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Geschichte von Primorsk - Fischhausen

Schon 1243, deutlich vor der Eoberung des Samlands 1252/53, teilte man das Samland auf: zwei Drittel wurden dem Orden zgedacht, ein Drittel der Kirche. Zum ersten Bischof des Samlands ernannte der Papst 1252 den Bruder des Minoritenordens, Johannes von Dist. Der trat sein Amt aber gan nicht an, weil er 1254 Bischof von Lübeck wurde. Fischhausen wurde zur Residenz der Bischöfe des Samlands gemacht, als der zweite Bischof des Samlands, Heinrich von Strittberg, 1264 dem Orden das gebiet bei Fischhausen, das dieser entgegen den Absprachen okkupiert hatte, im Tausch gegen Lochstädt für den Bau einer eigenen Kirchenburg abtrotzte, und blieb Bischofssitz bis 1523. Dass beide Parteien den Ort Fischhausen begehrten, könnte auch mit der Erwartung größerer Bernsteinvorkommen im Umkreis zusammen gehangen haben. Mit dem Bau einer massiven Burg aus Stein begann man wohl 1269.[1]

Das am 1. 1. 1285 gegründete samländische Domkapitel wurde 1294 hierher verlegt, ging aber 1302 nach Königsberg zurück, wo es die Genehmigung zum Bau einer eigenen Kathedrale erhielt und 1333 zum Bau des Königsberger Doms auf dem Kneiphof führte

Auf dem Platz, den Fischhausen einnahm, hat vermutlich schon vor Ankunft des Ordens ein größeres Fischerdorf gestanden, dessen Land ringsum dem samländischen Edlen Schonewyke gehörte. Er war ein konsequenter Gegne des Ordens, weswegen er nach dem Ende des großen prußischen Aufstands enteignet und sämtlicher Vorrechte ledig wurde.

Erstaunlich, dass man trotzdem diesen prußischen Edlen zum Namensgeber des ordenszeitlichen Ortes „Schonewic“. machte. Hintergrund für die Benennung war also nicht die „schöne Bucht“, die landschaftlich reizvolle Lage an dem schön geschwungenen Bogen der Fischhausener Bucht. Die Burg wird jedoch schon anfangs des 14. Jhs. , nach Irmgard Zwilling 1320, urkundlich als „castrum Vischhausen“ bezeichnet.

Der dritte Bischof Siegfried von Reinstein oder Regenstein aus dem Harz (Bischof 1296 – 1310 - die Burgruine der Familie steht noch nahe Blankenburg) erteilte am 7. 4. 1299 eine erste Handfeste für die noch zu bauende Stadt, die am 19. 8. 1305 mit Nachdruck und noch einmal 1475 erneuert wurde. Der Zeitpunkt 1305 gilt als die verbindliche Gründung von Fischhausen und ist Basis der Jubiläumsfeiern. Aus dem Namen Schonewic wurde im Laufe der Zeit Bischoweshusen, Bischhusen, Vischhusen, Fischhausen.

Im Städtekrieg 1454 - 1466 hielt Fischhausen zunächst zum Städtebund, nach Intervention eines Söldnertrupps unter Graf Hans von Gleichen 1455 aber wieder treu zum Orden und wurde daher 1456 von den aufständischen Danzigern geplündert, 1462 auch noch niedergebrannt samt Kirche. Fischhausen brauchte lange Zeit, um sich davon zu erholen.

Als Georg von Polentz, erster evangelischer Bischof der Christenheit und letzter Bischof des Samlands, aus eigenem Entschluss die Herrschaft über das Bistum an Herzog Albrecht abgetreten hatte, hörte Fischhausen auf, Bischofsresidenz zu sein, fand aber nun einen engen Bezug zum Landesherrn. Am 1. 7. 1526 wurde Herzog Albrecht mit Prinzessin Dorothea von Dänemark, Tochter des Königs von Dänemark und Herzogs von Holstein, in der Burgkapelle von Fischhausen getraut und das Schloss wurde hinfort eine beliebte herzogliche Sommerresidenz. 1527 wurde hier die Tochter Anna Sophie geboren, die 1555 den Herzog von Mecklenburg heiratete und so Stammmutter der beiden mecklenburgischen Herrscherlinien wurde. Hier kam 1553 der Thronfolger Albrecht Friedrich zur Welt, der später in der Kapelle von Burg Fischhausen Marie Eleonore von Jülich-Cleve heiratete, die die reichen rheinischen Länder ihrer Familie in das Haus Hohenzollern einbrachte. Herzog Albrecht Friedrich lebte hier ständig zusammen mit seiner Frau, seit der Vormund Georg Friedrich 1578 die Regentschaft übergenommen hatte und hier starb 1618 der kranke Sohn Herzog Albrechts.

