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Geschichte von Olsztynek - Hohenstein; Pagelshof

Hohenstein am Amelingfluß (Jemiolowka) und nahe dem Mispelsee (jez. Jemiolowo) war kein außergewöhnliches ostpreußisches Städtchen, erlangte aber im 20. Jh. Bekanntheit durch seine Nähe zur Tannenbergschlacht im ersten Weltkrieg und als Ausgangspunkt für Besuche oder Besichtigungen des nahen, danach errichteten Tannenbergdenkmals.

Vermutlich 1351 wurde mit dem Bau des Hauptflügels für eine Ordensburg begonnen, die die Grenze zu Masowien und Handelswege zwischen dem Ordensland und Masowien schützen sollte. Auftraggeber war der aus dem Harz stammende Osteroder Komtur Günter von Hohenstein (1349 - 1370), der dem Ort den Namen gab. Die früheste Erwähnung der Burg in Hohenstein geht in das Jahr 1351 zurück. Die Siedlung, die sich neben der Burg bildete und von der die Kirche bereits 1349 in der Mörkener Handfeste erwähnt wurde, erhielt 1359 das Stadtprivileg vom Hochmeister Winrich von Kniprode und es war in dieser Zeit, dass man hier ein Kammeramt der Komturei Osterode begründete. Erster Schultheiß von Hohenstein war ein Mann namens Nicolaus.

Nach der für den Orden verlorenen Schlacht von Tannenberg 1410 wurde Hohenstein von den Polen erobert, aber nicht lange gehalten. Vier Jahre später brannte der Orden selbst das Städtchen nieder, damit es nicht dem König von Polen in die Hände fiele.

Im Jahr 1440 trat Hohenstein dem Preußischen Bund bei, schlug sich aber 1455 während desStädtekriegs (1454 - 1466) auf die Seite des Ordens. Während des Reiterkriegs (1519 - 1526) war das Städtchen längere Zeit von den Polen besetzt. Im Zuge der Reformation wurde in Hohenstein ein herzogliches Amt eingerichtet. Erster Hauptmann war Friedrich von der Oelsnitz, der das Amt als Gegenleistung für ein Kriegsdarlehen erhielt. 1610 vereinigte man dieses Amt mit dem in Osterode. Die Hohensteiner Burg wurde Zeughaus.

Große Stadtbrände gab es 1651, 1685 und 1804.

1643 pachtete Johann v. Hoverbeck (1606 - 1682) das Amt Hohenstein, das er bis zu seinem Tod inne hatte. Er war der Begründer der ostpreußischen Linie der Familie und war langjähriger Rat und Gesandter des Großen Kurfürsten in Warschau. Seine Vorfahren war aus Flandern nach Ostpreußen eingewandert.

Im Kreis Osterode besaß Johann von Hoverbeck die Güter in Domkau, Geierswalde, Mispelsee und Warglitten. Im Kreis Sensburg hatte ihm der Große Kurfürst in Würdigung seiner Verdienste für den Staat das Gut in Eichmedien samt dazugehörigem Schloss geschenkt.

Einer Schadensaufstellung von 1812 war zu entnehmen, dass Hohenstein etwas weniger unter derfranzösischen Besatzungszeit gelitten hatte als vergleichbare andere Städte und Gemeinden.

Um 1830 bildete sich in Hohenstein eine jüdische Gemeinde, die um 1880 mit ca. 100 Mitgliedern ihr Maximum erreichte. Zu Beginn der Naziherrschaft lebten noch etwa 35 Juden in der Stadt. In der Anfangszeit entstanden ein jüdischer Friedhof und eine Synagoge, die aber 1935 aufgegeben wurde.[1]

1887 wurde Hohenstein an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt einen Bahnhof. Einen Wasserturm erhielt die Stadt 1896, errichtet von dem Brunnenbauer Heinrich Kendelbacher. Auch noch zur Kaiserzeit erhielt Hohenstein 1906/07 eine öffentliche Wassereinspeisung und eine Gasanstalt. Es gab einen Schlachthof und ein Krankenhaus. Die Hauptstraßen verfügten jetzt über gepflasterte Bürgersteige.

Im ersten Weltkrieg kämpften russische und deutsche Soldaten hier vom 27. bis 29. August 1914 Mann gegen Mann um Straßenzüge, Häuser und Keller und sorgten dadurch für erhebliche Schäden (189 Gebäude und das Rathaus zerstört). Der Wiederaufbau unter der Patenschaft von Leipzig erfolgte zügig nach Konzepten moderner Stadtarchitektur und fand 1923 mit der Einweihung des neu erstandenen Rathauses seinen Abschluss..

