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Vororte und Stadtteile von Königsberg

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Die kleine Landgemeinde Tschkalowsk - Tannenwalde im Kreis Fischhausen wurde 1807 erstmals urkundlich erwähnt, entstand durch Abspaltung vom Gut Trenk und erhielt ihren Namen 1878. Noch 1910 gab es lediglich 51 Einwohner, einen Gasthof, ein Bahnhofsrestaurant und ein Dampfziegelwerk. 1919 jedoch begann man mit dem Bau der Siedlung Tannenwalde. Es folgte 1925 ein Kurhaus mit passender Gartenanlage und 1929 zählte man 102 Häuser mit 367 Wohnungen. Im selben Jahr erhielt die Gemeinde die „Otto-Braun-Schule“ und ihre Kirche. 1938 hatte Tannenwalde 2.669 Einwohner und am 1. 4. 1939 wurde der Ort mit dann über 3.000 Einwohnern in den Stadtkreis Königsberg eingemeindet. Zu Tannenwalde gehört heute ein große Militärflughafen, dessen Landebahn noch auf 3.500 Meter verlängert wird.[4] Die Otto-Braun-Schule in der ul. Gawrilenko 1, früher Schulstrasse, wurde in neuerer Zeit zum Kulturhaus „Tschkalowskij“ umgerüstet, nachdem es 2012 als Haus der Offiziere ausgedient hatte.

Die Kirche in Tannenwalde kam unbeschadet über den Krieg, wurde dann als Pferdestall missbraucht und später abgerissen. Die orthodoxe Gemeinde errichtete 2003 die Kirche des „Heiligen Apostelgleichen Großfürsten Wladimir“.[11] [size= 12px]Der Bahnhof war offenbar beschädigt, wurde aber wieder aufgebaut. Von hier aus führt eine zweigleisige Strecke bis nach Rauschen. [/size]

Großer Arbeitgeber in Tannenwalde war die "Ostpr. Nährmittelfabrik", die Kakao, Trockenmilch, den vitaminreichen "Ordenstrunk" sowie ein beliebtes Vitamin-C-Konzentrat namens "Lucksan" herstellte, das im 2. Weltkrieg die Wehrmacht exklusiv für sich beanspruchte und das noch nach dem Krieg in Heide, Schleswig-Holstein, weiter produziert wurde.[2]

Der Stadtteil Ponarth, heute Dimitrowa genannt, wurde 1385 erstmals urkundlich erwähnt und war ein selbständiges Dorf nahe Königsberg, bis man es 1905 nach Königsberg eingemeindete. Durch Ponarth fließt das kleine Flüßchen Beek, das bei Contienen in den Pregel mündet. Über seine Grenzen hinaus bekannt wurde Ponarth durch sein gutes Bier. Das gilt heute nicht mehr. Das Bier kommt aus Devau, und seine Qualität hält keinem Vergleich mit den damaligen Sorten Ponarth und Schönbusch stand. Die alten Werksgelände verwahrlosen. In seinen Kellern hatte man einmal nach dem Bernsteinzimmer gesucht. Das 1874 gründete man den Amtsbezirk Ponarth, dem außerdem die Gemeinden Groß Karschau, Hoch Karschau, Klein Karschau und Schönbusch zugeordnet wurden.

Schon 1385 soll es in Ponarth eine Bierbrauerei gegeben haben. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieses Dorf zur größten Königsberger Vorstadt. Dort gründete Johann Philipp Schifferdecker 1849 eine moderne Bierbrauerei. Für die Brauerei war Eis unabdingbar. Dies wurde bisher aus Schweden herangeführt. Schifferdecker ließ jedoch vier große Wasseranlagen bauen, wovon noch zwei vorhanden sind: der Sommersee und der Teich am Krankenhaus. Im Jahre 1885 vernichtete ein Großbrand große Teile der Brauerei. Der Wiederaufbau wurde genutzt, um die technischen Anlagen auf den neuesten Stand zu bringen. Die Bierbrauerei war im Besitz der Familie Schifferdecker bis zum Jahre 1929. Nach dem Krieg wurde anfänglich die Bierproduktion fortgesetzt, dann stellte man aber die Produktion auf Mineralwasser um. Jahrelang stand der Betrieb still und die Gebäude verfielen. 2016 kaufte ein westdeutscher Investor, ein großer Zementindustrieller, die gesamte Industrieanlage, die unter Denkmalschutz steht, die er sanieren und zu einem Informations- und Dokumentationszentrum für Bier ausgestalten will, weil die Fabrik früher einmal zur Familie gehörte hatte.[12]

