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Pricaly - Inse

Inse zu beiden Seiten des Inseflusses zählt zu den ältesten Fischersiedlungen am Kurischen Haff. Bis 1933 unterschied man die eigenständigen Gemeinden Alt Inse nördlich des Insestroms vom südlich gegenüberliegenden Groß Inse. Neben der Fischerei war der Gemüseanbau in Inse von Bedeutung. Wer im Winter nicht der Eisfischerei nachging, arbeitete in der kalten Jahreszeit beim Holzeinschlag in den großen Erlenwäldern der Gegend. Das Holz diente vornehmlich als Brennholz.

Allerdings ging das Fischereihandwerk zurück, nachdem das Land zwischen Gilge und Rußstrom um 1900 eingedeicht worden war, dabei die vorhandenen kleinen Flüsse unterbrach und mangels Strömung das Land in das Haff hinaus wuchs. Auf dem neuen Land entstanden Wiesen und Äcker vor allem für Sellerie und Gurken, Zwiebeln und Mohrüben, und deren Bewirtschaftung war lukrativer als die Fischerei. Insbesondere Zwiebeln und Gurken wurden in großen Mengen und guter Qualität nach Tilsit oder nach Königsberg geliefert und auf den dortigen Wochenmärkten verkauft. Die Haffwiesen lieferten zudem gutes Futter für die Viehwirtschaft, die immer leistungsfähiger wurde.

Wenn der Kaiser sich zur Jagd nach dem 6 km entfernten Pait begab, fuhr er mit seiner Staatsyacht nach Inse und stieg dann in den Jagdwagen um. Das Dorf bereitete ihm jedes Mal einen großen Empfang.

Von den alten Fischerhäusern sind nicht mehr viele übrig geblieben. Dafür gibt es einige sozialistische Neubauten. Aber der ehemalige Friedhof des Ortes, der sich auf einem Sandhügel in der Nähe des Jagdhauses Pait befindet, wurde in Zusammenarbeit mit der Pait-Stiftung und Landsleuten aus der Grafschaft Bentheim und Berlin wieder als Stätte des Gedenkens hergerichtet.

Die Pfarrkirche, ein achteckiger Zentralbau aus Holz von 1700 mit Türmchen, blau angestrichen und eindrucksvoll am Flussufer gelegen, kam gut über den Krieg, wurde aber 1964 unter Einsatz von Traktoren eingerissen und abgeräumt.

Als Inse noch keine Kirche besaß, gehörte das Dorf zum Kirchspiel Kunzen auf der Kurischen Nehrung. Da die Witterung den Besuch der Kirche in Kunzen mit dem Boot oft unmöglich machte, gründete man 1570 die Kirchengemeinde Inse und errichtete um 1576 hier eine Kirche. Die Fischer in Inse hingen aber noch sehr stark an ihrem überlieferten heidnischen Glauben. So behängten sie auf dem Rückweg vom Gottesdienst einen ihren Göttern geweihten alten und abgestorbenen Eichenstamm mit bunten Tüchern, um einen möglichst ertragreichen Fischfang zu erbitten. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, ließ Pfarrer Elias Sperber (1630 - 1665) anno 1636 diesen Eichenstamm fällen. Unruhen unter den Fischern waren die Folge, unter denen auch Pfarrer Christian Sperber, der Sohn, zu kämpfen hatte, indem sie 1675 das Pfarrhaus anzündeten und der Pfarrer sich gerade eben durch die Flucht retten konnte. Zur Strafe wurde die Kichengemeinde Inse zur Filiale von Kallningken herabgestuft. Erst 1811 wurde Inse wieder ein selbständiges Kirchspiel, zu dem neben Tawe, Loye und Pait auch kurzzeitig Rossitten auf der Kurischen Nehrung gehörte. Von dort brauchte es mit dem Boot zwei Stunden bei gutem Wind, um zum Gottesdienst zu gelangen.[1]

Im Jahr 2009 entdeckte man den Taufstein der Kirche auf einem Grundstück in Inse, wo er als Blumenkübel diente. Der Grundstückseigentümer versprach, ihn heraus zu geben. Mitglieder der Kreisgemeinschaft Elchniederung organisierten daraufhin die Überführung des Taufsteins in die Kirche von Heinrichswalde.

Die Schule in Inse war ab 1938 einklassig, obwohl 70 Kinder unterrichtet werden mussten. Rektor Ernst Schnabel schrieb über die Schule und die Schüler: „Die Kinder waren erstaunlich begabt, fleißig und sehr schulfreudig. Der ganze Klassenraum war schon eine Stunde vor Unterrichtsbeginn von den Schulkindern besetzt. Die Schule war den Kindern am Haff der Lebensmittelpunkt. ….sie schrieben vorbildlich, sie kannten Noten und hatten ein gutes Konzentrationsvermögen. Sie behielten alles, rechneten gut im Kopf und bastelten Wimpel und Kähne, Kirche und Schule ‚en miniature’…. Nur für das Schwimmen hatten die Kinder nichts übrig.“ Sie badeten zwar gerne, wenn es heiß war, doch sie teilten auch den Aberglauben der Alten, der da besagte, wenn der Kahn im Haff kentert, hilft auch Schwimmen nicht.

Die Inser besaßen ein Heimatlied mit einer bunten Geschichte: „Wo des Haffes Wellen trecken an den Strand“. Seinen Ursprung hat dieses Lied bei der Dichterin Martha Müller-Grählert (1876-1939) aus Pommern, die 1902 in Prerow auf dem Darß den Text gedichtet hat „Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“, der 1907 in ihrem niederdeutschen Lyrikband „Schelmenstücke“ unter dem Titel „Mine Heimat“ in pommerschem Platt erschien. Der Lehrer Franz Leiber (22. 9. 1863 – 16. 4. 1927) machte daraus um 1908 die Haffwellen für seine Schüler in Inse, die das Lied für ihr Dorf vereinnahmten. Um 1925 formte der Schriftsteller Friedrich Fischer-Friesenhausen (1886-1960) aus dem Text das heutige Friesenlied „Wenn die Nordseewellen trecken an den Strand“! Die Musik komponierte noch vor 1910 der Thüringer Simon Krannig (1866 – 1936), Dirigent des Arbeiter-Gesangvereins in Zürich, dem ein Wandergeselle aus Flensburg das Gedicht mit in die Schweiz gebracht hatte.

Neben der Landwirtschaft waren Fischfang und Fremdenverkehr die wesentlichen Einnahmequellen der Bewohner von Inse. Seit Beginn der 1930er Jahre gab es eine Jugendherberge. 1938 verlegte man zwei Abteilungen des Reichsarbeitsdienstes nach Inse. Es gab noch den Ortsteil "Klein Inse". Dort standen aber nur die Försterei und ein Waldarbeiterhaus.


[1] Der Kreis Elchniederung gestern und heute, herausgegeben 2006, S. 43/44

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