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Park Luisenwahl und andere Parks

Der Stadtpräsident von Königsberg und anonyme Schriftsteller Theodor Gottlieb von Hippel d. Ä. erwarb 1786 das Gut Pojenters mit Landhaus und schönem Park, das sich damals noch außerhalb der Stadt befand. Aus einem von ihm mit Bohlen fahrbar gemachten Weg von der Alten Pillauer Landstraße durch den Park entwickelte sich später die Hufenallee.

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Der Stadtpräsident von Königsberg und anonyme Schriftsteller Theodor Gottlieb von Hippel d. Ä. erwarb 1786 das Gut Pojenters mit Landhaus und schönem Park, das sich damals noch außerhalb der Stadt befand. Aus einem von ihm mit Bohlen fahrbar gemachten Weg von der Alten Pillauer Landstraße durch den Park entwickelte sich später die Hufenallee.

Nach dem Tod v. Hippels erwarb 1796 der Kirchen- und Schulrat Gotthilf Christoph Busolt das Gut und nannte es zu Ehren seiner Gattin „Luisenwahl“. Das Landhaus stellte Busolt während der Napoleonzeit dem preußischen König als Sommersitz zur Verfügung. In diesem Haus „auf den Huben“ berietFriedrich Wilhelm III. mit dem Freiherrn von und zum Stein und den Generälen v. Gneisenau und v. Scharnhorst die Reform Preußens und Königin Luise erhielt dort Geschichtsunterricht. Nach ihr erhielt das Gebäude am Nordende des Parks den Namen Luisenhaus. Als man 1829 die Hufenallee befestigte, wurde dabei das Haus vom Park getrennt. Das Luisenhaus hat den 2.Weltkrieg nicht überlebt.[1] Statt dessen steht dort ein Neubau in historischen Proportionen. Es wird von den Mormonen Königsbergs (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) genutzt.

Kaiser Wilhelm I., der sich in seiner Jugend viel mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder, dem Kronprinzen, hier aufgehalten hatte, kaufte das Anwesen 1872. Auf Luises Lieblingsplatz im Park, dem höchsten Punkt mit Aussicht auf das Pregeltal, errichtete die Stadt Königsberg 1874 dasLuisendenkmal, eine im Bogen aufgeführte Bank mit seitlichen Podesten, auf denen Steinvasen standen. Kaiser Wilhelm I. stellte für das Denkmal eine Büste der Königin Luise, seiner Mutter, zur Verfügung, die Steinmetzmeister Bellert nach einem Modell von Christian Daniel Rauch angefertigt hatte, und pflanzte die Linde vor der Rotunde. Kaiser Wilhelm II. stellte 1914 das Gelände der Stadt Königsberg zur Verfügung. Heute ist Luisenwahl Teil des „Kulturparks Kalinin“. Das Luisendenkmal gibt es noch, wenn auch ohne die Büste, denn die ist seit dem Kriegsende verschollen, und ohne die Ziervasen, umgeben von den damals gepflanzten Rotbuchen. Einige ehemalige Königsberger aus Bonn in Verbindung mit der deutschen Schulgemeinschaft des Königsberger Luisen-Gymnasiums haben Geld für eine Replik der Luise-Büste bereitgestellt. Die Fertigstellung ist 2012 zur 200-Jahr-Feier des Krieges von 1812, in dem Preußen und Russland Verbündete waren, geplant. Den Auftrag zur Restaurierung erhielt der St. Petersburger Meisterbetrieb "Nasledie" (Erbe). Die Kostenschätzung für die Wiederherstellung des Luisendenkmals beläuft sich auf 87.500 €.

Im Nordteil des Parks fand zum Krönungs-Jubiläum die 1901 die Luisenkirche ihren Platz. Unweit der Luisenkirche befindet sich unter einem Blechdach der Kern des von allem äußerlichen Schmuck befreiten Kaiserflügels (ohne Teile des Balkonumgangs und ohne Drachenköpfe am Dach) vomJagdhaus Rominten, einem kaiserlichen Blockhaus, in dem die Parkverwaltung Büros hat. Der sowjetische General Serebrjakow hatte es hier in den Hufenfreigraben versetzen lassen. Ein naturgetreues Modell des Jagdhauses befindet sich heute in der Sammlung des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen.

Südlich des Parks erstreckte sich der III. Altstädtische Friedhof bis an die Alte Pillauer Landstraße. Diesen Platz hat jetzt der Vergnügungspark Kalinin eingenommen.

Das Land Brandenburg ist mit dem russischen Oblast Kaliningrad durch einen Partnerschaftsvertrag verbunden. Als Beitrag zum 750jährigen Stadtjubiläum wird das Land Brandenburg u. a. den Park Luisenwahl instand setzen. Die Entwurfsplanung kommt von der auf Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau spezialisierten Alpina AG Stahnsdorf südlich von Berlin. Sie wird im Laufe des Jahres 2005 gemeinsam mit dem kommunalen Kaliningrader Unternehmen "Oselenitjel" umgesetzt. Neben dem Land Brandenburg haben die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Stiftung des Versandhändlers Werner Otto Beiträge zu den erwarteten Projektkosten von 230.000 € geleistet.

Die einstige Stadtgärtnerei in Maraunenhof hat sich heute in den Neuen Botanischen Garten der Stadt verwandelt. Ein Botanischer Garten in Königsberg bildete sich bereits am Anfang des 19. Jhs., nachdem der Kantfreund sowie Kriegs- und Domänenrat Johann George Scheffner 1796 ein Grundstück erworben hatte, auf dem er exotische Bäume und seltene Pflanzen ansiedelte. Das Gelände vermachte er 1806 oder 1809 gegen eine Leibrente an König Friedrich Wilhelm III., und der schenkte den Garten der Universität. Der Botaniker August Ferdinand Schweigger richtete ihn für die Nutzung durch die Universität ein und die eröffnete hier 1812 mit einer Professur für Botanik ein Botanisches Institut, dessen Leitung Schweigger übernahm. Der sehr schön entwickelte und höchst artenreiche Garten wurde 1944 durch Bomben sehr beschädigt. Danach machte man ihn ab 1951 zu einem Forschungszentrum für junge Botaniker und seit 1991 ist er ein ökologisches Zentrum. Als neuen Botanischen Garten wählte man die ehemalige Stadtgärtnerei Maraunenhof.

Der Kaufmann Max Aschmann (1839 – 1903), Inhaber des Weinhauses Steffens und Wolter, hatte der Stadt Königsberg 1903 eine Spende von 100.000 Reichsmark für die Errichtung eines Kinderkrankenhauses vermacht. Die Stadt zog es jedoch vor, dafür einen Stadtpark für die Erholung der Königsberger anzulegen und erwarb dafür das Restgut Maraunenhof. Aschmann machte dafür zur Auflage, der Park müsse seinen Namen tragen und dürfe niemals verkauft werden. Die Stadtväter ließen einen kleinen Eichenwald kultivieren, legten Liegewiesen, gepflasterte Wege und Reitwege, Spielplätze und Ruhebänke an.[2] Schon zehn Jahre später war daraus eine Perle der städtischen Parklandschaften geworden, die viel zum Ruf Königsbergs beitrug, eine der grünsten Städte Europas zu sein. Er war bis 1940 auf eine Fläche von 80 ha angewachsen und galt als einer der schönsten Parks in Königsberg. Begeistert von der schönen Anlage ließ Aschmanns Freund und Mitgesellschafter Walter Schalt im Park das „Waldschloss“ bauen. Dort wurde ein Museum für Baumkunde und später noch eine Pension eingerichtet. Das Waldschloss gibt es nicht mehr und der Teich soll von russischen Kriegsgefangenen ausgehoben worden sein. Der Max-Aschmann-Park wurde 1967 der Universität unterstellte. Heute ist es der Kulturpark des Leningrader Rayons. Im Garten befinden sich noch einige restaurierte Gebäude aus deutscher Zeit, aber auch noch technische Überbleibsel aus deutscher Zeit wie alte Kabel für die Stromversorgung und eine überalterte Heizungsanlage.[3] Außerdem fand man im Park einen Gedenkstein aus rotem Granit mit deutscher Inschrift. Er entpuppte sich als Kriegerdenkmal für den Weltkrieg 1914 - 1918 mit der Inschrift: "Das Altstädtische Gymnasium seinen 100 Gefallenen. Ihr waret getreu bis in den Tod". Die "Königsberger Allgemeine" versuchte, Interesse für diesen Fund zu wecken, doch vergeblich. Nun hat sich die lutherische Gemeinde seiner erbarmt und sich bereit erklärt, ihn auf ihrem Kirchengelände aufzustellen. Es gibt noch weitere Steine im Park, so z. B. einen Stein mit der Inschrift "Wilhelm Bartel Plätzchen"[4]Früher schon stieß man hier auf die Figur des sterbenden Kriegers, vermutlich von Walter Rosenberg. Rekonstruktion des Aschmannparks siehe hier (Kaliningrad-Domizil):

Die Stadtgärtnerei wurde 1905 als Baumschule auf einer Fläche von 72.500 m² eingerichtet und versorgte die Stadt mit Bäumen, vor allem Eichen, Weiß und Rotdornen. Es gab mehrere Schulgärten und eine Abteilung von Arznei- und Giftpflanzen. Das anfallende Obst und Gemüse ging kostenlos an die Städtischen Kranken- und Waisenhäuser, das Rote Kreuz und sonstige Bedürftige. Heute ist die Stadtgärtnerei einem botanischen Fach der Universität zugeordnet. Einige der Gewächshäuser haben sich erhalten, ebenso der Gedenkstein für den Gründer Dr. Paul Kaeber.[6]

In saftiges Grün eingebettet liegt vor dem Sackheimer Tor der Kupferteich mit der einst beliebten Bade- und Schwimmanstalt. Hier befand sich das Zentrum vieler Ostpreußen-Meisterschaften und 1924 der Deutschen Schwimmmeisterschaft. Der Sprungturm ermöglichte 10-Meter-Sprünge, die Tribüne fasste 1.000 Zuschauer.[5] Bis auf ein Überbleibsel des Turms gibt es heute keine Badeanstalt mehr.


[1] Dr. Heinrich Lange, Weit mehr als ein Hort der Ruhe, Oprbl. Nr. 49/96, S. 12
[2] Irene Sawalsky/Charlotte Gottschalk, Max-Aschmann-Park, Köngsberger Bürgerbrief, Winter 2015, S. 76
[3] Lorenz Grimoni, Parks und Grünanlagen in Königsberg, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2010, S. 39
[4] Manuela Rosenthal-Kappi, Ungewöhnlicher Fund in Königsberg, Oprbl. Nr. 15/2011 (16.April), S. 13
[5] Lorenz Grimoni, Der Kupferteich, Königsberger Bürgerbrief, Sommer 2016, S. 21 f
[6] Jörn Pekrul, Die „Königsberger“ Parks 2018, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2018, S. 21



Luisenbank 2010
Max-Aschmann-Park (Königsberger Bürgerbrief 2015)
Kupferteich 1991 (Arno Zilian)
 
 
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