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Kirchen und Friedhöfe in Tilsit

Von den einst zahlreichen Kirchen in Tilsit sind die meisten dem Krieg und dem nachfolgenden Atheismus zum Opfer gefallen.

Die Kreuzkirche wurde bis 1911 nach Plänen von Baurat Siebel aus Bethel bei Bielefeld neogotisch errichtet. Die Kriegszeit hatte sie unbeschadet überstanden. In den 1970er Jahren verwendete die Firma Raduga, deren Arbeit für den Militärsektor der Geheimhaltung unterlag, das Haus als Fabrikhalle und baute es dafür um. Das Dach wurde abgetragen, neue Fenster ins Mauerwerk gebrochen, diverse Anbauten hinzugefügt. Die Firma ist inzwischen bankrott. Das Pfarrgebäude der Kreuzkirche aus dem 19. Jh. die ehem. Franksche Villa in der Lindenstraße (Uliza Lomonossow) Ecke Clausiusstraße, ist heute ein Heim für elternlose Kinder.

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Von den einst zahlreichen Kirchen in Tilsit sind die meisten dem Krieg und dem nachfolgenden Atheismus zum Opfer gefallen.

Die Kreuzkirche wurde bis 1911 nach Plänen von Baurat Siebel aus Bethel bei Bielefeld neogotisch errichtet. Die Kriegszeit hatte sie unbeschadet überstanden. In den 1970er Jahren verwendete die Firma Raduga, deren Arbeit für den Militärsektor der Geheimhaltung unterlag, das Haus als Fabrikhalle und baute es dafür um. Das Dach wurde abgetragen, neue Fenster ins Mauerwerk gebrochen, diverse Anbauten hinzugefügt. Die Firma ist inzwischen bankrott. Das Pfarrgebäude der Kreuzkirche aus dem 19. Jh. die ehem. Franksche Villa in der Lindenstraße (Uliza Lomonossow) Ecke Clausiusstraße, ist heute ein Heim für elternlose Kinder. Die Villa ist restauriert. Beide Immobilien wurden 2010 der Orthodoxen Kirche übertragen. Das Kirchenschiff soll wieder religiös genutzt werden, aus dem Pfarrhaus will man eine Sonntagsschule der Kirche einrichten, für die es 2010 bereits 60 Anmeldungen gab.

Das Baptistengemeindehaus in der Rosenstraße, ein neogotischer Bau aus Backsteinen vom Anfang des 20. Jhs. mit Kapelle, war zuletzt Entbindungsstation. Es ist inzwischen arg zerfallen.

Die Reformierte Kirche vor dem Deutschen Tor, errichtet 1898 – 1900 nach einem Entwurf des Regierungsbaurats Kapitzke, kam schon beschädigt aus dem Krieg. Seitdem verfiel sie. 1975 riss man das Kirchenschiff ab und schuf so Platz für den Neubau eines Klubs der Freiwilligen Unionsgesellschaft zur Förderung der Land-, Luft- und Seestreitkräfte. Nur der Turm blieb noch.

Die orthodoxe Kirche ist provisorisch in einer Friedhofskapelle in der Flottwellstraße untergebracht, bis der Neubau nahe der früheren Taubstummenanstalt fertig ist. Grundsteinlegung war 1996. Diekatholische Kirche erhält einen Neubau in der Wasserstraße.

Am Anfang des 20. Jhs. wurde der Waldfriedhof angelegt, der die Tilsiter gleichzeitig als Parkanlage anzog. Auf ihm erinnerte eine Gedenkstätte an „Alle Toten“. Der Deutsche Soldatenfriedhof-Waldfriedhof aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg wurde nach Plänen eines lettischen Architekten aus Riga wieder hergerichtet und im Sommer 2006 eingeweiht. Hier ruhen 514 deutsche, 486 russische Gefallene und ein rumänisches Opfer des 1. Weltkriegs sowie 805 deutsche und 6 italienische Gefallene des 2. Weltkriegs. Von den 724 zivilen Opfern des Bombenkriegs in den Jahren 1943/44 fanden hier 86 eine Ruhestätte. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel war zusammen mit der Stadtverwaltung von Sowjetsk und der Stadtgemeinschaft Tilsit an diesem Projekt beteiligt, aber auch etliche Tilsiter Bürger von heute und früher haben sich dafür sehr engagiert.

