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Das Königsberger Schloss

An der Südseite des Schlossteichs gelegen, wurde das Königsberger Schloss 1944 durch Bomben zerstört und 1969 die verbliebenen Ruinen gesprengt und die Trümmer abgeräumt. Breschnew hatte befohlen: „Der alte Zahn muss weg“.

1255 begann der Bau einer Ordensfestung, zunächst wie üblich als Holz-Erde-Bau, doch schon beginnend ab 1257 mit einer festen Umfriedung auf einer Fläche, wie sie später der Schlossbereich einnahm, wobei sich der massive Bau durch den großen Aufstand der Prußen längere Zeit hinzog. Von den vier kantigen Ecktürmen der ersten Anlage existierte auf der Nordseite noch einer bis zur Schleifung des Schlosses. In seinem Innern bezeugte eine Tontafel die Bauzeit: zwischen 1278 und 1295. Es war damit das älteste steinerne Bauwerk Königsbergs gewesen.

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An der Südseite des Schlossteichs gelegen, wurde das Königsberger Schloss 1944 durch Bomben zerstört und 1969 die verbliebenen Ruinen gesprengt und die Trümmer abgeräumt. Breschnew hatte befohlen: „Der alte Zahn muss weg“.

1255 begann der Bau einer Ordensfestung, zunächst wie üblich als Holz-Erde-Bau, doch schon beginnend ab 1257 mit einer festen Umfriedung auf einer Fläche, wie sie später der Schlossbereich einnahm, wobei sich der massive Bau durch den großen Aufstand der Prußen längere Zeit hinzog. Von den vier kantigen Ecktürmen der ersten Anlage existierte auf der Nordseite noch einer bis zur Schleifung des Schlosses. In seinem Innern bezeugte eine Tontafel die Bauzeit: zwischen 1278 und 1295. Es war damit das älteste steinerne Bauwerk Königsbergs gewesen. Um 1380 entstand in der Südwestecke der gewaltige Wartturm, der in modifizierter Form als Schlossturm die Silhouette des alten Königsbergs beherrschte. In seinem Unterbau und in den Außenmauern des Südflügels hatten ebenfalls Reste der ersten massiven Bauphase überlebt.

Das Schloss war nach seiner Gründung 1255 Komturssitz, ab 1309 Sitz des Ordensmarschalls im Marschallflügel (Nordflügel), seit 1457 Sitz des Hochmeisters und ab 1525 des Herzogs von Preußen. 1701 fand hier die prunkvolle Krönung Kurfürst Friedrichs III. zum König „in Preußen“ statt und bis 1918 war es Residenz der preußischen Herrscher. Danach diente der Gebäudekomplex bis 1945 als Behörden- und Museumsbau.

Die Königsberger Residenz war das bedeutendste Schloss zwischen Berlin und St.Petersburg und war durchaus auch mit der russischen Geschichte verbunden: Peter der Große nutzte es 1697 bei seiner erstgen Reise nach Europa als erste Station wie auch die russischen Herrscher, die nach ihm kamen. Während des 7jährigen Krieges war das Schloss der Amtssitz des russischen Gouverneurs. Prinzessin Charlotte von Preußen, als Großfürstin Alexandra Fjodorowna die spätere Gattin von Zar Nikolaus I., wuchs während der napoleonischen Besetzung Preußens im Schloss Königsberg auf.

Mit Beginn der Herzogszeit entstand nach Plänen von Hofbaumeister Friedrich Nußdörfer völlig neu der Ostflügel, auch „Albrechtbau“ genannt. Der Regent Georg Friedrich ergänzte die Ordensburg 1584 – 1593 um den Westflügel mit der Schlosskirche, die später Krönungskirche wurde, errichtet nach Plänen von Blasius Berwart und Hans Wißmar, und ließ dafür den Westflügel der alten Burg abreißen. Kurfürst Georg Wilhelm, Vater des Großen Kurfürsten, starb am 1. 12. 1640. Wegen des 30jährigen Krieges konnte er nicht in Berlin bestattet werden, weshalb sein Sohn ihn im Königsberger Dom in einem Prunksarg aus Zink beisetzen ließ, der noch 1947 im Chorraum der Kirche stand.

König Friedrich I., der in Königsberg geboren worden war, sorgte dafür, dass Schloss Königsberg um eine barocke königliche Unterkunft erweitert wurde und ließ durch Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt auf der Ostseite den sog. „Unfriedtbau“ neben dem Albrechtbau errichten, von dem aber nur der südliche Abschnitt fertig gestellt wurde. Der Soldatenkönig beendete die Baumaßnahmen und überließ die neuen Räumlichkeiten der Landesregierung und der Justiz. Friedrich II. interessierte sich für das Königsberger Schloss kaum, ließ vielmehr die hohen Renaissancegiebel des Westflügels abreißen.

