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Kaltblutpferdezucht in Ostpreußen

27.07.2018

Die Kolonisierungsarbeit des Deutschen Ritterordens in Preußen bestand vornehmlich in der Einführung einer Landwirtschaft nach westeuropäischem Vorbild. Für die teilweise sehr schweren Böden, aber auch für die gepanzerten Ritter in den Ordenskriegen benötigte man starke Pferde. In den von dem Orden errichteten Gestüten standen schwere Hengste, die aus den leistungsfähigen und anspruchslosen Pferden der vorhandenen Wildpferdherden weiterentwickelt, zum Teil auch aus den Niederlanden, Dänemark und Thüringen angekauft worden waren. Die Schwerpunkte dieser Zucht lagen im fruchtbaren Ermland, also im Gebiet der späteren Kreise Braunsberg, Heilsberg, Rößel und Allenstein. Nach dem Zerfall des Deutschen Ordens in Preußen bemühten sich die ermländischen Bischöfe, die durch Kriege, Pest und Mißernten dezimierte Zucht wieder aufzubauen. Man versuchte zwar, das ritterliche Landpferd mit anderen Schlägen zu durchzukreuzen, doch der alte Stamm, zu dem auch das "Wormditter Sattelpferd" gehörte, ging nicht unter.

Zu Beginn des 20. Jhs. machte die Züchtung von Kaltblutpferden massive Fortschritte, nachdem in den Jahren 1911/12 durch eine Körordnung die belgische beziehungsweise rheinische Rasse als alleinige Unterlage für den weiteren Ausbau bestimmt wurde. Damit war der Boden vorbereitet, auf dem das 1914 begründete ostpreußische Stutbuch für schwere Arbeitspferde aus kleinsten Anfängen mit seiner züchterischen Arbeit beginnen konnte. Das Stutbuch beschaffte die Zuchthengste, die in den verschiedenen Dörfern auf privaten oder genossenschaftlichen Zuchtstationen zur Verfügung gestellt wurden. In den landwirtschaftlichen Betrieben nutzte man die dort als Arbeitstiere eingesetzten gekörten Zuchtstuten als Zuchttiere.

Wesentlicher Motor dieser Entwicklung war Dr. Dietrich Born (*1869), Gründer und erster Vorsitzender des ostpreußischen Stutbuchs. Er wurde in Wehlau geboren und studierte die Kaltblutpferderassen in Europa. Er züchtete dann Pferde, die besonders gut und zugsicher mit den schweren Lehmböden umgehen konnten. Ausgangspunkt waren dabei Stutfohlen aus Belgien. Sein Lebensmittelpunkt wurde Dommelkeim, ein Gutsbezirk im russischen Teil des Kreises Bartenstein, heute Fillipowka, 14 km von Friedland entfernt.

Die alten Ermländer Stutenstämme wurden eine der wichtigsten Grundlagen dieser neu organisierten Kaltblutzucht, zusammen mit über 100 neu gegründeten Hengsthaltungsgenossenschaften wurden Maßnahmen ergriffen, die eine Pferdezucht des schweren Schlages für lange Zeit in Ostpreußen verankern sollten. Auf Kaltblutauktionen wurden nicht nur in der Provinz, sondern auch in anderen Gebieten des Deutschen Reiches Absatzgebiete gewonnen. Dieser mittelschweren, zähen und gängigen Kaltblüter, im Handel als "Ermländer" bezeichnet, wurde zu einem wichtigen Erwerbszweig für viele ostpreußische Bauern.

Man unterschied zwei Zuchtrichtungen: das schwere Zugpferd, ein nicht zu schwerer Kaltblüter, Größe 1,56 bis 160 Meter Stockmaß, und schwerste Zugpferde, Größe 158 bis 165 Meter Stockmaß. Der Kaltblüter mit kräftigem, starkem Knochenbau und entsprechendem Wuchs sowie breiter und tiefer Brust im Gewicht von 650 bis 750 Kilogramm war ein vielseitig verwendbares Pferd, das sich im Fahrsport wie in der Land- und Forstwirtschaft als Arbeitspferd und auch als Familienpferd bewährte. Einige der hervorragendsten Eigenschaften wie Ausdauer, Widerstandsfähigkeit und Zugfestigkeit auch in tieferem Boden bewiesen die Ermländer dann auch auf dem großen Treck aus der Heimat.

 
 
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