Deutsch Polnisch Russisch 
 
Link ber Facebook senden
Seite twittern
 

Geschichte von Bagrationowsk - Preußisch Eylau

Der deutsche Name des Ortes leitete sich ab von der prußischen Bezeichnung „Yle“ oder „Ylow“ und bedeutete „im Schlamm“, was der Umgebung der Burg sehr nahe kam. Der Zusatz Preußisch weist auf einen ursprünglich hohen Anteil der Prußen an der hiesigen Bevölkerung hin. Das erste Ordenshaus Ilaw, eine Holz-Erde-Konstruktion, errichtete Arnolph von Eylenstein, Komtur der Komturei Balga um 1326 als Sitz eines Pflegers.

Im Schutz der Burg entwickelte sich ab 1325 nach und nach ein Straßendorf. Dieses war keine planmäßige Gründung des Deutschen Ordens, sondern ging aus spontanen Ansiedlungen von Krügern, Handwerkern, Arbeitern etc. hervor und entwickelte sich langsam zur Stadt.

1336 soll schon das Stadtrecht erteilt worden sein, was allerdings nicht belegt ist, vielmehr als unwahrscheinlich gilt. 1348 gab es die Verschreibung von 12 Krügen für die hiesige Lischke durch den Komtur von Balga, Ortulf von Trier. Diese Lischke brannte im Jahr 1400 in Folge eines Blitzeinschlags ab, wurde aber wieder aufgebaut.

Im Städtekrieg (1454 - 1466) befand sich Pr. Eylau zunächst auf Seiten des Preußischen Bundes, wechselte aber 1455 auf die Seite des Ordens. Daraufhin wurden die Siedlung und die Vorburg von Truppen des Preußischen Bundes niedergebrannt. Die Belagerer konnten anschließend vom Orden vernichtend geschlagen werden.

1492 - 1513 war ein Heinrich Reuß von Plauen (einer von mehreren Vertretern gleichen Namens aus dieser Familie) Pfandgläubiger von Pr. Eylau. Burg und Amt Pr. Eylau gingen 1521 in den Pfandbesitz von Fabian von Lehndorff und später seines Sohnes Kaspar (Amtshauptmann des Hauptamtes Pr. Eylau 1551 – 1575) über.

1514 erhielt der Ort Marktrecht für einen Jahrmarkt. Im Reiterkrieg stürmten in Jahr 1520 etwa 4.000 Polen vergeblich die Burg und plünderten und brandschatzten daraufhin die Stadt. Nach dem Wiederaufbau erteilte der Vormund-Administrator Herzog Georg Friedrich 1585 die Stadtrechte. Die mit damals rd. 1.000 Einwohnern kleine Stadt war Sitz des Hauptamtes Pr. Eylau und eines Wildnisbereiters, was dem späteren Oberförster entsprach.

Die Große Pest verlief in Pr. Eylau offenbar weniger fürchterlich als in anderen Gemeinden: "nur" 244 Einwohner fielen ihr zum Opfer. Auch die Umgebung der Stadt war weniger stark verseucht.[1]

Im 18. Jh. war Pr. Eylau lange Zeit Sitz einer Garnison, außerdem 1752 – 1818 eines Domänenamtes und eines Stadtgerichts. Eine Feuersbrunst vernichtete am 10. 7. 1802 eine Vielzahl von Gebäuden - 58 Wohnhäuser, die Schule, 9 Scheunen, etliche Ställe. Verheerend war auch ein großer Orkan am 17. 1. 1818, der weite Teile Natangens beschädigte.

1807 fand bei Pr. Eylau eine Schlacht zwischen den miteinander verbündeten Russen und Preußen gegen Napoleon statt. Die Reste der preußischen Armee in Ostpreußen in einer Stärke von 25.000 Mann, die unter dem Befehl von General L‚Estocq mit seinem Stabschef Scharnhorst standen, schlossen sich der russischen Armee an und am 7./8. 2. 1807 kam es zu der blutigen, aber unentschiedenen Schlacht von Preußisch Eylau, die erstmals den russischen und preußischen Armeen wieder Ansehen einbrachte und offenbarte, dass auch Napoleon nicht unbesiegbar war. Der anschließende, für Preußen schmähliche Frieden von Tilsit wurde dadurch aber nicht vermieden.

