwinden (1721 - 1784) den preußischen Stammsitz Carwinden 1762 an Carl Florus Graf zu Dohna-Schlodien (1693 - 1765) und blieb in Schweden.[3]
    • Alexander zu Dohna-Schlobitten (geb. 1661 auf Schloss Coppet bei Genf, gest. 1728 in Königsberg), Sohn des Gouverneurs des Fürstentums Orange, Friedrich Graf zu Dohna (1621 - 1688) trat 1679 in die Dienste des Großen Kurfürsten, verkaufte Coppet und widmete sich den Staatsgeschäften in Berlin. König Friedrich I. in Preußen übertrug ihm 1695 als Oberhofmeister neun Jahre lang die Erziehung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, des späteren Soldatenkönigs. Die Fama berichtet, dass er es war, der seinen Zögling die Grundsätze von Sparsamkeit, Aufrichtigkeit und Toleranz lehrte. An der Erlangung der Königswürde für Kurfürst Friedrich III., nachmalig König Friedrich I., hatte er tatkräftigen Anteil. Er war 1692 – 1728 Gouverneur von Pillau, weiterhin Amtshauptmann der Ämter Mohrungen (seit 1686) und Liebstadt, preußischer Generalfeldmarschall (seit 1713), Gesandter in Schweden, Staatsminister, 1712 Vorsitzender der ostpreußischen Provinzialregierung, Vorsitzender jener Kommission, die nach der großen Pest 1709/1711 das “Retablissement” der Provinz, also die Wiederbesiedlung der verödeten Landstriche durch Glaubensflüchtlinge aus Salzburg, der Schweiz und anderen Teilen Europas betrieb. Insbesondere nachdem der Premierminister Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg (6. 2. 1643 - 4. 7. 1712) im Jahr 1711 gestürzt worden war, nahm er eine führende Rolle beim Retablissement ein. Er war der eigentliche Ahnherr der Dohna-Linie Schlobitten und Bauherr der dortigen barocken Schlossanlage, die bis 1945 bestand.[4]
    • Friedrich Alexander zu Dohna-Schlobitten (1741 - 1810), Enkel der Feldmarschälle Alexander zu Dohna-Schlobitten und Friedrich Wilhelm Herzog zu Holstein-Beck, dessen Vater im Krieg Friedrichs des Großen gefallen war, übernahm mit dem Tod der Mutter 1763 die Verwaltung von Schlobitten und Prökelwitz. Mit großer Energie setzte er auf seinen Ländereien die modernsten landwirtschaftlichen Methoden und Erkenntnisse zur Fruchtwechselwirtschaft um und brachte seinen Betrieben wirtschaftliche Erfolge. Sogar um die 12.000 ha große Begüterung Finckenstein seines Schwiegervaters kümmerte er sich und kaufte sie ihm letztlich für 250.000 Taler ab. 1802 hob er, sozial ebenso fortschrittlich, die Erbuntertänigkeit seiner Bauern auf, was zu Nachahmungen innerhalb der Familie zu Dohna führt.[5]
    • Friedrich Ferdinand Alexander zu Dohna-Schlobitten (29.03.1771 - 31.03.1831), geboren auf Schloss Finckenstein, Studium des Kameralfachs und Jura in Frankfurt/Oder, ab 1801 Kammerdirektor in Marienwerder, 1807 Präsident der Domänenkammer Marienwerder, wobei es ihm in Verhandlungen mit Napoleon gelang, die Kontributionen für Westpreußen abzuwenden. Er war 1808 - 1810 Nachfolger des Freiherrn vom Stein als preußischer Innenminister. Danach ab März 1813 Vorsitzender der Generalkommission für die Landwehr, 1813 – 1814 Zivilgouverneur Preußens östlich der Weichsel und ab September 1813 Generallandschaftsdirektor in Ostpreußen. Während dieser Zeit entwickelte er zusammen mit General Karl von Clausewitz die preußische Landwehrordnung, die für die Befreiungskriege gegen Napoleon Bedeutung erlangte, Abgeordneter im Provinziallandtag
    • Friedrich zu Dohna-Schlobitten (1784 - 21.2. 1859), preußischer Feldmarschall und Oberstkämmerer. In der Phase der preußischen Reformen am Beginn des 19. Jhs. war er enger Mitarbeiter von General Scharnhorst, dessen Lieblingstochter Julie er 1809 heiratete. Er ging mit Clausewitz nach Russland, um nicht unter Napoleon dienen zu müssen, und wirkte 1812 als Verbindungsoffizier des russischen Zaren an der Konvention von Tauroggen mit. In den Befreiungskriegen befehligte er ein Husarenregiment der Russisch-deutschen Legion. König Friedrich Wilhelm IV. ernannte ihn 1842 anstelle des impulsiven Wrangel zum Kommandierenden General in Königsberg und machte ihn später zum Generalfeldmarschall. Durch seine Akzeptanz auch bei den Liberalen hatte er großen Anteil daran, dass 1848 in Königsberg keine Unruhen ausbrachen. In seiner Zeit als Kommandierender General wurden die neuen Befestigungsanlagen geplant und begonnen, die heute zu den Wahrzeichen Kaliningrads gehören.