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Erinnerung an den ostpreußischen Romanautor Hans Hellmut Kirst

05.12.2019

Hans Hellmut Kirst wurde am 5. 12. 1914 in Osterode als Sohn eines Polizeibeamten geboren. Wegen häufig wechselnder Dienststandorte seines Vaters verbrachte er seine Jugend- und Schulzeit in verschiedenen Orten Ostpreußens. Kirst besuchte mehrere Volksschulen im Landkreis Osterode sowie das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in seinem Geburtsort. Nach dem Besuch der Handels- und Höheren Handelsschule in Osterode folgte 1932/33 eine Anstellung im Rechnungsbüro des Ritterguts Mühlen. 1933 trat er auf Rat seines sehr national eingestellten Vaters als Berufssoldat in Königsberg in die Reichswehr ein und wurde Berufssoldat.

Im 2. Weltkrieg nahm Kirst an den Feldzügen gegen Polen, Frankreich und die Sowjetunion teil. 1943 - 1945 war er Aufsichtsoffizier und Lehrer für Kriegsgeschichte an der Luftkriegsschule in Schongau in Bayern. In diesem Zeitabschnitt wurde er noch zum Oberleutnant befördert. An derselben Kriegsschule befand sich auch der spätere bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß. Beide Männer verband bald eine anhaltende Männerfeindschaft. Strauß denunzierte Kirst bei den Amerikanern als Nazi. Das brachte diesem eine neunmonatige Haft in einem amerikanischen Internierungslager in Garmisch ein. Zwar wurde Kirst 1946 als "unbelastet" entlassen, mußte sich jedoch diesen Status noch durch eine deutsche Entnazifizierungs-Spruchkammer bestätigen lassen. Vorsitzender dieser Kammer war Strauß und der verhängte ein zweijähriges Schreibverbot gegen den Schriftsteller Kirst.

In der Zeit seiner Internierung entstanden erste literarische Notizen. 1947 übersiedelte Kirst nach München und wurde Filmkritiker beim "Münchner Mittag" (heute: Münchner Merkur). 1950 veröffentlichte er seinen ersten Roman "Wir nannten ihn Galgenstrick". Sein erster Welterfolg "08/15" erschien 1954 als erster Band einer Trilogie. In nahezu sämtlichen seiner 60 Romane thematisierte er den Krieg und setzte sich intensiv mit der Bewältigung des Nationalsozialismus auseinander. Dabei lehnte er jede Form des Militarismus und auch die deutsche Wiederbewaffnung ab, womit er erneut in eine heftige Konfrontation zu Franz Josef Strauß geriet

Die 08/15-Romane bis hin zu "08/15 in der Heimat" wurden verfilmt. Die Hauptrolle in allen drei Filmen spielte Joachim Fuchsberger. 1962 erschien sein zweiter großer internationaler Erfolg "Nacht der Generale". Der damit einhergehende finanzielle Erfolg ermöglichte es ihm ab 1960, auch in erheblichem Umfang karitativ tätig zu sein. So überließ er in Israel seine Tantiemen sozialen Organisationen, in Polen unterstützte er Kriegswaisen und in Norwegen Studenten.

Am 14. 12. 1961 heiratete Kirst die Schauspielerin Ruth Müller. Mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter Beatrice lebte er anschließend zurückgezogen in Feldafing am Starnberger See. Es folgten die Ehrungen. 1964 wurde ihm die "Goldene Palme von Bordighera" verliehen, eine der höchsten italienischen Literaturauszeichnungen. 1965 erhielt er den Edgar-Allan-Poe-Preis, 1966 wurde er in den PEN-Club aufgenommen .1968 erklärte ihn die Mark-Twain-Gesellschaft zum "Knight of Mark Twain".

Ab 1971 folgten noch zahlreiche gesellschaftskritische Romane mit kriminalistischem Hintergrund. 1987 übersiedelte Kirst mit seiner Familie nach Werdum (Ostfriesland), wo er am 23. 2. 1989 starb.

 
 
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