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Bunkermuseum "Mauerwald" und das Hauptquartier des OKH

Im Mauerwald, etwa 18 km vom Führerhauptquartier Wolfsschanze entfernt, hatte sich das OKH von 1941 - 1944 in etlichen Bunkern eingeigelt, und zwar an einem See bei Pristanien/Paßdorf – Przystan, dem Przystansee, auf dem Gelände der Försterei „Mamerki“ (Mauerwald). Dieses Hauptquartier des OKH erhielt den Decknamen „Mauerwald“. Es war unterteilt in die Bezirke „Fritz“ (operative Dienststellen des Generalsstabs des Heeres), „Quelle“ (Generalquaartiermeister mit seinen Verwaltungs- und Logistikdienststellen) und „Anna“ (Fernmelde- und Kommunikationszentralen). In diesem Camp wurden die Weisungen aus der nahen Wolfsschanze in Befehle für die Truppe umgesetzt, insbesondere für den Rußlandfeldzug. Von 1940 bis 1944 wurden hier etwa 250 Objekte, darunter 30 bis heute erhaltene Bunker aus Stahlbeton, für 40 Generäle, 1.500 Offiziere sowie Soldaten der Wehrmacht errichtet.

Im Hauptquartier des OKH versammelten sich bekannte Militärs wie Feldmarschall Walter Brauchitsch und die Generäle Franz Halder, Friedrich Paulus, Heinz Guderian, Reinhard Gehlen, Erwin Rommel, Erich Manstein. Finnland, Ungarn und Japan entsandten hierher ihre Attachées und ausländische Staatsgäste wie Mussolini, Antonescu und Mannerheim statteten hier Besuche ab. Oberst Claus Graf von Stauffenberg war im Mauerwald von Juni 1941 bis Februar 1943 stationiert. Der Geheimdienst-General Reinhard Gehlen (1902 - 1979) war nach der Niederlage bei Stalingrad im Mauerwald stationiert.[2]

Die Deutschen zogen am 20. Januar 1945 ab, ohne die Anlagen zu sprengen und deshalb zählen sie noch heute zu den am besten erhaltenen Bunkerkomplexen aus deutscher Kriegszeit. In einer der Baracken versteckten deutsche Widerständler englischen Sprengstoff, der 1943 für ein Attentat auf Hitler verwendet werden sollte, das aber nicht statt fand. Der Sprengstoff wurde einige Tage später vergraben. Obwohl die Spürhunde der Geheimen Feldpolizei ihn erschnüffelten, blieben die Verschwörer unentdeckt. Auch der Sprengstoff, der dann beim Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 Verwendung fand, stammte von hier, und zwar war es aus dem Pionierlager entwendet worden. In der Villa des Hauptquartiermeisters am See trafen sich die Verschwörer zu geheimen Sitzungen.[1]

In den heutigen Ausstellungsräumen des Mauerwalds erhält man Informationen über Forschungsprojekte der Nazi-Zeit. Dazu gehört z. B. die "Glocke", mit der unter strenger Geheimhaltung ein Antigravitationsantrieb entwickelt wurde. Ein ähnliches Gerät namens "Plasma-Fokus" kann man im Institut für Plasmaphysik in Warschau anschauen. Ausgestellt ist das Nurflügel-Jagdflugzeug Horten-Ho 229, das weltweit erste dieser Art, das im Januar 1945 eine Geschwindigkeit von 800 km/h erreichte, aber nicht mehr zu Ende entwickelt werden konnte. Ein aufregendes Entwicklungsprojekt war die "Fliegende Untertasse" Haunebu. In seiner Version III hatte es einen Durchmesser von 70 Metern, konnte bis zu 32 Menschen aufnehmen und angeblich eine Geschwindigkeit von Mach 10 = rd. 12.000 km/Std. erreichen, was aber als sehr fragwürdig erscheint. Jener Antigravitationsantrieb soll diese Geschwindigkeit ermöglicht haben und Augenzeugen berichteten, die Untertasse sei wie eine leuchtende Kugel über den nächtlichen Himmel geflitzt. Es gab nur 19 Flüge. Dann brach die Entwicklung ab. Vorgestellt wird auch die unter Wernher von Braun entwickelte Boden-Boden-Rakete V 2, die ab 9. September 1944 auf London sowie auf Städte in Belgien, Holland und Frankreich abgefeuert wurden.[3]

Seit 2003 pachtete der Bartolomiej Plebanczyk 50 ha dieses Geländes und hat dort ein Museumeingerichtet. Dazu gibt es ausführliche Informationsbroschüren, auch auf deutsch. 30 unzerstörte Bunker und Luftschutzräume sind zu sehen, davon ein Gigantbunker vom Hitler-Typ. Auf dem größten Bunker errichtete man einen Aussichtsturm mit schönem Blick auf den Mauersee.
Öffnungszeiten: 1. Mai – 30. Oktober zwischen 8°° und 20°°. Außerhalb dieser Zeiten Besichtigung für Gruppen nach vorheriger Anmeldung. Führungen u. a. in Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch.
Mauerwald Info
Karolewo 22/33
PL 11-400 Ketrzyn
Tel.: 0048 89 752 42 83 + mobil 0048 60 682 77 55
E-Mail: info@mauerwald.com
Internet: www.mauerwald.com


[1] Alfred Czesla, Mauerwald: Geschichte schadet Niemandem, Allensteiner Nachrichten, 24. 6. 2014, S. 3
[2] Ausstellungstext 2014
[3] Ausstellungstext 2014

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Übersichtsplan von Bartlomiej Plebanczyk
Schema des Bunkeraufbaus (B. Plebanczysk)
Bunkerreste im Mauerwald (Foto: Frank Schubert)
Innenleben eines Bunkers 2014
 
 
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