Neben der Schifferdecker AG Brauerei Ponarth und der Brauerei Schönbusch gab es Straßen- und Eisenbahnwerkstätten, eine Kaserne, Munitionsfabriken und die Schichau-Werft am südlichen Pregelufer. Die Ponarther Gloria-Lichtspiele hat man nach dem Krieg in eine Markthalle umgewandelt. Die Ponarther Kirche ist schön restauriert. Vor dem 1. Weltkrieg wohnten in Ponarth ca. 20.000 Einwohner, 1939 sollen es 36.000 gewesen sein.[13]

Einer der jüngsten Stadtteile von Königsberg war Rothenstein. Auf einem Gut im Norden legte Dr. Johannes Matern eine Ziegelei an und ließ sich dort ein Haus bauen: die Villa Rothenstein. Dieser Name leitete sich ab von dem roten Stein, der dort gebrannt wurde und gab später dem ganzen Ortsteil seinen Namen. Der in Königsberg renommierte Architekt Kurt Frick (1884 - 1963) legte die "Siedlung Rothenstein" an. Hier ließen sich vornehmlich Handwerker nieder. In der Cranzer Allee 80 entstand 1916 mit Unterstützung wohlhabender Bürger ein Alten- und Pflegeheim, das heute noch existiert und noch demselben Zweck dient. 1935 erhielt der Ortsteil im Schwalbenweg 35, jetzt ul. Gerzena, eine Schule, in der 1937 15 Lehrer in 16 Klassen mit durchschnittlich 44 Schülern unterrichteten. In Rothenstein ging später auch Ljudmila Putina in diese Schule. In der Nähe des Bahnhofs Rothenstein lag das Heeres-Bekleidungsamt mit eigenem Gleisanschluss. In den letzten Jahren wurde eine neue armenische Kirche im traditionellen Stil im ehemaligen Schwalbenweg, errichtet.

Bis zum Jahr 1920 gab es in Rothenstein ein großes Munitionslager. Bei der Umlagerung russischer Munition 1916 kam es zu einer folgenschweren Explosion mit 44 Toten und 95 Verletzten. Noch schlimmer war die Explosionskatastrophe 1920, als etwa 200 Opfer zu beklagen waren. Häuser und Öffentliche Gebäude wurden kilometerweit beschädigt oder zerstört wie die Kuppel des gerade errichteten Krematoriums, und die neue Herzog-Albrecht-Kirche in Maraunenhof verlor weitgehend ihr Dach. In Rothenstein gab es auch etliche Kasernen. In deren Autohallen trieb die Rote Armee 1945 viele Deutsche zusammen - bei winterlicher Kälte ohne ausreichende Bekleidung und ohne Verpflegung, so dass viele von ihnen hier ihr Leben oder ihre Gesundheit verloren.[7] Heute stehen die Kasernen weitgehend leer. Das gilt auch für den Hochbunker, in dem während des Luftangriffs der Engländer im August 1944 viele Rothensteiner Schutz fanden. Ihn zu sprengen würde zu viele Sekundärschäden verursachen.

Der Ort Metgethen wurde 1278 erstmals als Myntegeiten urkundlich genannt. Der einstige Gutsbezirk kam 1818 zum Kreis Königsberg Land und der Ort wurde am 1. 4.. 1939 nach Königsberg eingemeindet. Kirchlich gehörte Metgethen zu Juditten. In Metgethen, idyllisch an dem die Wasserversorgung Königsbergs sichernden Landgraben gelegen, wurde ab 1900 die Basis für eine neuzeitliche Wohnlandschaft gelegt. 1907 wurde noch Paul Weller als Gutsbesitzer des 611 ha großen Gutes genannt. Wann dieses aufgelöst wurde, ist nicht genau bekannt, vermutlich aber in den 1920er Jahren. 1912 entstand auf dem Gutsgelände die Landfrauenschule. 1927 richtete man etwas außerhalb von Metgethen die "Lehr- und Versuchsanstalt für Kleintierzucht" an, wo zunächst Landfrauen zu Hühnerzüchterinnen ausgebildet wurden. Später erweiterte man das Zucht-Programm um Gänse, Enten, Kaninchen.

