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Geschichte von Mühlhausen

Die Gründung des Ortes Gvardejskoe – Mühlhausen erfolgte vermutlich am Anfang, wenigstens aber in der 1. Hälfte des 14. Jhs. 1372 werden Dorf und Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Damit ist er eine der ältesten deutschen Siedlungen in Natangen. 1414 wurde sie zusammen mit Zinten, Landsberg und Kreuzburg schon als „kleine Stadt“ bezeichnet.

Mühlhausen zählte 1944 etwa 700 Einwohner, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. Neben der Kirche gab es eine Schule, die Mühle, eine Molkerei und zwei Gasthöfe. Der Bahnhof Schrombehnen lag 6 km entfernt. Schulunterricht gab es in Mühlhausen schon bald nach der Reformation. Durch das Dorf fließt das kleine Flüsschen Beisleide, das in den Frisching mündet.[1] Heute hat Mühlhausen wieder etwa soviel Einwohner wie vor dem Krieg. Einige Dorfbewohner sind in den letzten 30 Jahren zugewanderte Russlanddeutsche.

Der Hungerkrieg mit Polen 1414 verwüstete das Dorf. Auch im Städtekrieg 1454 - 1466 hatte Mühlhausen ziemlich zu leiden. Die kleine Stadt bzw. das Dorf befand sich seit 1468 als Pfand für Söldneraufwendungen im Besitz der Familie v. Kuenheim und der Orden übertrug 1474 dem aus Lothringen stammenden Ritter und Landrichter Daniel von Kuenheim (ca. 1430 - 1507) das Dorf für treu geleistete Dienste als Lehen, ebenso wie das Dorf Knauten. Die Kuenheims übten auch das Kirchenpatronat aus.

Das Gut ging 1647 an die Familie von Kalckstein über. Berühmter Vertreter dieser Familie war Christian Ludwig von Kalckstein (1627 - 1672), der wegen seiner heftigen Opposition gegen den Großen Kurfürsten aus Warschau verschleppt und in Memel enthauptet wurde. Nach 1800 ging der Besitz in weiblicher Erbfolge an die Familien von Danckelmann, von Rothkirch, Kleist von Nollendorf, von Wulffen und von Boddien. Letzte Patronin der Kirrche war Gottliebe von Boddien (1856 - 1942), geborene von Wulffen, genannt Küchmeister von Sternberg.[2]

Georg von Kuenheim d. Ä. (1480 - 1543), Amtshauptmann von Tapiau und Diplomat, war einflußreicher politischer Berater Herzog Albrechts und förderte nach Kräften den Übertritt des Landes zum Glauben Luthers, den er sehr verehrte. Herzog Albrecht sorgte für die Ausbildung des minderjährigen Sohnes Georg von Kuenheim d. J. (1532 - 1611) und schickte ihn 1550 samt einer Empfehlung an Philipp Melanchthon zum Jurastudium nach Wittenberg. Dort lernte Georg die jüngste Tochter des Reformators, Margarethe Luther (1534 - 1570), kennen, die nach dem Tod ihrer Mutter als Waise bei ihremVormund Melanchthon aufwuchs. Sie heirateten 1555, hatten 4 Söhne und 5 Töchter, von denen aber 6 im Kindesalter starben. Margarethe von Kuenheim ruht mit fünf ihrer Kinder in einer Gruft vor dem Altar der Kirche.[3]

An der Wiege Margarethas, die an einem 17. Dezember geboren wurde, soll Martin Luther das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ gedichtet haben.

An der Kirche von Mühlhausen war der bekannte Kartograph und Chronist Caspar Hennenberger (1529 – 29. 2. 1600) von 1560 bis 1589 Pfarrer, bevor er nach Königsberg wechselte. Er wurde in Erbach bei Hof in Franken geboren, dtudierte ab 1550 in Königsberg Theologie und war seit 1554 Kaplan in Domnau und Pfarrer zu Georgenau bei Friedland. Nach sieben Jahren Vermessungsarbeit erschien 1576 seine Landkarte des Herzogtums Preußen im Verhältnis 1 : 400.000, die "Landtaffel oder Mappen", die in viele Atlanten seiner Zeit in Europa Eingang fand. 1584 erschien seine " Kurze und wahrhafte Beschreibung des Lands zu Preußen nebst einer Beschreibung aller Hochmeister des Deutschen Ordens" und 1594 sein Hauptwerk, die "Erklärung der preußischen größeren Landtaffel oder Mappen". Darin führt er alle Orte, Flüsse, Seen in alphabetischer Reihenfolge auf, erläutert sie und weist dabei auf Merkwürdigkeiten und Begebenheien hin. Hennenberger war in seiner Mühlheimer Zeit auch Seelsorger von Margarethe von Kunheim.[4]


[1] Kirche Mühlhausen, Förderkreis Kirche Mühlhausen, 5. Auflage 2012, S. 3
[2] Kirche Mühlhausen, Förderkreis Kirche Mühlhausen, 5. Auflage 2012
[3] Kirche Mühlhausen, Förderkreis Kirche Mühlhausen, 5. Auflage 2012
[4] Horst Sxhulz, Der Natanger Kreis Preußisch Eylau, 1972, S. 33, 58

Margarethe von Kuenheim
 
 
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