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Lesnoje - Warnicken

Zu deutscher Zeit wurden die Naturschönheiten in der Gegend von Warnicken mit den hohen, schroffen und fast senkrecht abfallenden Küstenwänden sehr gerühmt. Gregorovius fand, dass er in ganz Deutschland keinen schöneren Naturpark als den im östlichen Abschnitt der hiesigen Wolfsschlucht gelegenen Warnicker Park jemals gesehen hätte. Die Eschen wachsen hier besonders hoch, die Eichen sind besonders knorrig und die blauen breitblättrigen Glockenblumen wachsen hier besonders üppig. Die unmittelbar bei Warnicken beginnende Wolfsschlucht ist die längste und eindrucksvollste Einkerbung der samländischen Nordküste. Eine besonders schöne Aussicht hatte man östlich der Schlucht von der Jägerspitze. Da aber die See hier außerordentlich stark an den Strandbergen nagt, ist es fraglich, ob es diese Spitze noch gibt. Auf der Westseite der Schlucht gibt oder gab es den symmetrischen Aussichtspunkt „Königsstuhl“.

Östlich der Wolfsschlucht liegt die Fuchsschlucht, und auch hier bildet das Plateau eine Spitze, die Fuchsspitze. Hier saßen 1840 der für Naturschönheiten empfängliche König Friedrich Wilhelm IV. und Alexander von Humboldt und ergötzten sich an dem Ausblick auf den samländischen Strand.[1]

Erstmals 1404 oder 1405 wurde Warnicken urkundlich erwähnt. Die ersten Ansiedlungen lagen an der Wolfsschlucht.[2] Zu Warnicken gehörten ein Gut und eine Oberförsterei, die schon 1629 als Sitz eines Wildnisbereiters erwähnt wurde. Ab 1874 war Warnicken ein Amtsdorf und gab einem Amtsbezirk seinen Namen. Am 1. 12. 1928 wurde Warnicken nach Georgenswalde eingemeindet.[3]

Zur Oberförsterei Warnicken gehörten die Förstereien Hirschau, Schönwalde und Wilhelmshorst, die zusammen die Warnicker Forst bewirtschafteten[4]. Dieser Wald war der Stolz der Ostpreußen, mindestens aber der Samländer, ein Relikt aus der Anfangszeit des Ordens und in ihrem urwüchsigen Zustand über die Jahrhunderte erhalten. Allerdings nahm seine Fläche im 19. Jh. beträchtlich ab und betrug im 20. Jh. noch rd. 500 ha. In diesem Wald fanden sich ganze Felder von Hügelgräbern, die sorgfältig untersucht und kartographisiert wurden, wobei man nicht weiß, ob es sich um einen prußischen Totenhain handelte oder ob die Vegetation die Gräber später überwucherte. Zu den stummen Zeugen der Prußenzeit gehörte auch die vor dem Krieg noch gut erhaltene Wallanlage einer Fliehburg, der 82 Meter hohe Kleine Hausen – drei Stunden zu Fuß von Warnicken entfernt im südlichen Ausläufer der Warnicker Forst. Vom Eingang im Osten führte eine gut gepflegte Treppe empor. Die streng quadratische Form eines Teils der Fliehburg dürfte auf den Orden zurückgehen, denn der Wassermüller des Ordenshauses Germau nutzte die Anlage ebenfalls in Zeiten der Gefahr. [5]

Der Leiter der Oberbaudeputation Friedrich Schinkel rühmte anlässlich einer Reise nach Ostpreußen die Oberförterei Warnicken ganz besonders: „Die Oberförsterei Warnicken hat an dem ganzen Strande des Samlandes ohne Zweifel die anmutigste Lage, welche durch die üppige Baumvegetation auf den Höhen und in den Schluchten der Meeresküste verschönert wird. Es ist gar wünschenswert, dass die einem Urwald gleichenden alten Baummassen, welche einzig in ihrer Art sind, von der Forstverwaltung geschont und als Denkmäler eines üppigen früheren Naturzustandes aufbewahrt bleiben.“

Oberförster Gebauer (1759 - 1852), der ab 1828 der Oberförsterei Warnicken vorstand, war es, der die urwüchsige Landschaft um die Wolfsschlucht herum für die Allgemeinheit zugänglich machte und einen Park von wilder Schönheit begründete, der mit nichts anderem in Deutschland vergleichbar war. Er ließ die verschiedensten Aussichtsplattformen anlegen, u. a. auch jenen „Freundschaftssitz“, den der König und sein Begleiter Humboldt aufsuchten[6], und ließ Bäume anpflanzen, die prachtvolle Kronen entwickelten, wofür er viel von seinem eigenen Geld einsetzte. Johann Gottlieb Erdmann Gebauer (1759 – 1852) wurde im damaligen Südostpreußen geboren. Sein Sohn Julius Robert wurde Oberförster in Greibau, Sohn Karl Emil wurde Pfarrer und Heimatforscher.[7]

Zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum ehrte man Oberförster Gebauer mit einem Gedenkstein mit der Jahreszahl 1848 und der Aufstellung auf der Fuchshöhe, die man in „Gebauershöh“ umbenannte. Seit dieser Zeit haben die Meeresstürme dem Höhenzug entlang der Ostsee, insbesondere auch dem Seeberg, arg zugesetzt. Bis zu 10 Meter wurden durch Erosion und Geländeabstürze vom Höhenplateau abgetragen und dabei auch der Gebauer-Gedenkplatz samt Denkmal in die Tiefe gestürzt. Doch der Gedenkstein war nicht endgültig verloren: Igor Faminykh, Bürger von Lesnoe, wie Warnicken heute heißt, und Gemeindevertreter, der ganz besonders an der Geschichte seines Ortes interessiert ist, sowie sein Freund Boris Adamov stießen bei ihren Streifzügen durch die heimatlichen Gefilde auf die halbeingegrabene Inschriftentafel mit der Jahreszahl und der Widmung am Fuße der Anhöhe. Um diese zu bergen und mit ihr auf der Höhe wieder eine Gedenkstätte für Oberförster Gebauer einzurichten, benötigt man Geld und dafür bedarf es eines Sponsors oder mehrerer Geldgeber, die jetzt gesucht werden. (gegebenenfalls Kontakt mit der Kreisgemeinschaft Fischhausen aufnehmen!). Siehe auch den Bericht von Michael Labinsky unter http://www.labinsky-achenbach.de/Gebauershoehe/gebauer_stein_artikel_1.htm



[1] Albert Zweck, Samland, Pregel- und Frischingstal, S. 24
[2] Edgar Schumacher, Heimatbiolder, die ich gemelat habe, Unser schönes Samland, Sommer 2016, S. 50
[3] Hans-Georg Klemm, Der Warnicker Forst und Oberförster Gebauer, Unser schönes Samland, Sommer 2018, S. 23 ff
[4] Hans-Georg Klemm in Unser schönes Samland, Sommer 2008, S. 17
[5] Albert Zweck, Samland, Pregel- und Frischingstal, S. 9
[6] Oskar Schlicht, II, S. 74
[7] Hans-Georg Klemm, Der Warnicker Forst und Oberförster Gebauer, Unser schönes Samland, Sommer 2018, S. 27

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Ortsplan von Warnicken früher
 
 
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