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Gluschkowo - Plibischken

Plibischken zeichnet sich dadurch aus, dass es das einzige prußische Kirchdorf war. Sonst erhielten nur die deutschen Dörfer ein Kirchenlehen. Möglicherweise gab es hier sogar einst ein Kloster. Einziger Hinweis darauf ist, dass das alte Pfarrhaus, die Widdem, ein umgebautes Kloster mit vier Ecktürmchen gewesen sein soll. Dieses Haus brannte zwischen 1647 und 1686 ab. Jedenfalls weist die Endung „-ischken“, was im Prußischen „Siedlung“ bedeutet, auf den prußischen Ursprung hin.

Erste urkundliche Erwähnung fand Plibischken, als der Ordensmarschall 1384 die Erkundung eines Heerweges von Insterburg nach Alt-Kowno in Auftrag gab. Einer der „Leitsleute“, ortskundige Führer durch die Wildnis, war ein Criol oder Briol von Pliwiskin.

Im Laufe des 16. Jhs. zogen sehr viele Litauer in Plibischken zu. Es waren so viele, dass die Predigt, die seit der Reformation in der Landessprache und nicht mehr in Latein abgehalten werden sollte, in der litauischen Sprache zu erfolgen hatte, wozu lange ein Tolke zur Verfügung stehen musste. Für den stand zu diesem Zweck eine Nebenkanzel zur Verfügung. Mit der Gründung der Universität in Königsberg wurde das Sprachproblem dann weitgehend gelöst, indem man litauisch sprechende Pfarrer ausbildete.

Die Ordenskirche von Plibischken, die bereits 1451 urkundlich erwähnt wird, wurde 1773 erneut geweiht, nachdem sie bei der Eroberung Ostpreußens durch die russische Armee während des siebenjährigen Krieges 1757 abgebrannt war. Plibischken gehörte zu den Dörfern, die der russische Oberkommandierende, General Apraxin, zur Plünderung frei gegeben hatte. Einen Turm hatte die Kirche erst in der ersten Hälfte des 18. Jhs. erhalten. Bis dahin hingen die Glocken, wie hier in Nadrauen allgemein üblich, in einem separaten Glockengerüst.

Auch beim Einmarsch der Franzosen in Ostpreußen 1807 wurde in Plibischken ausgiebig und tagelang geplündert. Nur mit Mühe gelang es, die Soldateska von der erneuten Zerstörung der Kirche abzuhalten. Auch beim Durchmarsch der aus Russland zurückflutenden französischen Armee 1812 hatte Plibischken noch einmal erheblich zu leiden.

Den 2. Weltkrieg überstand die Kirche unversehrt und diente danach als Lagerhalle. 1950 stürzte das Kreuz mit der Kugel vom Dach des Turms. Die in der Kugel aufbewahrten Münzen und Dokumente, die bei dieser Gelegenheit ans Licht kamen, gingen leider später verloren. Nach weiteren Jahren mangelnder Gebäudepflege mussten 1960 Teile des Turms abgerissen werden und man baute die Kirche zum Gemeinschaftshaus mit Bühne und extra Billardraum um. In dieser Weise hat sie bisher überlebt. Sie hat jetzt eine Abdeckung aus Asbestzementplatten.

Vor der Kirche steht der alte Findling als Gedenkstein und Kriegerehrenmal, wobei 2003 die alte Inschrift ersetzt wurde. Das Unkraut drum herum wurde beseitigt und man konnte sogar einige Blumen zur Kenntnis nehmen.

Pfarrer und Lehrer erhielten Dienst-Ländereien zugesprochen, die von der Gemeinde beackert werden mussten. Lediglich das Dreschen des Getreides und der Hülsenfrüchte oblag dem Nutzer, wozu die Strophe eines Gedichts aus Großmutters Zeiten passt:

Unser Herr Pfarrer aus Plibischken
kam gefahren nach der Stadt,
hat die Erbsen in der Lischke,
die er selbst gedroschen hat.

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Dorfstrasse (Arne Woest, 2016)
Dorfansicht (Arne Woest, 2016)
Kirche (Arne Woest, 2016)
Kriegerdenkmal (A. Woest, 2016)
 
 
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