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PRUSSIA-Gesellschaften und Prussia-Sammlung

Die Mitglieder der 1844 auf Initiative von Ernst August Hagen, Professor für Kunstgeschichte, gegründeten " PRUSSIA, Gesellschaft für Heimatkunde Ost- und Westpreußens e.V. " wollten die archäologischen Quellen ihrer Vorfahren - etwa ab der späten Steinzeit, also ca. 3000 v. Chr. - dokumentieren und damit zugleich ein Stück europäische Kulturgeschichte sichern. Der Lehrstuhl Hagens war erst 1830 eingerichtet worden und war der erste dieser Art in ganz Preußen. Aus einem Hobby engagierter Laien wurde bald eine der berühmtesten Sammlungen in Europa: Sie umfasste 1945 rund 450.000 Gegenstände, darunter Keramiken, Waffen, Münzen, Gebrauchsgegenstände und Schmuck, schillernde Perlen aus Glaspaste, zahlreiche Urkunden, Drucke, Kartenwerke, Modelle von Bauten, Porträts, Flaggen, Münzen, Bauernmöbel, Trachten und volkskundlich bedeutsame Geräte.

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Nach dem Verlust Ostpreußens und eines großen Teils der Prussia-Sammlung durch Krieg und Vandalismus unternahmen es 1972 tatkräftige Ostpreußen, die PRUSSIA neu zu gründen. Dadurch sollte das Wirken der alten Prussia im Gedächtnis bewahrt sowie verstreutes Kulturgut aufgespürt und gesammelt werden. Es wurde eine Bibliothek aufgebaut, eine rege publizistische Tätigkeit entfaltet sowie nationale und internationale Beziehungen geknüpft und gepflegt. Um diese Aufgaben auch in der Zukunft zu bewältigen, sind neue Mitglieder sehr willkommen:

Prussia-Gesellschaft für Heimatkunde Ost- und Westpreußen e. V., in Nachfolge der Altertumsgesellschaft Prussia, gegr. 1844 in Königsberg,
Phöbener Chausseestr. 10, 14542 Werder, Havel,
Tel.: +49 (0) 33 27 – 74 16 03
FAX: +49 (0) 32 12 – 1 05 13 08
e-mail prussia.gesellschaft@googlemail.com
Vorsitzender: Hans-Jörg Froese

Die Mitglieder der 1844 auf Initiative von Ernst August Hagen, Professor für Kunstgeschichte, gegründeten "PRUSSIA, Gesellschaft für Heimatkunde Ost- und Westpreußens e.V. " wollten die archäologischen Quellen ihrer Vorfahren - etwa ab der späten Steinzeit, also ca. 3000 v. Chr. - dokumentieren und damit zugleich ein Stück europäische Kulturgeschichte sichern. Der Lehrstuhl Hagens war erst 1830 eingerichtet worden und war der erste dieser Art in ganz Preußen. Aus einem Hobby engagierter Laien wurde bald eine der berühmtesten Sammlungen in Europa: Sie umfasste 1945 rund 450.000 Gegenstände, darunter Keramiken, Waffen, Münzen, Gebrauchsgegenstände und Schmuck, schillernde Perlen aus Glaspaste, zahlreiche Urkunden, Drucke, Kartenwerke, Modelle von Bauten, Porträts, Flaggen, Münzen, Bauernmöbel, Trachten und volkskundlich bedeutsame Geräte. Die Sammlung war untergebracht im Südflügel des Königsberger Schlosses sowie seit 1924 im Moskowitersaal. Dort stand der Schlitten, mit dem der Große Kurfürst 1679 über das Eis des Haffs gefahren war, um den Schweden die Stirn zu bieten.

Wichtig war die Sammlung insbesondere für die Dokumentation der prußischen Kultur, über die mangels Schrift keine Literatur existierte. Ihre Spuren fanden sich aber reichlich in den prußischen Gräbern: Waffen und Ausrüstungsgegenständen sowie sogar ganz aufgezäumten Pferden, die die Hinterbliebenen ihren Toten mitgaben. Zum Prussia-Museum gehörten Wikinger-Funde wie Schwerter, Geräte, Trachtzubehör, Zaumzeug, Schmucksachen.

