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Geschichte von Slavskoe - Kreuzburg

Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg eroberte 1240 die Prußenfestung Witige. Die vorhandene Anlage nutzten die Ordensritter für den Bau einer eigenen Wehranlage und diesen ersten deutschen Stützpunkt im späteren Kreis Pr. Eylau benannten sie nach dem im Burzenland 1212 gebauten und 1225 aufgegebenen castrum cruzeburg als die „Kreuzburg“.

Die Kreuzburg lag auf einer ins Keystertal vorspringenden Anhöhe, dem Schlossberg, nahe der Einmündung des Flüsschens Keyster in den Pasmar, und wurde bereits 1243 von den Prußen wieder zerstört. 1253 erneut aufgebaut, wurde die Burg nach dreijähriger Belagerung durch Herkus Monte 1263 erneut von den Prußen eingenommen und erneut zerstört. Ab 1275 rekonstruiert, war die Burg kurzzeitig bis 1277 Sitz des Komturs und Vogts von Natangen.

Vermutlich gab es in der Frühzeit des Ordenslandes schon erste Ansätze für eine Besiedlung, die aber die Prußenaufstände zunichte machten. Erst am 21. 1.1315 gründete der Ordensmarschall Heinrich von Plotzk die Stadt nördlich der Burg endgültig. Sie war damit die älteste Stadt und älteste deutsche Ortschaft des Kreises Pr. Eylau.

1414 eroberten und verwüsteten polnische Truppen die Stadt, erschlugen 5 Bürger und zerstörten 71 Häuser. Den Städtekrieg (1454 - 1466) begann Kreuzburg auf Seiten des Preußischen Bundes, musste sich jedoch ein Jahr später dem Orden ergeben. Zum Ausgleich von Soldforderungen verpfändete der Orden nach Beendigung des Krieges die Stadt an den Söldnerhauptmann v. Tettau und Gräusing. 1497 verschrieb der Orden Burg und Stadt mit allen Rechten dem Bischof Johannes von Pomesanien. Später verlieh Herzog Albrecht Stadt und Burg dem Melchior von Lesgewang, 1565 dem Abenteurer Paul Skalich, der sich „Dynast von Kreuzburg“ nannte. 1566 war Kaspar von Fasolt, 1567 Albrecht Truchsess von Wetzhausen und 1572 Melchior von Kreytzen Herr von Kreuzburg. Seit dem 17. Jahrhundert war die Stadt wieder landesunmittelbar.

Nach der Einnahme von Burg und Stadt 1520 durch die Polen während des Reiterkrieges hatte die Festung ausgedient. Um 1531 gab man die Gebäude erstmals als Steinbruch frei, aber 1565/66 wohnte Paul Skalich noch in einem Teil der Räume. Im 17. Jh. erfolgte dann schrittweise der endgültige Abbruch. Daher ist fast nichts von der ordenszeitlichen Wehranlage übrig geblieben. 1930 existierte noch ein kläglicher Rest der Mauern.[1]

In der Folgezeit zerstörten Stadtbrände 1634 und 1663 große Teile des Gemeinwesens. Unter der großen Pest 1709 – 1711 litt Kreuzburg so wie viele andere Gemeinden in Preußen.

Während des 18. Jhs. war Kreuzburg lange Zeit Garnisonsstadt, wo u. a. auch der Major von Boyen, Vater des späteren Kriegsministers und Generalfeldmarschalls v. Boyen, seinen Dienst versah. Die wirtschaftliche Basis der Stadt in dieser Zeit bestand in der Papiermühle sowie Mahlmühle, Eisenhammer, Schneidemühle und Walkmühle.

Am 1. Februar 1818 wurde Kreuzburg zur Kreisstadt des gleichnamigen Kreises gemacht, der zusammen mit dem gleichzeitig entstandenen Kreis Zinten aus dem vorherigen Kreis Brandenburg hervorging. Diese Kreiseinteilung stieß jedoch auf erheblichen Widerspruch in der Bevölkerung, vor allem wegen der wenig vorteilhaften länglichen Gestalt des Kreises. Auf Drängen von lokalen Behörden und Grundbesitzern änderten die Minister für Finanzen und des Inneren den Zuschnitt der Verwaltungseinheiten und begründeten per 1. 4. 1819 die Kreise Heiligenbeil und Pr. Eylau, die bis 1945 Bestand hatten.

Ein Großbrand am 10. 5. 1818 vernichtete große Teile von Kreuzburg und machte es dadurch noch schwerer, die Belastungen aus der Zeit der französischen Besatzung unter Napoleon abzutragen. 152 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer, nur Kirche, Pfarrhaus und Schule blieben verschont. In der Folge entwickelte sich Kreuzburg zur Ackerbürgerstadt zurück.

Erst nach 1850 gab es wieder einen bescheidenen Aufschwung und es etablierten sich sukzessive die Reichermann’sche Wollspinnerei, die Mühle Reichermann (zuletzt Podehl), Genossenschaftsmolkerei, Sägewerk und Ziegelei. 1864 hatte die Stadt mit 2.181 Einwohnern ihren höchsten Bevölkerungsstand. Der Bahnanschluss erfolgte 1908 mit einer Verbindung nach Tharau. Es gab eine moderne Volksschule und eine Höhere Privatschule.

Die Autobahn von Elbing nach Königsberg führte an Kreuzburg vorbei und die Stadt erhielt einen Autobahnanschluss.

Beim Vorstoß der Sowjets im Januar 1945 wurde Kreuzburg längere Zeit vehement verteidigt, dadurch entsprechend fürchterlich zerstört und verlor danach den Status einer Stadt.



[1] Fotografiert von Johannes Hermann, Schwerte im Kapitel Kreuzburg von Friedrich Borchert

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Luftbild Kreuzburg 1930 - 40 (Gabriele Goldstone)
Marktplatz Kreuzburg früher (Gabriele Goldstone)
Kreuzburg - Bahnhof (Gabriele Goldstone)
Kreuzburg - Postamt (Gabriele Goldstone)
Kreuzburg - Amtsgericht (Gabriele Goldstone)
Schlossberg bei Kreuzburg (Gabriele Goldstone)
Kreuzburg - Gesellschaftshaus (Familie Statnik)
 
 
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