Um seine eigene Position gegenüber den 1626 eingefallenen und in Pillau sitzenden Schweden zu stärken, verlegte Kurfürst Georg Wilhelm 1627 drei Kompanien des brandenburgischen Regiments von Kracht in das Schloss Fischhausen. Diese Truppe wurde die erste Garnison Fischhausens. Aus ihr ist das Grenadier-Regiment König Friedrich der Große (3. Ostpr.) Nr. 4 entstanden, und das war das älteste der brandenburgisch-preußischen Armee, gestiftet am 1. Mai 1626. König Gustav Adolf ließ jedoch keine fremden Soldaten in Reichweite seiner Militärbasis Pillau zu. Er besetzte sehr bald Fischhausen und verstärkte die Befestigungen der Stadt, damit sie gegen mögliche polnische Angriffe gewappnet war.

Während dieser Zeit der Besetzung bis 1635 schloss König Gustav Adolf von Schweden unter Vermittlung des preußischen Landhofmeisters Andreas von Kreytzen mit den Polen am 31. 10. 1629 in Fischhausen einen 6jährigen Waffenstillstand. Als die Schweden endlich abgezogen waren, hinterließen sie die Stadt Fischhausen völlig verarmt. Damit nicht genug, zerstörte ein Großbrand 1679 viele Wohn- und Mälzenbrauerhäuser.

Organisatorisch wurde aus dem ordenszeitlichen Kammeramt Fischhausen in der Herzogszeit dasHauptamt Fischhausen, zu dem die Kirchspiele Fischhausen, Germau, Thierenberg, Kumehnen, Laptau, Lochstädt und weitere gehörten. Dieses Hauptamt war finanziell stark genug, um verpflichtet zu werden, die Unterhaltskosten der Königsberger Universität zu bestreiten und außerdem noch größere Geldsummen an die Staatskasse abzuführen.

Im 7jährigen Krieg war Fischhausen von den Russen besetzt, aber nicht geschädigt worden. Dagegen wurde der Ort durch die Franzosenzeit 1807 und 1812/13 sehr in Mitleidenschaft gezogen, anfangs wegen der Frontstellung gegen Pillau und zum Ende als Zwischenstation für den Marsch über die Nehrung nach Moskau. Insgesamt gehört Fischhausen so zu den ostpreußischen Gemeinden, die unter der französischen Besatzung am meisten gelitten haben.

1818 wurde Fischhausen Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. In der Folgezeit nahm der Ort eine moderat aufwärts strebende Entwicklung. Die Bevölkerung lebte von Ackerbau, Fischfang und von der Brauerei. Das Braurecht gab es schon seit der Gründung zur Ordenszeit, wurde von den Kurfürsten bestätigt und gegen Konkurrenz geschützt. Trotz Hafen und Anbindung an die Eisenbahn 1865 gelangte die Kreisstadt aber nicht zur vollen Blüte, denn dem Hafen fehlte das Hinterland für einen ergiebigen Warenumschlag und die Nähe zu Königsberg ließ keinen bemerkenswerten lokalen Handel aufkommen. Industrie war gar nicht vorhanden.

Der Kreis Fischhausen und der Landkreis Königsberg(Pr) wurden am 1.4.1939 zum neu gebildetenKreis Samland vereint. Nach dem Krieg gingen beide Kreise wieder eigene Wege. 1951 übernahm der Kreis Pinneberg die Patenschaft für den Kreis Fischhausen, der Kreis Minden-Lübbecke wurde 1955 Patengemeinde für den Landkreis Königsberg(Pr).