Die Statue Kurfürst Friedrich III., 1697/98 von Andreas Schlüter geschaffen, von Johann Jacobi in Berlin gegossen und im Hof des Berliner Zeughauses aufgestellt, von Friedrich Wilhelm III. 1801 den Königsbergern geschenkt und von denen bis 1945 auf dem Schlossplatz auf einem Sockel von Gottfried Schadow postiert, ging in den Wirren des Krieges oder der Nachkriegszeit verloren. Glücklicherweise fand sich eine originale Gipsform in der Staatlichen Gipsformerei in Berlin. Von dieser wurde 1972 eine Kopie gegossen, die seitdem als Geschenk von Gerhard Marcks vor dem Knobelsdorff-Flügel des Schlosses Charlottenburg in Berlin steht.

Die Uhr des Schlossturms, der 1866 einen neuen Turmhelm erhalten hatte, spielte um 11 Uhr den Choral "Ach bleib mit deiner Gnade" und um 21 Uhr "Nun ruhen alle Wälder".

Über der Schlosskirche befand sich der berühmte Moskowitersaal. Sein Name leitete sich ab von einem Besuch Peters I. 1697 in Königsberg, als er mit 400 Mann Gefolge angeblich in diesem Saal empfangen wurde. Mit 82 Metern Länge und 18 Metern Breite war er Ende des 16. Jhs. der größte Saal Mitteleuropas. In ihm war der Schlitten ausgestellt, mit dem der Große Kurfürst 1679 über das Eis des Frischen Haffs geeilt war, um die Schweden anzugreifen, die dann bei Splitter nahe Tilsit geschlagen wurden.

Eine weitere berühmte Institution der Schlossanlagen war das das „Blutgericht“, ein uriges Weinlokal, das vom Schlosshof aus zugänglich war.

Nachdem man das Bernsteinzimmer 1943 im Katharinenpalast in Zarskoje Zelo ausgebaut hatte, sorgte Erich Koch dafür, dass es nach Königsberg kam. Man baute es im Schloss auf. Zum Kriegsende wurde es wieder in Kisten gepackt, um abtransportiert zu werden, doch die Nachrichten über sein Schicksal sind höchst widerspruchsvoll. Die einen bezeugen, dass es beim Einmarsch der Roten Armee verbrannt ist, andere suchen an den verschiedensten Orten in Ostpreußen, Schlesien und Deutschland nach einem möglichen Versteck, und Erich Koch, der etwas über den Verbleib hätte wissen können, hüllte sich in bedeutungsvolles Schweigen, das er doch nie brach. Inzwischen existiert in St. Petersburg ein Nachbau.

Die zum Abtransport bereit gestellten Kisten mit dem Bernsteinzimmer befanden sich im Ostbereich des Südflügels, als sie zuletzt gesehen wurden. Dieser Bereich wurde jedoch weniger beschädigt als die anderen Flügel des Königsberger Schlosses. Deshalb kann man schon verstehen, dass etliche Leute nicht an die Zerstörung des Bernsteinzimmers durch Kriegseinwirkung glauben wollen. Dazu kommt, dass es viele Zeitzeugen gibt, die die Kisten mit dem Bernsteinzimmer noch gesehen haben wollen oder glauben, Kenntnisse über den Verbleib zu besitzen. Das sind jedoch viele Einzelmeinungen, eine Häufung für eine bestimmte Wahrnehmung scheint nicht zu existieren. Die einen sahen die Kisten verbrennen, andere orteten sie auf der Pretoria zusammen mit den Hindenburg-Särgen oder im Frachtraum der Wilhelm Gustloff. Die Russen gruben erfolglos in der Brauerei Ponnarth und in Lochstädt, die DDR nahm die verschiedensten Plätze in Weimar und der Umgebung unter die Lupe. Wenn man alle Hinweise auf das Versteck des Bernsteinzimmers addiert, kommt man auf fast 100 Orte.

Deshalb findet man es vielleicht doch noch irgendwo. Generell waren ja auch viele Kellerbereiche des Königsberger Schlosses nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, so z. B. der große Keller unter der Schlosskirche und die Luftschutzräume unter dem Unfried-Bau (so der Leiter des Schlossbauamtes, Architekt Hans Gerlach, in seinen Erinnerungen). Die Kisten könnten theoretisch also überlebt haben. Als das Schloss endgültig zerstört wurde, blieben die Keller und Hohlräume weitgehend übrig. Vielleicht ergeben die neuesten Grabungen Hinweise, denn neuerdings werden die Grundmauern des Flügels von Schultheiß von Unfriedt, entstanden 1701 - 1711, und des Marschallflügels unter sachkundiger Leitung des Archäologen Wladimir Kulakow von der Akademie der Wissenschaften in Moskau frei gelegt, um später Teil eines Freilichtmuseums zu werden. Das Geld dafür stellte das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zur Verfügung.