Im Laufe des Jahres 1944 begann man, vornehmlich unter Leitung des Direktors des Landesamtes für Vorgeschichte, Wolfgang La Baume, mit der Auslagerung des Museumsbestandes. Teilbestände liegen heute in Berlin, Allenstein und Königsberg. Über den Verbleib von 300 bis 400 Kisten , die nach 1945 nach Moskau gelangten, herrscht heute noch Unklarheit.[1] Ein großer Teil der Sammlung und des Fundarchivs verlagerte man nach Carlshof, Kreis Rastenburg. Während die keramischen Fundstücke dort verblieben, gingen 2 Waggonladungen nach Vorpommern und davon 1 Waggon mit dem gesamten Fundarchiv, den Ausgrabungsplänen, der Negativsammlung etc., insgesamt 125 Kisten, in das Gutshaus Broock bei Demmin. Dort erfuhr der Kaufmann in einem Stettiner Familienunternehmen und spätere Leiter des Heimatmuseums Demmin, Lothar Diemer (1911 – 2001), 1946 von den Prussia-Objekten, weil Kinder mit Äxten und Speerspitzen auf der Straße spielten. Die müllhaufenartig gelagerten und dem allgemeinem Zugriff zugänglichen Museumstücke wurden in Holzkisten geschüttet, von Diemer in Räumen seiner Firma zwischengelagert und 1949 an das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin überführt..[2] Sie lagerten von 1956 bis 1990 im 2. OG des „Preussenhauses“ in der Leipziger Strasse. Auch andere Fundstücke fanden ihren Weg nach Berlin. Das Kreisheimatmuseum Demmin übergab 1976 zwei Kisten mit 224 Objekten aus der Prussia-Sammlung dem Museum für Vor- und Frühgeschichte in Ost-Berlin. Derselbe Empfänger erhielt 1988 drei Kisten Prussia-Exponate wie Keramiken, Bronzen, Eisenwaffen, Steigbügel etc. aus dem Mecklenburgischen Landesmuseum.[6]

Nach der Wende gelangten 1990 die Funde aus Ost-Berlin, 115 Holzkisten, ins Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin-Charlottenburg, davon 23 Kisten mit Archivalischem, 2 Kisten mit fotografischen Glasnegativen und ansonsten insbesondere Ausgrabungsfunde der winkingerzeitlichen Hügelgräber von Wiskiauten, Krs. Fischhausen. Der Berliner Bestand stellt den größten erhaltenen Komplex der ehemaligen Prussia-Sammlung dar und umfasst heute zwei Teile: Zum einen die Reste des ehemaligen Fundaktenarchivs des Königsberger Museums, zum anderen die archäologischen Objekte der sogenannten Studiensammlung. Ein wichtiger Schritt für die Wiedergewinnung des Bestandes war die mühevolle Neuordnung des Fundarchivs seit dem Jahr 2000. Mehr als 50.000 Einzelblätter, über 2.000 Fotos und Fotonegative sowie zahlreiche Pläne, Karteikarten und Fundetiketten waren gerettet worden, deren ursprüngliche Zusammengehörigkeit in jeder Hinsicht wiederhergestellt werden musste. Auf diese Weise haben sich archäologische Informationen zu ca. 2.400 Fundorten im ehemaligen Ostpreußen im Fundarchiv des Prussia-Museums erhalten.[3]

Seit Herbst 2002 ist der Prussia-Fund für Wissenschaftler wieder zugänglich. 2012/13 wurden 4.920 Funde aus dieser Sammlung in einer Datenbank erfasst, die jetzt eingesehen werden kann. Seit 2011 werden die mittelalterlichen Funde der Prussia-Sammlung mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft wissenschaftliche aufgenommen und der Forschung zur Verfügung gestellt. Die aktuellen Forschungsergebnisse lassen sich unter www.prusia-museum.eu (Museum für Vor- und Frühgeschichte/Prussia-Sammlung) abrufen.

Noch etwa 5.000 mittelalterliche Objekte sind erhalten, bei denen sich der Fundort eindeutig bestimmen lässt. Den Objekten mit Fundkontext stehen etwa 15.000 Objekte ohne bekannten Fundort gegenüber, die das gesamte mittelalterliche Fundspektrum abdecken: Waffen (Schwerter, Lanzenspitzen), Schmuck (Fibeln, Hals-, Arm- und Beinschmuck), Reitzubehör (Steigbügel, Sporen und Trensen) und Gebrauchsgegenstände. Im Zusammenspiel mit den überlieferten Archivalien wird es möglich sein, zahlreiche Stücke zu reidentifizieren und sie ihrem ursprünglichen Fundplatz wieder zuzuweisen.[4]

Ein anderer Teil der Studiensammlung des Königsberger Prussia-Museums, der 1944 nach Karlshof bei Rastenburg in Südostpreußen ausgelagert worden war, kam in Museen in Heilsberg und Allenstein. Es handelt sich vornehmlich um Keramiken aus verschiedenen Epochen und Orten in Ostpreußen. Darunter befindet sich auch eine spätbronzezeitliche Henkeltasse, die Heinrich Schliemann (1822 – 1890), der Ausgräber von Troja, anlässlich eines Vortrags bei der Altertumsgesellschaft Prussia in Königsberg dem Prussia-Museum verehrt haben soll. Kisten mit weiteren Beständen, die man in Polen gefunden hatte, wurden nach Warschau gebracht, bisher aber wohl nicht wissenschaftlich ausgewertet.