[6] Ihm zu Ehren erhielt der 1850 errichtete Turm westlich des Rossgärtner Tors den Namen „Dohna Turm“. Seit 1979 befindet sich in diesem Gebäude, das den Krieg überlebte, das Bernsteinmuseum von Königsberg. Friedrichs Töchter Magda und Clara waren die Grüderinnen des Diakonissen-Mutterhauses in Königsberg sowie des Krankenhauses der Barmherzigkeit dort.
    • Richard Wilhelm zu Dohna-Schlobitten (1843 – 1916), bei dem sich wie schon bei seinem Vater der Kaiser regelmäßig jedes Jahr bis 1906 und dann noch einmal 1910 zur Jagd einfand, wurde am 1. 1. 1900 von Wilhelm II. in den erblichen Fürstenstand erhoben. Er war am Hofe ab 1883 Hofjägermeister und entwickelte dabei eine engere Beziehung zu dem leidenschaftlichen Jäger Prinz Wilhelm (II.), sodann Vize-Oberjägermeister und Master der königlichen Parforcejagden im Berliner Grunewald, auf politischem Feld Reichstagsabgeordneter für den Kreis Goldap und danach für den Kreis Fischhausen sowie bis zu seinem Tod Vorsitzender des Provinziallandtages in Königsberg.
    • Alexander zu Dohna-Schlobitten (11. 12. 1899 - 29. 10. 1997), geboren in Potsdam (Taufpate: General von Moltke als Vertreter des Kaisers), bewirtschaftete nach dem Tod seines Vaters Richard Emil (1872 – 1918) die Schlobitter Begüterung 1924 – 1945. Er heiratete 1926 Antoinette Gräfin von Arnim-Muskau. Gerade noch als einer der Letzten am 18. Januar 1943 aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen, wurde er während seines Einsatzes an der italienischen Front im Mai 1944 wegen Ungehorsams und wegen politischer Unzuverlässigkeit aus der Armee ausgeschlossen, weil er sich geweigert hatte, die Todesurteile für internierte amerikanische Soldaten zu unterschreiben, die als Saboteure und nicht als Kriegsgefangene behandelt werden sollten. Sein Vorgesetzter, General Dostler, der stattdessen unterzeichnete, wurde 1945 von den Amerikanern abgeurteilt und erschossen. Fürst Alexander organisierte den Treck seiner Begüterung Schlobitten und Prökelwitz mit über 300 Leuten, der am 22. 1. 1945 nach dem Westen Deutschlands aufbrach und bis in den Kreis Hoya bei Bremen zog. 330 Personen, 140 Pferde (darunter 31 Trakehner Zuchtstuten) und 38 Wagen kamen dort an. Unterwegs in Pommern nahm Fürst Alexander zu Dohne noch den Flüchtlingszug aus Sabloczyn und Logdau mit 15 Wagen und 128 Menschen in den Schlobitter Treck auf und alle kamen bis in den Westen Deutschlands durch.[7] Zunächst fand Graf zu Dohna als Besitzer eines ererbten Schweizer Passes eine Anstellung bei Hoffmann-LaRoche in Grenzach, bis er nach 10 Jahren wieder ausschied. Von 1961 – 1979 betrieb er in Lörrach eine Schnellreinigung und zog von Grenzach nach Basel um. Er ist Autor des empfehlenswerten Buches „Erinnerungen eines alten Ostpreußen“, copyright 1989 beim Wolf Jobst Siedler Verlag.


    [1] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 238
    [2] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 244
    [3] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 341 f
    [4] u. a. Manuel Ruoff, Königs-Erzieher, PAZ Nr. 5/2011 (5. 2. ), S. 11; Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S,. 427 ff
    [5] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 535 f
    [6] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 542 f
    [7] Freya Rosan, Die Flucht von Sabloczyn bei Neidenburg nach Thedinghausen bei Bremen im Winter 1945, in Neidenburger Heimatbrief, Pfingsten 2017, S.58

Alexander Graf zu Dohna (1661 - 1728) (Wikipedia)
Friedrich Ferdinand Alexander zu Dohna (1771 - 1831)
 
 
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