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Piele – Pellen

Die Besiedlung von Pellen langt bis in die Bronzezeit von etwa 750 – 400 v. Chr. zurück. Vor der Ordenszeit könnte sich hier bereits der Hof eines prußischen Edlen befunden haben.

Pellen wurde am 29. 9. 1383 als “Pellin” erstmals urkundlich erwähnt. Damals befand sich hier ein Ordenshof mit Pferdezucht, Vieh- und Ackerwirtschaft, der 1412 auch noch den Wirtschaftshof des Kammeramtes Zinten aufnahm. Für die durchreisenden Ordensritter standen Gastzimmer zur Verfügung, davon ein besonderes für den Komtur, wobei diese “Komturkammer” als besonderen Luxus ein Federbett bereithielt. Der Ordenshof lag vermutlich östlich des späteren Gutshofes.

Im Hungerkrieg 1414 und erneut 1520 im Reiterkrieg wurde der Ordenshof verwüstet. Daraufhin löste Herzog Albrecht den verfallenen Hof auf und verlieh 1527 die Ländereien im Umfang von 50 Hufen nebst Hasselpusch sowie Krug, Mühle und Kirche an Claus von Auer (gest. etwa 1544). Dieser entstammte einer bayrischen Familie, kam 1512 als Söldnerhauptmann nach Preußen, heiratete 1521 Elisabeth von Portugall-Markienen (gest. 1562) und wurde Stammvater des Geschlechts der von Auer in Preußen bis 1945.

Im Jahr 1780 erwarb der Oberpräsident Johann Friedrich von Domhardt (1712 – 1781) die Begüterung Pellen vom Tribunalsrat Friedrich Ludwig von Auer. Nachdem der Oberpräsident bereits im folgenden Jahr starb, wechselten die Besitzer von Pellen sehr häufig. Seit 1827 gehörte Gut Pellen mit Hasselpusch dem Landschaftsdirektor Albrecht v. Brandt, (1773 – 1851), Erbherr auf Kupgallen und Labehnen und Landrat des kurzlebigen Kreises Zinten 1818/19. Der letzte deutsche Besitzer, Hans Hugo v. Brandt, starb 1945 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft an der Wolga. Das Gutshaus, das sich etwas abseits der Wirtschaftsgebäude in einem größeren Park befand, gelangte vermutlich kaum beschädigt über den Krieg. Bald danach wurden der zentrale Teil und der rechte Flügel zerstört. Der linke Gutshausflügel wird noch bewohnt. Im Jahr 2003 soll ein deutscher Landwirt neben Schönwalde und Hanswalde auch die Pellener Ländereien erworben haben.

Die Kirche aus der Ordenszeit war 1575 schon einmal so baufällig, dass der Pfarrer aus Angst, von herabstürzenden Deckenteilen erschlagen zu werden, sich weigerte, sie zu betreten. Sie wurde daraufhin und auch später noch öfter restauriert, kam gut über den letzten Krieg, diente dann als Lagerhalle und wurde letztlich abgebrochen. Vor dem Krieg war die Kirche in Pellen eine Filiale von Hermsdorf.

Im Kirchturm hing eine Glocke von 1767. Sie sollte während des 2. Weltkriegs eingeschmolzen werden, entging aber diesem Schicksal: man fand sie auf dem Hamburger Glockenfriedhof wieder. Sie trug immer noch ihren Spruch:

Durch meinen Thon und Klang
Ruf ich den Menschen zu
Hört, hört auf Gottes Wort
Der Seelen Heil und Ruh

Seit 1952 ruft der Klang der Glocke die Gläubigen in die Paul-Gerhardt-Kirche in Hameln zum Gebet. Eine andere Glocke aus Pellen soll heute in der Kirche von Debowiec – Eichholz läuten.

Der Altar von Pellen, den die Klosterbrüder der Redemtoristen der Kreuzkirche in Braunsberg rechtzeitig vor dem Verfall zusammen mit der Kanzel aus der Kirche gerettet hatten, befindet sich heute in der 1994 – 1997 wieder aufgebauten Kirche von Zelazna Gora – Eisenberg, der einzigen noch erhaltenen Kirche im Kreis Heiligenbeil. Die Kanzel dagegen ist verschollen. Es gibt einen Engel, der heute in der St.-Annen-Kapelle des ehem. Heilig-Geist-Hospitals in Frauenburg aufbewahrt wird und der möglicherweise von der Kanzel aus der Kirche von Pellen stammt, wo er die Stütze des Kanzelkorbs verdeckte, was aber noch zu beweisen wäre.

Prominenter Sohn Pellens war der Theologe Friedrich Carl Ernst August von Tippelskirch (5.3. 1802 - 17.7. 1866), geboren in Pellen als Sohn des Gutsbesitzers und gestorben in Berlin an Herzversagen. Er studierte Jura und Theologie in Königsberg und Berlin, wirkte zunächst als Gesandtschaftsprediger in Rom und übernahm dann die Pfarrstelle in Giebichenstein. Dort begründete er ein antiliberales, christlich-konservatives Volksblatt, das bald eine ziemliche Popularität errang. 1852 übernahm von Tippelskirch das Amt des Seelsorgers an der Berliner Charité.

Literatur:
Heinz Sommer (Höfstetten 2, 91522, Ansbach) „Dokumentation über das Kirchspiel Hermsdorf-Pellen im ehem. Kreis Heiligenbeil“
Details zum Gut und zum Gutshaus: Wulf D. Wagner in Die Güter der Kreises Heiligenbeil in Ostpreußen, S. 317 ff

 
 
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