Man nannte Metgethen auch die „Lunge Königsbergs“. 1936 wohnten dort 2.263 Einwohner, eher wohlhabende Leute, Beamte, Angestellte, Handwerker. Der Ort gliederte sich in die Gartenstadt, die Waldvillenkolonie, das Gut Metgethen und das Gelände der Heide.[8] Im Januar 1945 wurde Metgethen von der sowjetischen Armee eingenommen, aber drei Wochen später von den Deutschen zurück erobert. Dabei wurde eine große Anzahl übel zugerichteter Leichen entdeckt – gekreuzigt, verstümmelt, zu Tode vergewaltigt. Man sprach vom "Massaker von Metgethen". Internationale Beobachter wurden seinerzeit von den Nazis eingeladen, die Folgen dieses Massakers zu begutachten.

In Rathshof befand sich ursprünglich ein Gut, das zu den Besitzungen der Altstädtischen Kirche gehörte, die es 1533 an den Ratsherrn Bernhard Betner verkauften. Später wurde es Stadtgut, wurde aber im 19. Jh. erneut privatisiert. Zu den Besitzern in diesem Jahrhundert gehörte u. a. die Familie Tortilowicz von Batocki, die das Gut 1883 an den Oberamtmann Carl Ludwig Perkuhn verkauften. Als die Stadt Königsberg Siedlungsland benötigte, verkaufte Perkuhn 1900 das Gut an die Stadt, die hier Wohnungen errichten ließ. Ein großes Teilgelände auf den Pregelwiesen erhielt die Waggonfabrik Steinfurt, die hier ein Werk errichtete. Das Gutshaus wurde Ausflugslokal, der Gutspark zu einem öffentlichen Park.

In einer Randlage zu Königsberg befindet sich auch Juditten mit seiner interessanten Kirche (siehe im Kapitel "Kirchen und Sozialeinrichtungen in Königsberg"). Zu Juditten gehörte ein Gut, das 1760 der nach Ostpreußen eingewanderte Salzburger Exulant Balthasar Schindelmeißer erwarb. Schindelmeißer war durch eine Weinstube in der Kneiphöfischen Langgasse reich geworden. Sein Sohn David führe die Weinhandlung fort, starb aber früh. Seine Witwe heiratete darauf hin Johann Christian Richter, und der war es, der 1827 die Weinhandlung im Nordflügel des Königsberger Schlosses eröffnete und dieser den Namen "Blutgericht" gab.[3]

In Quednau wurde 1302 eine bischöfliche Burg errichtet, die aber nicht sehr lange existierte. Die Franzosen zogen den Ort bei der Eroberung Preußens 1807 stark in Mitleidenschaft. Die Kirche in Quednau gehörte zu den ersten Kirchen des Samlands und war Wallfahrtsort für Fischer und Seefahrer. Neben ihrer Kanzel soll sich eine Rüstung präsentiert haben, die einst Henning Schindekop trug, der in der Schlacht bei Rudau den Tod fand und im Magdalenenkloster in Quednau beigesetzt worden war. Der Ort wurde 1939 nach Königsberg eingemeindet. Die Kirche ist verfallen. Eine ihrer Glocken läutet heute in der ev. Kirche St. Martini in Stockheim bei Hannover.[1]

Die Entstehung des Vororts "Kalthof" im Nordosten der Stadt reicht bis in die Ordenszeit zurück. Zum einen staute die Ordensverwaltung hier den Kupfergraben auf, damit auf dem Abfluß in den Pregel zwei Mühlen für Kupferhämmer betrieben werden konnten. Zum anderen richtete er hier das "Amt Kalthof" ein, um die Lebensmittelversorgung der Königsberger auf eine breitere Basis zu stellen. Zur Herzogszeit wurde aus dem Amt eine Domäne, die der Große Kurfürst 1670 u. a. an den reichen Johann von Hille verpfändete, der ein Regiment im Wert von 24.000 Talern finanziert hatte. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. legte in Kalthof einen Exerzierplatz an, das sog. "Devauer Feld", der damit zum ältesten Übungsplatz der preußischen Armee wurde. Nach 1817 wurde das Amtsvorwerk Kalthof ohne den Exerzierplatz verkauft. Letzter Besitzer war Berthold Kleist (1848 - 1925), der sein Gut 1905 an die Stadt verkaufte. Der Gutspark blieb erhalten und war bekannt als "Kleistpark" Das Gelände von Kalthof wurde von den Königsberger Gemeinden für die Anlage von Friedhöfen auserkoren, weil der ursprüngliche Platz neben den Kirchen seit dem 19. Jh. nicht mehr ausreichte. Hier lag auch der Friedhof der Israelischen Gemeinde. Dieser ist der einzige Friedhof, der nach dem 2. Weltkrieg wieder instand gesetzt wurde, und zwar von der neuen russisch-jüdischen Gemeinde. In Kalthof befand sich auch ein "Elendenhaus" für besonders arme oder heimatlose Bürger oder für Pestkranke. Zum Kalthof gehörten der Obere und der Untere Kupferteich, die, wie der Kupfergraben, auf die einstige Existenz von zwei Kupferhämmern hinwiesen. Zwischen beiden verlief über eine Brücke die "Tapiauer Strasse". Der Obere Kupferteich wurde zugeschüttet und auf ihm entstand 1925 ein Sportplatz, der auch heute noch in Kaliningrad existiert und genutzt wird. Der Untere Kupferteich blieb als Gewässer erhalten und bot ab 1929 Platz für eine öffentliche moderne Badeanstalt. Dort richtete der deutsche Schwimmverband 1931 die deutschen Schwimmmeisterschaften aus.[10]