Durch den Bau des Tannenbergdenkmals war Hohenstein urplötzlich zu einem Fremdenverkehrsort geworden. Es entstanden Parkplätze für die Besucher, der Tannenbergkrug für die leibliche Versorgung und der Bahnhof wurde modern und repräsentativ umgestaltet. Letzterer galt nunmehr als schönster Kleinstadtbahnhof des Ostens. Zufahrten wurden verändert und Straßen verlegt. Auch das Stadtbild wurde verschönert, Hotels und Gaststätten den neuen Anforderungen angepasst. Nach 1928 erhielt Hohenstein eine neue Volksschule. Das Gebäude des Amtsgerichts wurde und dieser Zeit erweitert und der Stadtwald durch Ankauf und Aufforstung um 750 ha erweitert.

Um 1930 gab es in Hohenstein 40 - 50 jüdische Mitbewohner - Ladenbesitzer, Vieh- und Pferdehändler, ein Rechtsanwalt, ein Amtsgerichtsrat. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus wurden sie belästigt, verhöhnt, boykottiert. Wer nicht auswanderte, wurde ab 1941 abtransportiert und ermordet. Die kleine Synagoge wurde 1935 von der Stadt angekauft und der Jugendorganisation zur Verfügung gestellt. Der jüdische Friedhof lag an der Chaussee nach Mispelsee.

Während des 2. Weltkriegs befand sich ein berüchtigtes Gefangenenlager in der Nähe von Hohenstein.

Trotz etlicher Zerstörungen im Krieg haben eine Anzahl wesentlicher Gebäude und Einrichtungen in Hohenstein die Zeiten bis heute überlebt. Im Jahr 2009 feiern Deutsche und Polen das 650. Stadtjubiläum. Weithin sichtbar hat auch der alte Wasserturm überlebt. Er wird nach Plänen der Stadt gründlich restauriert, erhält im Sockelgeschoss einen Clubraum, der der gesellslchaftlichen Integration dienen soll, sowie einen Aussichtspunkt im Bereich der Kuppel. Die Fertigstellung ist für Ende 2018 vorgesehen. Solche Wassertürme entstanden seit der deutschen Kaiserzeit bis 1934. Weltweit soll es 300 solcher Türme gegeben haben, davon in Ermland und Masuren allein 81.[3]

An der Strasse nach Allenstein, 200 Meter vom Stadtwald entfernt. lag das Gut Pagelshof, das zur Stadt Hohenstein gehörte. Es wurde 1835 gegründet, war 1932 insgesamt 228 ha groß, davon 170 ha Ackerland, 24 ha Wiesen und 31 ha Wald. Der Viehbestand umfasste 17 Pferde, 65 Rinder, davon 30 Kühe, und 120 Schweine. Es gab eine Brennerei und eine Honig-Großhandlung. Ein späterer Besitzer aus dem Ermland, der in den Vereinigten Staaten viel Geld verdient hatte, gab dem Gut den Namen Amerika. Als Willy Pagel 1917 das Gut erwarb, änderte er den Namen in „Pagelshof“, nachdem Amerika Deutschland den Krieg erklärt hatte. Willy Pagel war ein Sproß der Familie Pagel auf Gut Tannenberg. Nach dem 2. Weltkrieg hieß das Gut zunächst „Paglewo“, wurde in anbetracht seiner Geschichte jedoch irgendwann in „Ameryka“ umbenannt. Es gehörte zu einer Kolchose, die in den 1980er Jahren ein Gebiet von 1940 ha umfasste, aber 1993 liquidiert wurde. Von Amerika war es nur etwa 1 km bis zur Lungenheilstätte von Dr. Walter Lièvin, wo der Schauspieler Albert Lieven geboren wurde.[2]



[1]Klaus-Dieter Alicke, Osterode und seine jüdischen Mitbürger, Osteroder Zeitung, Dezember 2015, S. 27
[2] Walter Westphal und Willy Pagel, Osteroder Zeitung, Dez. 2008, S. 35; Lothar Blumstein, Erinnerungen an meinen Geburtsort Amerika (Pagelshof), Osteroder Zeitung, Mai 2017, S. 72 ff
[3] Alfred Czesla, Dem Turm den Glanz zurückgeben, Osteroder Zeitung, Oktober 2017, S. 109/110

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