Im Jahr 2000 wurde eine neue katholische Kirche in der Wasserstr./Ecke Fabrikstrasse mit feierlichem Glockengeläut geweiht. An der ganztätigen Zeremonie nahmen hochrangige litauische Politiker teil, darunter auch Expräsident Landsbergis.[1]

Zum Gedenken an die Kriegstoten beider Weltkriege wurde 2006 der russisch-deutsche Soldatenfriedhof eingeweiht. An der feierlichen Einweihungsfeier nahmen neben dem Oberbürgermeister von Sowjetsk auch der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit, ein Präsidiumsmitglied des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und der deutsche Generalkonsul in Kaliningrad teil. Den Segen erteilten ein Pater der ROK und der evangelischer Pfarrer Heye Osterwald.[2] Der Soldatenfriedhof befindet sich im Stadtteil Tilsit-Splitter an der Graf Keyserlingk-Allee.

Auch die russisch-orthodoxe Kirche erhielt in der Königsberger Str./Ecke Johanna-Wolf-Strasse.ein neues Gotteshaus. Im Jahr 2007 konnte die neue Kirche nach fünfjähriger Bauzeit in Anwesenheit von Gouverneur Georgi Boos, Vizepremier Schalimow und dem Oberbürgermeister Wjatscheslaw Swetlow von Sowjetsk eingeweiht werden. Den Festgottesdienst nahm Metropolit Kyrill vor.[3]

Von den ehemals 7 Kirchen Tilsits existieren nicht mehr:

  • die Lutherkirche (oder Deutsche Kirche oder Deutschordenskirche oder Stadtkirche) am Schlossplatz, erbaut 1598 – 1612, Turm von 1702. Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete in der nicht zerstörten Kirche ein Sägewerk. Von 1956 bis zum Anfang der 1960er Jahre soll sie Sammelstelle für Altstoffe gewesen sein. Danach verfiel sie recht schnell. Als herabfallende Trümmerteile 2 Passanten erschlugen, sah man sich veranlasst, die Kirche 1965 abzureißen, nachdem sie abgebrannt war. Auf dem Platz der Deutschordenskirche steht ein Neubau. Der Aufsatz des Hauptaltars aus dem Jahr 1611 wurde gerettet und befindet sich heute - restauriert - in der Johanneskirche in Bartenstein (Bartoszyce/Polen), ebenso zwei Beichtstühle von 1638 und Teile der Taufschale
  • die Christuskirche (oder Litauische Kirche oder Landkirche) von 1757 am Schenkendorfplatz. Sie überstand den 2. Weltkrieg ohne Schaden, wurde aber 1949/50 von Kindern in Brand gesetzt, brannte aus und wurde 1951/52 abgerissen.
  • die Friedhofskapelle im Kapellenweg samt nebenstehender Leichenhalle von ca. 1800 und dem dazugehörigen Friedhof
  • die katholische Kirche von 1847 - 1851 in der Wasserstraße mit Turm von 1888, diente nach dem Krieg als Altstoffsammelstelle. Das Kirchenschiff wurde in den 1960er/1970er Jahren abgerissen, um Baumaterial zu gewinnen, der Turm 1983 gesprengt. 1992 übergab man das Grundstück der Katholischen Kirche, die auf den alten Fundamenten einen Kirchenneubau errichteten.
  • die Synagoge von 1841 wurde bereits 1938 zerstört
  • Vom Franziskanerkloster gibt es nur noch tonnengewölbte Kellerräume.

Alle deutschen Friedhöfe, egal welcher Glaubensgemeinschaft sie angehörten, existieren nicht mehr. Zur Erinnerung hat man deshalb 2014 auf dem Gelände des ehemaligen Brackschen Friedhofs auf einer Lichtung ein Kreuz mit einer Gedenktafel errichtet, um an alle ehemaligen Tilsiter zu erinnern, die in heimatlicher Erde ihre letzte Ruhe fanden.[4]


[1] Hans Dzieran, Tilsit zwischen Lenin und Luise, 2013, S. 27
[2] Hans Dzieran, Tilsit zwischen Lenin und Luise, 2013, S. 46
[3] Hans Dzieran, Tilsit zwischen Lenin und Luise, 2013, S. 51
[4] Tilsiter Rundbrief, Weihnachten 2014, S. 42

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Brackscher Friedhof: Kreuz mit Gedenktafel (Tilsiter Rundbrief 2014)
Orthodoxe Kirche (Rosenbaum)
Soldatenfriedhof (Rosenbaum)
Katholische Kirche (Rosenbaum)
 
 
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