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Repräsentative einstige Ausstattung des Schlosses

Die Königszimmer im ersten Stock des östlichen Teils im Hauptflügel hatten Decken mit vergoldetem Stuck und waren prächtig eingerichtet. Bekannte Künstler waren mit der Innendekoration befasst, so der Bildhauer und Stuckateur Josef Anthon Kraus (gest. wohl 1721), Gehilfe von Andreas Schlüter, die Kunstmaler Giovanni B. Schannes (gest. 1719) und Johann Blommendael. Auch Andreas Schlüter soll an der Ausstattung der Räume von Ferne mitgewirkt haben.

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Die Königszimmer im ersten Stock des östlichen Teils im Hauptflügel hatten Decken mit vergoldetem Stuck und waren prächtig eingerichtet. Bekannte Künstler waren mit der Innendekoration befasst, so der Bildhauer und Stuckateur Josef Anthon Kraus (gest. wohl 1721), Gehilfe von Andreas Schlüter, die Kunstmaler Giovanni B. Schannes (gest. 1719) und Johann Blommendael. Auch Andreas Schlüter soll an der Ausstattung der Räume von Ferne mitgewirkt haben.

Die Königliche Mittelstube mit seinen wertvollen Gobelins, seinen Lackmöbeln und dem indischen Teppich aus der Mitte des 17. Jhs. galt als schönster Raum im Schloss. Im benachbarten Schlafzimmer wurde ein in England gefertigtes Himmelbett aufgestellt, in dem angeblich alle preußischen Monarchen von 1701 bis 1918, aber auch Zar Paul I. von Russland und Marschall Bernadotte geschlafen haben. Es gab holländische Marmorkamine, Damasttapeten, eine Serie von Regence-Teppichen und viele Gemälde. Im großen Saal war der in Ostpreußen seltene Vertreter einer Wasserkunst eingebaut worden. Da das Wasser zunächst aus den Brüsten zweier geflügelter Genien heraussprang, nahm man es seit dem prüden 19. Jh. nicht mehr in Betrieb.

Man traf auf ein kleines Rokokokabinett, für Ostpreußen eine Rarität, das französische Kunsttischler nach Beendigung ihrer Arbeiten in St. Petersburg auf der Rückreise einrichteten. Herausragend war eine Tapete im pompejanischen Stil, angefertigt 1785 von dem italienischen Maler Fenelli. Noch 1936 machte man aus einem Raum auf der Gartenseite ein kleines Porzellankabinett.

Abraham zu Dohna (1579 - 1631) hatte 1627 den Grundstock zu einer wertvollen Bibliothek gelegt. Sie umfasste teils Bücher aus dem 16. Jh. und wurde ständig um wichtige Neuerscheinungen ergänzt, so z. B. auch um zwei frühe Goethe-Ausgaben. Sie war auf diese Weise bis auf 50.000 Bände angewachsen und galt bis 1945 als größte Privatbibliothek Europas. Zum Ausklang des 2. Weltkriegs verbrannte sie zusammen mit dem Schloss. Noch tagelang soll es verkohltes Papier vom Himmel geregnet haben.

Ein Teil des Archivs wurde 1944 nach Bendeleben am Kyffhäuser ausgelagert, ein wesentlicher anderer Teil nach Bernburg an der Saale. Letzterer hat überlebt und wurde nach der Wende dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin einverleibt. Eine Sendung von Möbeln, Bildern und Kunstgewerbe, die 1944 ebenfalls nach Bernburg gelangte, wurde nach der Wende an die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten verkauft.[1]

Ein Teil des Inventars konnte vom letzten Besitzer, Fürst Alexander zu Dohna, rechtzeitig ausgelagert werden. Die wertvollen Gobelins verbrannten bis auf einen zur Restaurierung gegebenen alle im Flakturm in Berlin-Friedrichshain. Ein KPM-Porzellanservice für 48 Personen, Geschenk König Friedrich Wilhelms II., landete mit einem lebensgroßen Porträt Friedrichs II. auf Umwegen im Berliner Zeughaus. Drei Dohna-Gemälde konnten vom Eigentümer 1983 von der Kunst- und Antiquitäten GmbH des Herrn Schalck-Golodkowski zurückgekauft werden. Die wertvollsten Schlobitter Möbel waren nach Muskau in der Lausitz, dem Sitz der Schwiegereltern, ausgelagert worden. Davon ließ sich nur, aber immerhin, der wertvolle indische Teppich, in den Westen retten. Er hängt jetzt im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Einen anderen Teil des Bestandes, der in Westdeutschland ankam, kaufte bereits in den 1980er Jahren die Berliner Schlösserverwaltung und stellte diesen im sog. Dohna-Zimmer im Schloss Charlottenburg aus. Ein weiterer Ankauf in Höhe von 1,5 Mio DM aus Bundesmitteln 1993 ermöglichte die Zusammenführung mit der restlichen Sammlung, die auf mehrere Orte in der Bundesrepublik und der Schweiz verteilt war. Im Jahr 2002 erwarb die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg aus ehemals Dohnaschem Besitz noch ein Porträt von Luise Christiane Burggräfin zu Dohna, um 1660/1665 gemalt von Jan Mytens. Nach Restaurierung v. a. der Bilder sollte dieser ehemalige Dohnasche Besitz in Schloss Sacrow bei Potsdam präsentiert werden, wo dann Möbel, Porzellan, Bilder und Textilien im angemessenen Rahmen die Wohnkultur eines preußischen Landsitzes dokumentieren sollen. Diesen Plan hat man wieder aufgegeben, weil Sacrow zu weit abseits liegt. Als Alternative für einen solchen Ausstellungsort wurde Schloss Niederschönhausen ausgewählt, das den Dohnas bis 1691 gehörte. Die Ausstellung dort kann man seit 2009 besichtigen.

Im Museum von Allenstein befinden sich 4 Gemälde aus Schlobitten sowie 3 kleine Zinnfiguren. Das Deutsche Historische Museum im Zeughaus Unter den Linden verfügt über ein Modell des Schlobitter Schlosses im Maßstab 1 : 150.



[1] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, s. 706 f

 
 
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