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Gastgeber in Ostpreußen

Studienreise „Ostpreußische Spuren in Bayern“
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Moderne Rinderzucht in Ostpreußen

15.04.2019

In Ostpreußen stand bei Rindern die Milchwirtschaft im Vordergrund, weniger die Gewinnung von Rindfleisch. Nach der Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft aus deutscher Zeit konnte die kollektivierte Landwirtschaft den Eigenbedarf des nordostpreußischen Gebiets kaum decken und war für die Versorgung der Bevölkerung auf Importe angewiesen.

Nach der Abschaffung des Sozialismus und insbesondere mit Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es auf dem Gebiet der Rindermast in der Oblast Kaliningrad eine neue Entwicklung, herbeigeführt wesentlich von dem Moskauer Fleischkonzern Miratorg. Dieser erwarb im östlichen Teil Nordostpreußens etwa 50.000 Hektar meist brachliegendes und verstepptes Land, um darauf Rindermast zu betreiben. Das war möglich, weil in der Sowjetzeit tausende Dörfer zum Frommen der Landwirtschafts-Kolchosen eingeebnet worden waren und die in Weideland umgewandelten Flächen nur noch eingezäunt zu werden brauchten. Aus den USA importierte man 12.000 Aberdeen-Black-Angus Rinder als Basis für einen zukünftig großen Masttierbestand, der einmal 80.000 bis 100.000 Tiere umfassen soll.

Das Aberdeen Angus Rind ist hornlos und stammt ursprünglich aus Schottland, und zwar aus den Provinzen Angus und Aberdeen. Es ist überwiegend schwarz, relativ kurzbeinig, raschwüchsig und frühreif. Die Bezeichnung Angus kommt aus dem Gälischen und bedeutete etwa „erste Wahl“. Heute gehören Black Angus Rinder zu den beliebtesten Fleischrinderrassen und werden weltweit, besonders aber in den USA, gezüchtet.

Wenn man sich nun vorstellt, dass selbst die ostpreußischen Großgrundbesitzer zu deutscher Zeit bei meist kaum mehr als 6.000 Hektar pro Familie lagen und die Herdbuchbestände allenfalls einige hundert Tiere ausmachten, ist das, was Miratorg jetzt in Angriff genommen hat, ein Quantensprung bei der Erzeugung von Rindfleisch und dazu hoch spezialisiert. Die gigantische Betriebsgröße entspricht einer Entwicklung der Wirtschaft, wie man sie in vielen Branchen findet, also auch in der Landwirtschaft. Miratorg ist nicht auf die Oblast Kaliningrad beschränkt, sondern mästet neben Rindern in Brjansk, Smolensk, Kaluga, Tula und Orel auch Schweine und Geflügel in großen Mengen. Aber im ehemaligen Ostpreußen ist die Entwicklung für uns besonders deutlich erkennbar. Mit der Expansionspolitik von Miratorg, deren Ende nicht absehbar ist, reduziert Russland gleichzeitig die Abhängigkeit von Importen, die in Zeiten von Sanktionen sehr schwankend und von der Politik abhängig geworden sind. Immerhin war Russland einst ein Hauptabnehmer von deutschem Rindfleisch und wird das wohl nie wieder werden.

 
 
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