Nach den Befreiungskriegen erfolgte 1814 der Verkauf des Amtsguts an die Familie Valentini, die bis 1945 hier ihren Sitz behielt. 1819 erhob man Pr. Eylau zur Kreisstadt eines gleichnamigen Kreises. 1834 erhielt Pr. Eylau ein Lehrerseminar, das sich aus denen von Klein Dexen und von Mühlhausen zusammensetzte. Die erste Lehrerbildungsanstalt in Ostpreußen überhaupt war die von dem Gutsbesitzer Balthasar Philipp Genge (1706 – 1790) in Klein Dexen gegründete „“Geng’sche Land Schulmeister Seminarii zu Kl. Dexen“. Das Eylauer Lehrerseminar wurde zusammen mit anderen derartigen Einrichtungen 1922 geschlossen und das Gebäude einer Oberschule zur Verfügung gestellt.

Die einst prosperierende Tuchindustrie in Pr. Eylau ging im Laufe des 19. Jhs. ein. Dafür entstanden andere Industriebetriebe wie eine Eisengießerei, Maschinenfabriken, eine Ziegelei und eine Molkerei sowie Mühlen. In den Gebäuden der eingegangenen Eisengießerei richtete sich die Fassfabrik Taulien ein, die sich zur größten Böttcherei des deutschen Ostens entwickelte. Sie stellte aus Stablacker Buchenholz täglich 800 Butterfässer her, daneben Seifenkübel, Bierfässer, Wassertonnen und Eimer aus Kiefernholz.

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte 1866 als Station der ostpreußischen Südbahn zwischen Königsberg und Bartenstein. Im 1. Weltkrieg war Pr. Eylau 8 Tage lang von russischen Truppen besetzt, nahm dabei durch die Vermittlung von Superintendent Ebel und anderen aber keinen größeren Schaden.

1934 wurden in Richtung des Warschkeiter Sees 2 Kasernen für die Garnison gebaut, in die ein Bataillon Infanterie und eine Abteilung Artillerie einzogen. Der neue Truppenübungsplatz Stablack brachte eine zusätzliche wirtschaftliche Belebung. Die große Stadtrandsiedlung im Nordosten linderte dabei die im Zuge des Wachstums eintretende Wohnungsnot erheblich und 1939 besaß Pr. Eylau 7.485 Einwohner.

Nach der Eroberung der Stadt durch die Rote Armee am 9. Februar 1945, bei der Preußisch Eylau erheblichen Schaden nahm, richteten die Sowjets in der Infanterie-Kaserne das berüchtigte Lager 7533 für Zivil- und Kriegsgefangene ein, in dem viele Insassen den Tod fanden. Die Leichen wurden in der Nähe des Lagers in Massengräbern beigesetzt. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge versucht, die Standorte dieser Gräber zu lokalisieren. Evtl. Hinweise darauf bitte an den Kreisvertreter Martin Lehmann weitergeben (Fax 02223 90 52 52).

Der im Juni 2009 eingeweihte Gedenkstein auf dem Platz des früheren Gefallenen-Ehrenmals 1914/18 an der Abbiegung der Kirchenauffahrt von der Kirchenstrasse, vor den drei 80 Jahre alten Eichen stehend, erinnert an die im 2. Weltkrieg umgekommenen Einwohner von Preußisch Eylau.

Später erhielt die Stadt den Namen des berühmten russischen Heerführers Fürst Peter Iwanowitsch Bagration (1765 – 1812), den die Sowjetunion wieder aus der Versenkung geholt hatte, als sie den Patriotismus der Massen für ihre Kriegspropaganda benötigte. Fürst Bagration kommandierte 1812 die 2. russische Armee in der Schlacht bei Borodino, in der Napoleon die Russen unter General Kutosow schlug, ehe er in Moskau einmarschierte, und ist in dieser Schlacht gefallen.

In Bagrationowsk befindet sich heute einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen der Oblast Kaliningrad und Polen. Wenn man aus der Richtung Bezledy –Beisleiden kommend die Grenze passiert hat, trifft man am Ortseingang an der Einmündung der ehem. Kirchstraße in die Umgehungsstraße auf ein 2002 neu gestaltetes Ortseingangsschild, das neben dem kyrillischen Namensblock auch die deutsche Bezeichnung Preußisch Eylau aufweist und das historische deutsche Wappen der Stadt zeigt. Außerdem trifft man auf Büsten sozialistischer Prominenz.

In Berlin-Kreuzberg erinnert die – allerdings nicht sonderlich repräsentative - „Eylauer Strasse“ an die einstige ostpreußische Stadt.


[1] Horst Schulz, Der Natanger Kreis Preußisch Eylau, 1972, S. 127

Infanteriekaserne - Lager 7533
Infanterie-Kaserne Pr. Eylau
Langer See mit neuer Brücke
 
 
©2005 - 2011 www.ostpreussen.net, powered by dev4u®-CMS
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren