Geschichte der Stadt Ostróda - Osterode

Ursprünglich gab es auf einer Insel im Mündungsdelta des Drewenz-Flusses in den Drewenz-See einepruzzische Siedlung. Der deutsche Orden errichtete hier etwa um 1270 unter Ausnutzung der vorhandenen Befestigungen aus Holz und Erde zum Schutze der ersten deutschen Siedler zunächst eine Holz-Erde-Burg, die zwischen 1349 und 1370 durch eine Anlage aus Stein ersetzt wurde.

Für 1332 lässt sich in Osterode als Beamter des Ordens ein Albrecht Prusse nachweisen DieStadtgründung erfolgte 1329 unter dem Christburger Komtur Luther, Sohn von Herzog Albrecht von Braunschweig, der auf einer welfischen Burg nahe Osterode im Süd-Harz seine Kindheit verbracht hatte. So wurde er sicher Pate für die Beziehungen zwischen den beiden Städten namens Osterode.

Die Unterlagen über die Gründung sind verloren gegangen, die älteste ihrem vollen Wortlaut nach erhaltene Osteroder Handfeste stammt von 1335, erteilt von dem Christburger Komtur Hartung von Sonnenborn, und dieses Jahr wurde für die Stadt-Jubiläumsfeiern zugrunde gelegt. Somit beging die Stadt 1935 ihr 600-Jahr-Fest. Die ersten Bewohner, Bergleute aus dem kleinen Harzstädtchen Osterode, brachten den Namen ihrer Stadt in die neue Heimat mit. Die Siedlung neben der Burg entwickelte sich bald zu einem regionalen Verwaltungszentrum des Ordens.

Weil die Christburger Beamten mit der Besiedlung ihres großen Gebietes sehr stark belastet waren, trennte man unter dem Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335 - 1341) eine Region ab und machte sie zur neuen Komturei Osterode. Zu dieser gehörten die Kammerämter Osterode, Gilgenburg, Soldau, Dt. Eylau, später Hohenstein, Neidenburg und Willenberg. Erster Komtur mit Sitz in der Ordensburg Osterode - noch aus Holz - war Heinrich Meytz um 1340/41.

Als Grenzregion war Osterode oft in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Litauern verwickelt. Diese eroberten und brandschatzten die Stadt 1376 und 1381. Nach der Schlacht von Tannenberg 1410 eroberte der Ritter Klaus von Döhringen die Burg und lieferte sie an König Wladislaw von Polen und Litauen aus. Hierher brachte man zunächst die Leiche des im Kampf gefallenen Hochmeisters Ulrich von Jungingen, bevor man sie dem polnischen Heer hinterherschickte, das inzwischen die Marienburg belagerte. Einige Monate später konnte der Orden Stadt und Burg Osterode zurückerobern.

Im Städtekrieg (1454 - 1466) wurde die Stadt abwechselnd von den gegnerischen Parteien erobert und war dann auch noch Zankapfel zwischen den Söldnerführern Kinsberg und von Schlieben. Bei der Belagerung im Reiterkrieg (1519 - 1525) gelang es den Polen jedoch nicht, den Ort einzunehmen.

Mit der Umwandlung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum wurde Osterode Sitz des Amtshauptmanns des Oberlandes. Der Begriff des Oberlandes bürgerte sich aber erst im Verlauf des 18. Jhs. ein und ersetzte mehr und mehr die bis dahin verbreitete Bezeichnung „Hockerland“[1]. Masuren und das Oberland haben zwar dieselben Oberflächenformen, aber das Oberland hat weniger Seen, dafür mehr Laubbäume und ist als Kolonisationsgebiet zweihundert Jahre älter als Masuren.[2] Das Oberland (Prusy Gòrne) wurde mitunter auch als "Ostpreußens gute Stube" bezeichnet. Es ist sanft strukturiert bis wellig und umfasst eine Fläche von etwa 2.675 qkm. Es gilt als fruchtbares Ackerland mit besonderer Eignung für den Getreideanbau.[3]

Verheerende Brände suchten die Stadt in den Jahren 1400 und 1788 heim. Beides Mal zerstörte das Feuer die Kirche und das Pfarrhaus.