Kalthof wurde außerdem Standort von Kasernen und von Gewerbebetrieben. Hier standen die Betriebe der "Ostdeutschen Brotfabrik" und der "Orgelbauwerkstatt Goebel", die aus der Orgelbaufirma von Max Terletzki hervorgegangen war. In Devau stand die "Brauerei Ostmark". Nach der Wende zum 20. Jh. setzte eine rege Bautätigkeit ein. 1905 war Kalthof nach Königsberg eingemeindet worden. Es entstanden Wohngebäude, 1905 - 1907 eine neue Kirche im neogotischen Stil aus Cadiner Ziegeln, deren Bauplatz von Berthold Kleist gestiftet worden war, sowie die Falkschule. In der Labiauer Strasse 158 wohnte Dr. Fritz Gause (1893 - 1973), der an der Albertina Geschichte und Germanistik studiert hatte, als Studienrat am Goethe-Oberlyzeum tätig war und das Stadtarchiv sowie das Stadtgeschichtliche Museum und nach dem Krieg mehrere Jahre die Stadtgemeinschaft Königsberg leitete. Ein weiterer bekannter Bewohner von Kalthof, in der Radziwillstr. 6, war der Journalist und Kunstkritiker Wilhelm Matull, nach dem Krieg Ministerialrat in Düsseldorf und Beirat der Stadtgemeinschaft Königsberg.[5]

Der Ortsteil Maraunenhof, zwischen dem Max-Aschmann-Park, der Tragheimer Palve und dem Oberteich gelegen, ist aus einem Gutshof hervor gegangen. Sein Name geht auf den Landwirt Maraun zurück, der dieses Gut 1605 erwarb. 1818 befand sich das Gut im Besitz der Familie von der Groeben, um 1868 im Besitz des sozialdemokratischen Parteiführers Max Otto Herbig Letzterer verkaufte mehr oder minder gezwungenermaßen an die Landbank AG in Berlin. Die brachte das Gelände in die "Königsberger Terrain-Gesellschaft Oberteich-Maraunenhof AG" ein. (Zur Historie: die Landbank AG war auch wesentlicher Betreiber der "Saarow-Pieskow Landhaus-Siedlung am Scharmützelsee AG", die um 1900 in gleicher Weise die bekannte Villenkolonie Bad Saarow östlich von Berlin gegründet hat). Diese Gesellschaft erarbeitete einen Bebauungsplan, der, entlang des Oberteichs beginnend, sukzessive umgesetzt wurde und dabei vornehmlich durch Lage und Ausstattung eine finanzkräftige Klientel ansprach. 1912 war man mit der Bebauung bis zum Gebiet nördlich des Ottokar-Platzes angelangt. Es gab eine Kanalisation, das Elektrizitätswert Mühlenberg lieferte Strom, Straßen und Gehwege erhielten ein Kleinpflaster und wurden von Gaslaternen beleuchtet. Und so ging es dann weiter. Der Bevölkerungsanstieg machte den Bau einer neuen Kirche erforderlich, für den die Terraingesellschaft den Bauplatz und auch einen Bauzuschuss zur Verfügung stellte. Es gab im Quartier die Ottokar-Schule als Volksschule, eine renommierte Handelshochschule und ein Heim für Behinderte - die "Krüppel-Heil- und Lehranstalt". Für die Erholung und das Spazierbedürfnis der Einwohner standen der Max-Aschmann-Park und der Stadtgarten mit der Stadtgärtnerei zur Verfügung, welch letzterer neben botanischer Vielfalt einen berühmten Rosengarten zu bieten hatte.[6].