1945 erlitt die Stadt Fischhausen, die den Weg von Hunderttausenden Deutschen zum Fluchthafen Pillau markierte, erhebliche Zerstörungen, als die Rote Armee den Ort ab 16. April 1945 mit Flugzeugen und Artillerie angriff. Bis etwa 1961 gab es noch etliche Ruinen, mitten darin die Ruine der Kirche. Um dem Generalsekretär der KPDSU, Nikita Chruschtschow, der den Ort passierte, den Ruinenanblick zu ersparen, wurde das gesamte alte Zentrum nach diesem Zeitpunkt eingeebnet. Nur am erhaltenen und gepflegten Bahnhof sind noch einige Altbauten zu finden und der alte Wasserturmist bereits vom fernen Seekanal am Camstigaller Haken zu sehen. Die schöne "Villa Porr" mit ihren 13 Zimmern und dem Türmchen im Park ist ebenfalls noch vorhanden. Anton Porr war im ersten Teil des 20. Jhs. ein sehr umtriebiger Unternehmer. Er besaß eine Zieglei, die noch vor dem 1. Weltkrieg die Arbeit aufnahm, ein Sägewerk am Haff, eine Zimmerei, ein Mauirergeschäft und eine Landwirtschaft von 106 ha. Nach dem Krieg wurde die Ziegelei abgebrochen. In der Villa befand sich zuletzt ein Erholungsheim und offenbar ein Militär-Krankenhaus. Der russische Einwohner von Fischhausen, Kyrill Opalenik, würde in dem Haus germe ein Fischhausen-Museum einrichten. Es müssten auch noch Melkerhaus und Futtersilo existieren.

Ansonsten ist vom alten Fischhausen wenig geblieben. Natürlich auch nicht der Name: die Sowjets benannten den Ort um in „Primorsk“, was „Stadt am Meer“ bedeutet.

In Fischhausen gibt es einen zentralen Friedhof für 1.086 deutsche Gefallene des 2. Weltkriegs, der am 7. 7. 1996 eingeweiht wurde.

An der Wende zum 21. Jh. wurde Primorsk – Fischhausen zum Öl-Umschlagshafen ausgebaut. Ende 2001 ging der erste Abschnitt des Rohölterminals Primorsk mit einer Umschlagskapazität von 12 Mio. t/Jahr in Betrieb. Ein weiteres Terminal für die Abfertigung von Leicht- und Schweröllieferungen mit einer Kapazität von 8 Mio. t ist in Bau. Derzeit stehen zehn Öltanks mit Kapazitäten von je 50.000 t zur Verfügung. An der Umschlaganlage können Tanker von bis zu 300 m Länge mit Vermessungen zwischen 50.000 und 150.000 tdw abgefertigt werden.

Geliefert wird das Öl durch das 455 km lange „Baltic Pipeline System“, das Primorsk mit demnordrussischen Fördergebiet Tymano-Petschorsk verbindet. Die Gesamtkosten für den Ölumschlag werden auf 500 Mio. USD beziffert, 234 Mio. davon flossen in die Fertigstellung des ersten Terminalbereichs. Die Mittel kamen aus den Kassen des russischen Pipeline-Monopols Transneft. Das gesamte Projekt soll in drei Bauabschnitten bis 2007 realisiert werden. Die im Öl- und Gasgeschäft tätigen Großunternehmen Surgutneftegaz und Rosneft planen zudem in Primorsk dieErrichtung einer Raffinerie und sind wohl wesentlich an der Finanzierung der Terminalanlagen beteiligt.

Im Hafen von Fischhausen liegt die Viermastbark „Krusenstern“ auf Reede. Sie lief 1926 als letzter großer Frachtsegler in Wesermünde unter dem Namen „Padua“ vom Stapel und wurde hauptsächlich für den Transport von Salpeter aus Chile oder Getreide aus Australien eingesetzt. Im 2. Weltkrieg diente sie in der Ostsee als Segelschulschiff. 1945 übernahm die Sowjetunion die stolze Bark und gab ihr seinen heutigen Namen. Johannes von Krusenstern (1770 – 1846) leitete 1803 – 1806 die erste russische Weltumseglung.


[1] Irrngard Zwilling, Vorgeschichte und Gründung der Stadt Fischhausen, Unser schönes Samland, Sommer 2012, S. 42 f . Nachdruck von Schulrat Ernst Morgenroth, Samlandbrief Herbst 1964, S. 4

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Langgasse in Fischhausen einst (Torsten Foelsch, 2014)
 
 
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