Über eine Apotheke verfügte Osterode bereits 1627. Das Apothekenprivileg wurde jedoch erst 1700 an den Apotheker Martin Bannig verliehen.

König Gustav Adolf von Schweden besetzte 1628 die Stadt, ohne dass es nennenswerten Widerstand gegeben hätte.

Noch in der ersten Hälfte des 17. Jhs. erhielt der Herzog Johann Christian von Liegnitz-Brieg die Stadt Osterode zum Pfand. Als in Schlesien die Pest ausbrach, flüchtete das Herzogspaar nach Osterode. Doch nun starb die Herzogin hier und wurde 1639 in der ordenszeitlichen damaligen Stadtkirche begraben, wovon eine Grabplatte Kunde gab.

Während der Eroberung Preußens durch napoleonische Truppen hielten sich Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise vom 16. bis 23. November 1806 auf ihrer Flucht in Osterode auf. Während dieser Zeit lehnten sie ein Waffenstillstandsangebot der Franzosen ab und beriefen den Freiherrn von und zum Stein als Ministerpräsident.

Einige Zeit später, vom 21. Februar – 1. April 1807, wohnte Napoleon in der Osteroder Burg (im 1. Stock des Nordflügels, 4. und 5. Fenster vom See aus gesehen), und sammelte seine nach der unentschiedenen Schlacht bei Pr. Eylau zurückflutenden Truppen, um einen erneuten Vormarsch vorzubereiten. Hier verbrachte Napoleon eine der fruchtbarsten Perioden seines Lebens: „Cette époque de repos au milieu de la vieille Prusse et de la Pologne est une des plus remarquables de ma vie; elle n’en fut ni la moins critique ni la moins glorieuse“(zitiert nach Osteroder Zeitung, Mai 2007, S. 63). Er reorganisierte nicht nur seine stark geschwächte Armee, sondern regierte von hier aus sein inzwischen großes Reich und verfolgte Pläne einer weltumspannenden Politik.

In dieser Zeit entstand ein großes Bild mit dem Titel “Napoleon à Osterode accorde des graces aux habitants” von dem Maler Marie Nicolas Ponce-Camus, das im Schloss von Versailles hängt und insbesondere die Landschaft am Drewenzsee sehr hübsch darstellt. Auch ein anderer Maler, Hyppolite Lecomte, erinnerte mit seinem Bild “Biwak bei Osterode” an den Aufenthalt hier. Der Kaiser ließ noch eine Gedenkmünze “Napoleon à Osterode” prägen, doch nach gut 5 Wochen beendete er seine Anwesenheit “in diesem elenden Loch”, verlegte seinen Aufenthalt nach Schloss Finckenstein und überließ die Burg Osterode seinem Marschall Davout.

Bei der Verwaltungsreform nach den Befreiungskriegen wurde Osterode 1818 Kreisstadt und damit Zentrum des gleichnamigen Kreises.

Durch den Bau des Oberländischen Kanals (1844 - 1858) und den Anschluß an das Eisenbahnnetzerlebte Osterode für wenige Jahrzehnte einen erheblichen Aufschwung, wurde dann aber doch von dem aufstrebenden Allenstein - Olsztyn überflügelt.

Dabei wurde Osterode gut in das neu entstehende Eisenbahnnetz eingefügt. Von 1869 bis 1872 entstand die Linie Thorn – Osterode – Insterburg, 1893 konnte die Linie Elbing – Osterode – Hohenstein mit Anschlussmöglichkeit nach Neidenburg in Betrieb genommen werden, 1909 folgte die Verbindung nach Liebemühl und Mohrungen und 1910 die Linie Bergfriede – Berling. Den Reparaturbedarf übernahm zunächst eine Nebenwerkstatt der Bahn, aus der 1895/96 eine Hauptwerkstatt und 1902 das Reichsbahnausbesserungswerk Osterode wurde. Dieses war über die Jahrzehnte der größte Arbeitgeber der Gemeinde, auch noch zur polnischen Zeit. Viele der deutschen Firmenangehörigen fanden nach dem 2. Weltkrieg im RAW Wittenberge eine Fortsetzung ihrer Beschäftigung.