Die Schausammlung des Prussia-Museums lagerte man erst Anfang 1945 und damit zu spät aus. Eine Partie von 34 Kisten und einige Schaukästen kamen nur bis in das 5 Kilometer entfernte Fort Friedrich III (Quednau) am Stadtrand von Königsberg. Als die Russen dieses Festungsgelände 1998 endgültig verließen, stießen Archäologen aus der Oblast Kaliningradskaja unter Avenir Owsjanow, die heute im Museum für Geschichte und Kunst beschäftigt sind, durch systematische Grabungen auf Bestände aus der Prussia-Sammlung. Dazu gehören 16.000 Fundstücke aus der Steinzeit, Schmuckstücke aus Gold, Silber, Bronze wie Bronze-Fibeln, Bernstein, eine Anzahl von Silbermünzen wohl aus dem Besitz des Deutschen Ritterordens, Schwertspitzen, Steinwerkzeuge und anderes. In einer 2. Fundwelle entdeckte man weitere 8.000 Sammlerstücke und bei einer Grabung im Sommer 2001 förderte man noch einmal 2.000 Gegenstände zu Tage. Weitere Grabungen sind vorgesehen.

Für die Erfassung und Restaurierung dieser sensationellen Funde waren die Kaliningrader Möglichkeiten höchst eingeschränkt. Hier schaltete sich die Zeitschrift „DIE ZEIT“ mit ihrer Stiftung ein und förderte eine Kooperation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum für Archäologie in Schleswig mit dem Museum für Geschichte und Kunst in Kaliningrad, um die berühmte Sammlung zu retten. Zur 750-Jahr-Feier von Kaliningrad/Königsberg hatte man es geschafft und präsentiert die restaurierte Sammlung stolz in einer Ausstellung.

Inventarbücher der Prussia-Sammlung, 15 Bücher mit 1.584 Seiten, konnten 1967/68 in den Ruinen des Südflügels des Königsberger Schlosses geborgen werden, bevor diese gesprengt wurden. Seit 2007 wurde es möglich, diese in katastrophalen Zustand befindlichen Bücher durch die Unterstützung des Polnischen Staatsarchivs in der Konservierungswerkstatt von Allenstein zu restaurieren und so der wissenschaftlichen Forschung zu erhalten. Als Quintessenz dieser erfolgreichen Aktion entstanden zwei Bücher:[5]

1. A. Bitner-Wróblewska (Red.), Archeologiczne ksiegi inwentarzowe dawnego Prussia-Museum/Die archäologischen Inventarbücher aus dem ehemaligen Prussia-Museum, Aestiorum Hereditas I, Olsztyn 2008

2. T. Nowakiewicz (Red.). Archeologiczne dziedzictwo Prus Wschodnich w archiwum Feliksa Jakobsona/Das archäologische Vermächtnis Ostpreußens im Archiv des Felix Jakobson, Aestiorum Hereditas II, Warszawa 2011

- zu beziehen über die Prussia-Gesellschaft e. V. -



[1] N. Goßler/C. Jahr, Forscher entdecken Prussia-Sammlung wieder, Oprbl. Nr. 15/2013 (13. April), S. 19
[2] ZDF-Pressestelle Telefon: 06131 / 70 - 2120 Telefon: 06131 / 70 – 2121, 4. 5. 2009
[3] Heidemarie Eilbracht, Norbert Goßler, Timo Ibsen, Christoph Jahn und Jaroslaw Prassolow, letzte Änderung am 19.05.2013, Vom Rand in die Mitte - neue archäologischer Forschungen im ehemaligen Ostpreußen, über Lutz Szemkus, mail vom 30. 11. 2014
[4] Heidemarie Eilbracht, Norbert Goßler, Timo Ibsen, Christoph Jahn und Jaroslaw Prassolow,
letzte Änderung am 19.05.2013, Vom Rand in die Mitte - neue archäologischer Forschungen im ehemaligen Ostpreußen, über Lutz Szemkus, mail vom 30. 11. 2014
[5] N. Goßler/C. Jahr, Forscher entdecken Prussia-Sammlung wieder, Oprbl. Nr. 15/2013 (13. April), S. 19
[6] Christoph Jahn, Heino Neumayer,Izabela Szter, Die Odyssee der Prussia-Sammlung an das Museum fürVor- und Frühgeschichte Berlin und ihre wissenschaftliche Rekonstruktion

Schloss Broock 2019 (Ch. Jahn)
 
 
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