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Mysovka - Karkeln

Bedeutendster Fischereiort am Kurischen Haff war Mysovka - Karkeln mit 25 großen und 30 kleinen Betrieben, und hier soll es auch den besten Fisch gegeben haben. Als um 1900 durch den Bau von Haffdamm und Deichen die Überschwemmungen gebannt waren, wurde der Gemüse- und Getreideanbau möglich. Es wuchsen Zwiebeln, Gurken, Möhren und es wurde Heu gewonnen. Das alles brachte Wohlstand für die Gemeinde, um so mehr, als es 1906 eine Kleinbahnverbindung - die Schniefkebahn - mit Groß Britannien gab. Der Tourismus begann, sich zu entwickeln und gab dem Ort den Beinamen das "Kurische Venedig". Um 1940 lebten in Karkeln rund 900 Einwohner.

Karkeln wurde 1622 gegründet und war ab 1644 eine selbständige Kirchengemeinde. Der Große Kurfürst erteilte 1660 die Kruggerechtigkeit mit dem Recht, Bier zu brauen und zu fischen, und mit der Verpflichtung, Beamten der Regierung freie Unterkunft und freien Vorspann zu gewähren und diese über den Karkelstrom zu setzen. Der letzte Besitzer dieses Kruges war Markus Erschler, ein jüdischer Mitbürger, über dessen Schicksal keine Nachrichten vorliegen.

Die erste Kirche in Karkeln wurde am Anfang des 17. Jhs. aus Holz und Lehm gebaut und mit einem Rohrdach gedeckt. Nachdem diese abgebrannt war, errichtete man 1722 aus großen Feldsteinen aus der Windenburger Ecke, im Winter über das Eis herantransportiert, einen Neubau, dem bereits 1772 ein weiterer Kirchenbau folgte[1], der dann 1898/99 neogotisch erweitert wurde mit Chor, Sakristei, Turm und Emporen. Diese Kirche überstand den 2. Weltkrieg wegen einer Minenexplosion nur leidlich und mit Beschädigungen, dann wurde das Dach undicht und 1949 brannte der Turm aus. Als 1959 nach einem Deichbruch das ganze Land überschwemmt war, riß man die Kirche ab und verwendete die Steine zur Auffüllung von Ausspülungen. Auf dem Platz der Kirche steht heute ein Clubhaus. Bis 1834 gehörte die Kirchen in Karkeln zu Schakuhnen, danach zu Kallningken und erst 1855 wurde die Kirchengemeinde selbständig.

Schon am 30. 12. 1622 verfügte die Regierung in Königsberg den Bau einer Schule in Karkeln. Der Bau ließ aber offensichtlich geraume Zeit auf sich warten, denn noch 1648 fand der Unterricht im Haus des Schulmeisters statt. Eine einklassige Schule entstand dann aus Holz und erhielt 1829 einen zweiten Klassenraum. Das 1880 gebaute moderne Schulgebäude mit 3 Klassenräumen für jeweils 70 – 80 Schüler stand etwas abseits des Dorfes am Kirchendamm.

1883/84 erhielt Karkeln einen Chaussee-Anschluß. Bis dahin war das Kahn das wesentliche Transportmittel des Ortes. Der Bau des Großen Haffdeichs 1894/96 brachte durch Wasserstau noch mehr Überschwemmungen für die davor liegenden Karkeler Ländereien, Wiesen und Gärten. Dieses Problem entschärfte man 1905/06 durch den Bau eines speziellen Sommerdeiches, doch in der Zwischenzeit war bereits ein Teil der von den Überschwemmungen betroffenen Landnutzer in die Industriegebiete Westdeutschlands abgewandert. Dennoch waren die Wiesen so ertragreich, dass der Heuhandel einen beachtlichen Stellenwert in der Wirtschaft des Ortes bekam. Aber der Fremdenverkehr spielte im Leben der Bevölkerung eine immer bedeutender werdende Rolle, zumal zusätzlich zu den Schiffen die neuen Chausseen den Bussen die Möglichkeit boten, die Touristen komfortabel anreisen zu lassen.

Das Pfarrhaus war von 1902 und ist heute Gemeindebüro.

Die Bevölkerung musste ihren Heimatort am 13. Oktober 1944 verlassen. Als sich die deutsche Wehrmacht am 20. Januar 1945 aus Karkeln zurückzog, ließ man die zuvor im Eis festgemachten Minen zur Explosion kommen und zerstörte dabei 25 Häuser des Dorfes und beschädigte viele weitere.

Zu Karkeln siehe auch die ausgezeichnete Dokumentation http://wiki-de.genealogy.net/Karkeln



[1] Der Kreis Elchniederung gestern und heute, Kreisgemeinschaft Elchniederung 2006, S. 49

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