Das Hauptsteueramt verlegte man 1869 von Guttstadt nach Osterode. Am 1. 10. 1879 wurde das Amtsgericht mit 5 Amtsrichtern eingerichtet und 1890 legte man ein ganzes Regiment Infanterie in die Stadt. Osterode blieb auch Garnisonsstadt, nachdem aufgrund des Versailler Vertrags nach dem 1. Weltkrieg die Stärke der Reichswehr auf 100.000 Mann begrenzt worden war. Die wachsende Bevölkerungszahl – von 1.500 Einwohnern im Jahr 1800 stieg die Zahl bis 1900 auf 13.163 - machte die Genehmigung für eine zweite Apotheke 1899, die Kronenapotheke in der Wasserstrasse, erforderlich. Außerdem wurden die Bildungsanstrengungen verstärkt. 1876 richtete man das Lehrerseminar ein, das aber 1926 wieder aufgelöst wurde, 1877 wurde die höhere Bürgerschule gegründet, die sich über ein Realprogymnasium und ein Realgymnasium in ein humanistisches Gymnasium wandelte.

Im 1. Weltkrieg verlegten Hindenburg und Ludendorff das Armeeoberkommando in das Lyzeum von Osterode und dirigierten von hier aus die Schlacht um Masuren. In dieser Zeit wohnte Hindenburg in "Kühls Hotel", dessen Gebäude noch steht.

In Osterode gab es eine größere Anzahl jüdischer Bürger, vornehmlich Ladenbesitzer, aber auch Viehhändler, Fabrikanten, Ziegeleibesitzer, teilweise Stadtverordnete und Magistratsmitglieder. Im Jahr 1895 betrug ihre Anzahl 214, im Jahr 1933 waren es noch 123 und 1937 noch 75. Sie wurden, wie überall im Reich, während des Nationalsozialismus gedemütigt, boykottiert und ausgeraubt. So erhielt z. B. Dr. Julius Samulon aus einer der ältesten jüdischen Familien in Osterode für sein großes Haus am Alten Markt, das mit 132.000 RM veranlagt war, vom deutschen Käufer, einem Arzt, 1938 gerade einmal 5.000 RM. Die schöne Synagoge von 1893 wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört, der jüdische Friedhof eingeebnet. 1939 wurde die Stadt als "judenfrei" erklärt.

In seinem Buch „Ein jüdisches Leben“ (ISBN (ISBN-10): 3833422246) beschrieb Gerd Jacoby (1910 – 1. 11. 2003) die Geschichte seiner Familie, die 1740 mit dem Zuzug von sieben Brüdern Jacoby nach Ostpreußen begann und eng mit Osterode verbunden war. Sein Vater hatte das Schuhkaufhaus Max Jacoby gegründet. Seine Familie emigrierte nach Südamerika und kehrte später nach Deutschland zurück.[4]

In reizvoller Landschaft, inmitten zahlreicher Seen (Drewenzsee, Pausensee, Schmordingsee) und ausgedehnter Wälder gelegen, war Osterode eine der schönsten Städte Ostpreußens und wurde zu Recht als "Perle des Oberlands" bezeichnet. Trotz der Verluste durch den 2. Weltkrieg hat sich Osterode aber wieder zu einem angenehmen Städtchen entwickelt.

In Osterode wurde Konrad Biesalski (1868 - 1930) geboren. Er war Professor der Medizin, hatte sich hier auf die Versorgung von Krüppeln spezialisiert und war der Gründer des Oskar-Helene-Heims in Berlin-Zehlendorf.

Der EU-Kommissar Günther Verheugen, der früher zuständig war für die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft, wurde anlässlich eines Besuchs der Universität in Allenstein 2009 geehrt für sein ehrliches und aufrichtiges Engagement in polnischen Angelegenheiten bei den Beitrittsverhandlungen. Als Dank ernannte man ihn zum Ehrenbürger von Osterode.


[1] Saalfeld/Zalewo, S. 1
[2] Aus Osteroder Zeitung, Dez. 2009, S. 37/38
[3] Prof. Dr. Herbert Liedtke, Die Landschaften Ostpreußens - Oberland, Osteroder Zeitung, Mai 2012, S. 35 f
[4] Gerd Jacoby, Ein jüdisches Leben, in Osteroder Zeitung, November 2016, S, 62 ff

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