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Napiwoda – Grünfließ

Die Gründungsurkunden von Napiwoda – Grünfließ sind verloren gegangen, aber es wird angenommen, dass der Ort seit der ersten Einwanderungswelle um 1325 existiert. Immerhin ist eine Handfeste vom 25. Juni 1506 überliefert, in der Hochmeister Herzog Friedrich von Sachsen an Anraten von Jobst, Truchseß zu Neidenburg, die Erlaubnis erteilte, die beiden aneinander grenzenden Dörfer Napiwoda und Camuschin (Kommusin), beide mit kulmischem Recht ausgestattet, zu vereinigen. Der zukünftige Name der neuen Gemeinde solle „Napiwoda“ sein. Dieser Name ging auf die polnischen Zuwanderer zurück und bedeutete im Altpolnischen soviel wie „Trinkquelle“. Erst 1890 wurde der Name „Grünfließ“ eingeführt.[1]

Napiwoda hatte damals 12 Einwohner und einen Krüger, Camuschin nur fünf Einwohner. In Kommusin bestand 1372 bereits ein Eisenwerk, das als das älteste der Provinz galt.[2] Hauptaufgabe der Siedler waren die Erschließung der Wildnis und die Gewinnung von Honig. Aber erst ab etwa 1900 setzte in Grünfließ eine gewisse Prosperität ein, die im 1. Weltkrieg bereits jäh unterbrochen wurde, als die Russen das Dorf eroberten und die Bevölkerung zur Flucht veranlassten. Während die Geflüchteten damals aber bald wieder zurückkehren konnten, war die Flucht am Ende des 2. Weltkriegs endgültig. Der Räumungsbefehl erfolgte am 19. Januar 1945. Im August 1945 übernahmen die Polen die öffentliche Verwaltung.[3] Die Einwohnerzahl hat sich aber seitdem sogar etwas erhöht: Im Ort wohnten 1939 insgesamt 730 Personen, im Jahr 2000 waren es 865. [4]

In Grünfließ erhielt die Kirche 1998 anstelle des baufälligen alten einen neuen hölzernen Glockenturm in der für Masuren typischen Bauform und ein Grünfließer spendete dafür eine neue Glocke, die am 4. 6. 1999 feierlich ihrer Bestimmung übergeben wurde. In Bronze gegossen wurde sie in der ältesten Glockengießerei Deutschlands, J. A. Mark in der Eifel. Ihr Gewicht beträgt 210 kg.

In Grünfließ wurde 1886 der Komponist Waldemar M. R. Mondry geboren. Er ergriff den Beruf eines Volksschullehrers und unterrichtete an einer Schule in den Nähe von Naumburg/Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Sein 50. Opus war ein Marsch, den er dem Feldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg widmete.[5].



[1] Hans Rettkowski, Napiwoda/Grünfließ – zwei Ortsnamen, ein Dorf, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 2001, S. 36 f

[2] Junke, Geschichte des Kreises Neidenburg, Neidenburger Heimatbrief Weihnachten 2000, S. 66

[3] Margarete Bär, Vertreibung aus unserem Heimatdorf Grünfließ, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 2009, S. 72

[4] Hans Rettkowski, Napiwoda/Grünfließ – zwei Ortsnamen, ein Dorf, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 2001, S. 36 f

[5] Werner J. Niklowitz, Waldemar M. R. Mondry, ein masurischer Komponist und Patriot, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 2000, S. 41

 
 
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