Bei den Grabungen fand man zwar kein Bernsteinzimmer, aber immerhin eine geheimnisvolle Silberschatulle, die im Untergrund eingemauert war. Darin befanden sich elf Amulette und Medaillons aus Gold, Silber, Kupfer und Zinn, verziert mit okkulten Symbolen. Der Königsberger Chefarchäologe Anatolij Walujew hält sie für Arbeiten des frühen 17. Jhs., die rituellen Bräuchen dienten und für die sein Besitzer, hätte man sie bei ihm entdeckt, der Inquisition verfallen wäre. In absehbarer Zeit werden diese Fundstücke im Königsberger Museum für Kunst und Geschichte ausgestellt werden.

Am Ende des 19.Jhs. legte man an der Stüdseite des Schlosses eine Terrasse an. Als man nach dem Krieg die Steine der Schlossruine für andere Bauzwecke verwendete, wurden die Überreste der südlichen Terrasse zubetoniert und mit Kalkplatten belegt. In Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft in Kaliningrad wurden die Terrassen 2018 unter konservatorischer Aufsicht freigelegt. Dabei trat auch die Nische für Friedrich Wilhelm I. wieder zu Tage, die einst zentraler Blickpunkt des Brunnen-Denkmals für den Soldatenkönig war. Der Brunnen war ein Werk von Johann Heinrich Meissner (1701 – 1770), entstanden 1730 und damit ältestes Denkmal Königsbergs. In der Nische stand die lebensgroße Statue des Königs auf einer Weltkugel.[1]

Östlich des Schlosses über dem zugeschütteten Graben der Ordensburg stand von 1928 bis 1944 das neoklassizistische Gebäude der Reichsbank. Die russischen Architekten meinten, dass dort, wo die Bank mit ihren gewichtigen Geldtresoren gestanden hat, auch das Haus der Räte, der Dom Sowjetow, seinen ungefährdeten Platz haben könnte. Seit 1967 wuchs der Bau mit 16 Stockwerken himmelwärts. Doch die Verfüllung des mittelalterlichen Burggrabens war nicht fest genug, um das Gewicht des gigantischen Hauses zu tragen. Das neue Rathaus war nahezu fertig gestellt, als es sich leicht senkte und einige Wände rissen. Statiker aus aller Welt prüften zwar den Bau, doch es wurde nicht weitergebaut. Nach Plänen des Architekten ew Misoschnikow hätte das Haus 28 Stockwerke hoch sein und das Stadtkomitee der Kommunistischen Partei sowie die Stadtverwaltung aufnehmen sollen. Mit Beginn der Perestrojka legte man im 21. Stockwerk einen Stopp ein und zu Beginn der 1990er Jahre wurden die Bauarbeiten gänzlich eingestellt. Um das halbfertige Haus zu privatisieren, gründete die Gebietskörperschaft die Gesellschaft „Kultur- und Geschäftszentrum AG“. Diese ging 2003 in Konkurs und das Haus wechselte zur Firma „Prostostroj“. Gegen diesen Verkauf wehrte sich der Kaliningrader Bürgermeister mit dem Argument, das Geschäft sei zum Nachteil der Stadt zu einem Dumpingpreis erfolgt. Eine entsprechende Klage beim Schiedsgericht in Königsberg und beim 13. Schieds- und Berufungsgericht in St. Petersburg wurde zurückgewiesen, doch am 13. April 2010 gab das Schiedsgericht des Nordwestlichen Kreises der Russischen Föderation der klagenden Stadt Recht. Weiteres bleibt abzuwarten.

Der Schlossteich nördlich des Schlosses entstand zusammen mit der Burg, indem der Katzbach in einer Schlucht des Burgbergs durch Anlage eines Dammes aufgestaut wurde, der nun Wasser für die Wassergräben zum Schutz der Burg und zum Betrieb von Mühlen lieferte. Er war schon in deutscher Zeit ein beliebtes Ziel für Spaziergänge oder eines Besuchs in der Konditorei Schwermer und ist unverändert malerisch. Auch der Oberteich wurde vom Orden angelegt.


[1] Jörn Pekrul, Königsberger und Kaliningrader Brunnen im Jahr 2019; Lorennz Grimoni, Brunnendenkmäler, in Königsberger Bürgerbrief, Sommer 2019, S. 16 ff und S.8 ff

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