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Belkino – Groß Wersmeningken/Langenfelde und Johanna Ambrosius

Der Ortsname Groß Wersmeningken wurde im Zuge der großen Umbenennungsaktion vom 18. 7. 1938 geändert in Langenfelde.

Johanna Ambrosius (3. 8. 1854 – 27. 2. 1939), Heimatdichterin ("Ostpreußenlied"), wurde in Lengwethen (Kreis Tilsit-Ragnit) als zweites von 14 Kindern eines kleinen Handwerkers geboren. Sie wuchs in vermutlich gar nicht so ärmlichen Verhältnissen auf, denn die Eltern konnten sich z. B. ein Dienstmädchen leisten , aber ihre Ausbildungsmöglichkeiten waren wohl begrenzt: Besuch der Dorfschule bis zum 11. Lebensjahr. Daneben bildete sie sich durch die Familienzeitschrift „Gartenlaube“, die auch ihre Vorstellung von Literatur, ihre Weltanschauung und ihren Stil prägte. Anschließend bis zum 14. Lebensjahr Besuch der Schule in Titschken dank ihres Lehrers Kerner. Mit 20 Jahren am 17. Mai 1875 heiratete sie in Klingsporn den zwei Jahre älteren Bauernsohn Friedrich Wilhelm Voigt. Bis 1883 bewirtschaftete das Ehepaar eine kleine Landstelle in Dirwonuppen im Kreis Tilsit/Ragnit und siedelte am 2. Juli 1883 nach Belkino – Groß Wersmeningken/Langenfelde bei Lasdehnen/Haselberg über. Einige Gedichte, die sie neben ihrer harten Arbeit als Bäuerin schrieb, schickte ihre Schwester heimlich an Zeitschriften ein, und diese wurden sogar abgedruckt. So begann ihr Erfolg als Volksdichterin. 1884 schrieb sie das erste Ostpreußenlied „Mein Heimatland“, das aber heute weitgehend vergessen ist. Eine 1890 nur mühsam überstandene schwere Grippe schwächte sie gesundheitlich so stark, dass sie nie mehr schwere landwirtschaftliche Arbeiten verrichten konnte.

Doch 1894 begann ihr bemerkenswerter Aufstieg. Der Literaturprofessor Karl Weiß-Schrattenthal aus Pressburg (heute Bratislava), der sich vorgenommen hatte, Frauen aus dem Volke mit lyrischer Begabung ausfindig zu machen, entdeckte Johanna Voigt, geb. Ambrosius. Er veröffentlichte eine Auswahl ihrer Gedichte zunächst im Eigenverlag und bat viele Leute um Subskriptionen. Seine Werbung, die mit einer Schilderung der beklagenswerten Lebensumstände der Dichterin verbunden war, erhielt große Resonanz. Binnen weniger Tage war die erste Auflage verkauft. Es folgte die Veröffentlichung der Gedichtsammlung durch den Verlag G. Heckenast Nachfolger in Pressburg, deren 4. Auflage schon 1895 erschien. In diesem Jahr zog der Verlag nach Königsberg um und die Gedichte von Johanna Ambrosius erschienen nun bei Thoma und Oppermann (Ferd. Beyers Buchhandlung), gedruckt in der Hartungschen Buchdruckerei. In rascher Folge erschienen jetzt 45 Auflagen dieses Gedichtbands, insgesamt 50.000 Exemplare und 1896 erfolgte eine erste Übersetzung ins Englischedurch Mary J. Safford, erschienen in Boston/USA. In England erschien das Buch 1910 in der Übertragung durch Ellen Kullmann. 1897 erschien ein zweiter Gedichtband, der mit 10 Auflagen nicht ganz so erfolgreich war. Viele ihrer Gedichte wurden vertont. Mindestens 150 Kompositionen sind belegt. Der nun einsetzende literarische Erfolg verbesserte die wirtschaftliche Situation. 1896 wurde das alte Haus in Groß Wersmeningken durch einen Neubau ersetzt.

Ihr Werk wurde nun jedoch Gegenstand kontroverser öffentlicher Diskussionen, ihr Ruhm verblassteund die Auflagen sanken. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, sprach kaum noch jemand von ihr. Nach dem Tod ihres Mannes am 2. Juli 1900 im Alter von nur 48 Jahren und dem Tod ihrer Tochter Marie im Kindbett 1908 im Alter von 32 Jahren verkaufte die Dichterin 1908 ihr Haus und zog nach Königsberg, wo ihr Sohn als Lehrer tätig war. Hier starb sie im 85. Lebensjahr noch vor Ausbruch des Krieges. IhrGrabstein auf dem ehem. Luisenfriedhof II wurde im September 2005 / Anfang Januar 2006 von Galina Pustowaja zufälligerweise mitten unter russischen Grabmalen gefunden. Die Stadt Krasnonamensk – Haselberg stellte den Grabstein im Frühjahr 2006 vor der Kirche wieder auf, weil man dort ihrem Geburtsort nahe ist. Eine Schule in Kaliningrad trägt bis heute ihren Namen (ehemals Schule für Mädchen in der Luisenallee 3).

Der einstige Friedhof von Wersmeningken auf der Anhöhe am Ende der Dorfstrasse in Richtung Cäsarsruhe wurde 1991 eingeebnet.

Tiefer gehende Details und viele Bilder findet man auf der Website ihres Urenkels Werner Voigt unterhttp://www.johannaambrosius.de/ (Link siehe Info-Punkt oben)

In Langenfelde wird im Jahr 2008 nachdrücklich am Bau einer neuen Ziegelei gearbeitet. Die Bauarbeiten werden von der Firma Keller in Ibbenbüren durchgeführt, die bereits im 19. Jh. Ziegeleien errichtet hat. Bauherr ist eine Moskauer Firma. Die Kapazität soll bei 50 Mio. Steinen/Jahr liegen. Das Gas für die Produktion entnimmt man der Pipeline nach Kaliningrad, die nahe an Wersmeningken vorbeiführt. Ökologisch fortschrittlich soll die entstehende Abwärme für Gewächshäuser genutzt werden, die hier noch zu bauen wären. (Informationen von Martin Kunst, 6. 9. 2008)

Es gibt reichlich Tonerde guter Qualität für viele Jahre. Die große Sandgrube von Langenfelde ist voll in das Baugeschehen des Ziegelwerkes eingebunden. Das Ziegelwerk hat seinen Standort unterhalb der Anhöhe mit dem einstigen Friedhof von Langenfelde – ungefähr auf dem Gelände des Bauernhofes Kasokat. Technischer Direktor im Jahr 2009 ist Sergej Alexandrowitsch Ziganow, Bauleiter ist Boris Boeker. Als nächste Planung steht der Bau eines großen Bürohauses an. (Information von Lilli Janßen, 24. 7. 2009)

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