Das Feuchtgebiet der Lomse zwischen Altem und Neuem Pregel wurde 1404 von den Altstädtern erschlossen, die dort ihre Speicher errichteten und den direkten Zugang durch die Holzbrücke ermöglichten. Erst 140 Jahre später erhielten auch die Kneipstädter einen direkten Zugang über die Honigbrücke. Während große Flächen der Lomse unbebaut blieben und die Wiesen im Winter häufig überschwemmt waren, entstanden im westlichen Abschnitt Bürgerbauten, Schrebergärten, Kohleplätze, Gewerbebetriebe sowie Kreuzkirche und Synagoge.[9]Auf problematischem Untergrund entsteht hier für die Weltmeisterschaft 2018 das Königsberger Fußballstadion.

Zur Ordenszeit gab es im Süden der Vorstadt des Kneiphofs die Dörfer Haberberg und Alter Garten. Beide Dörfer schenkte Herzog Albrecht 1533 dem Kneiphof. Im Jahr 1595 wurde der Ortsteil „Nassergarten“ erstmals erwähnt, und zwar von dem Kartographen und Pfarrer Kaspar Hennenberger (1529 – 1600). Der Nasse Garten war wie die beiden anderen Dörfer besiedelt von Gemüsegärtnern und Besitzer von Kleintieren wie z. B. Hühnern, aber auch teilweise Rindern. Der Boden hier war weitgehend sumpfig und feucht, also nass. Bei der Eroberung Preußens durch Napoleon mussten die Bewohner des Nassen Gartens ihre Häuser selbst zerstören, um für die Verteidiger ein freies Schusllfeld zu schaffen. Diese Absicht hinderte die Frazosen nicht am Einmarsch in Königsberg, aber danach sorgte der Preußische Staat für den Wiederaufbau und ließ entlang der Hauptstrasse durch das Dorf 150 Häuschen mit dahinter liegendem Gärten errichten. Diese kleinen Wohnbauten existierten teilweise noch bis in den 2.Weltkrieg hinein. Durch den Bau des Hauptbahnhofs 1929 mit seinen Gleisen und Nebengebäuden war der Nasse Garten in besonderer Weise betroffen. Auch der Königsberger Hafen, der mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt erheblich ausgebaut wurde, schränkte mit der Anlage des Innenhafens und der Errichtung etlicher Speichergebäude und der dazu gehörenden Infrastruktur die Entwicklung des Nassen Gartens ein. Das in der Nähe befindliche Brandenburger Tor lag etwa zwischen dem Nassen Garten und dem Alten Garten.[14]


[1] Lorenz Grimoni, Königsberger Stadtteile, Siedlungen, Güter und Forts entlang der Ringchaussee, in Königsberger Bürgerbrief, Winter 2011, S. 16
[2] Lorenz Grimoni, Königsberger Stadtteile, Siedlungen, Güter und Forts entlang der Ringchaussee, in Königsberger Bürgerbrief, Winter 2011, S. 16
[3] Lorenz Grimoni, Königsberger Stadtteile, Siedlungen, Güter und Forts entlang der Ringchaussee, in Königsberger Bürgerbrief, Winter 2011, S. 14
[4] Wolf Oschlies, Von Kronstadt in die Exklave, Oprbl. Nr. 14/2012 (7. April), S. 13
[5] Lorenz Grimoni, Kalthof in Königsberg, Königsberger Bürgerbrief Sommer 2012, S. 26 ff
[6] Lorenz Grimoni, Maraunenhof, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2012, S. 26 ff
[7] Lorenz Grimoni, Ein junger Stadtteil Königsbergs: Rothensteinm, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2012, S. 36 f
[8] Königsberger Allgemeine Zeitung, 12./13. Januar 1936, abgedruckt in Unser schönes Samland, Sommer 2010, S. 29 f
[9] Charlotte Gottschalk/Ulrich Karl Thomas, Die Lomse, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2013, S. 24 f
[10] Lorenz Grimoni, Kupferberg, Kupfergraben, Kupferhammer und Kupferteich, Königsberger Bürgerbrief, Sommer 2015, S. 35 f
[11] Anastasia, Mit der S-Bahn nach Tschkalowsk/Tannenwalde, Unser schönes Samland, Sommer 2016, S. 57 f
[12] Uwe Niemeier, Königsberg-Domizil, 18. 12. 2016
[13] Brigitte Seidel – seidel.pellworm@t-online.de, Ponarth – ein Sonntagsspaziergang, Unser schönes Samland, Winter 2017, S. 28 ff
[14] Lorenz Grimoni, Der Vorort Nasser Garten, Königsberger Bürgerbrief Sommer 2018, S. 25 f

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