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Geschichte von Tanketino - Tenkiten/Tenkitten

Tenkitten war ein durchaus wohlhabender Ort, was nicht zuletzt auf die Freigabe der Bernsteinfischerei 1837 zurückgeführt werden kann. Heute ist der Ort wüst.

Die Gegend ist altes Siedlungsland. In der Nähe fand man eine Axt von 2000 v. Chr. und 1920 grub man in einem Gräberfeld bei Tenkitten einen 1200 Jahre alten Bronzering und eine 1500 Jahre alte Bronzebrosche aus der Wikingerzeit aus, die heute im Samland-Museum in Pinneberg ausgestellt werden.

Auf dem Weg von Fischhausen nach Lochstädt verlief quer zur Straße eine das Samland von der Nehrung trennende, 2 km lange und 9 Meter breite, künstlich angelegte, vom Adalbertskreuz zum Haff hin verlaufende Hügelreihe, bewachsen mit Eichen, Linden, viel Unterholz und Weißdorn, die 1242 - 1250 von den prußischen Samländern zur Verteidigung gegen den eindringenden Orden als Verteidigungslinie angelegt worden war. Die Barriere diente als Wehrzaun, auch Gertin, Gertaun genannt, und daraus entwickelte sich die Bezeichnung „Gardine“. Sie könnte auch die Grenzmarkierung eines heiligen Feldes aus der Prußenzeit gewesen sein. Die Gardine führt zur Todesstätte Adalberts von Prag, der wahrscheinlich hier 997 den Märtyrertod starb.

Adalbert von Prag (um 952 – 997) wurde als Sohn des Grafen Slawnik im nordböhmischen Lubice geboren. Am 19. Februar 982 in Prag als Nachfolger von Thietmar zum Bischof geweiht, hielt er sich zwischenzeitlich des Öfteren längere Zeit im Benediktinerkloster auf dem Berg Aventin in Rom auf, wo er als Vize-Abt wirkte. Hier entwickelte er ein enges Verhältnis zum Papst und knüpfte eine Freundschaft mit dem jugendlichen Kaiser Otto III. Nach einer letzten Zwischenstation in Prag ging er an den kaiserlichen Hof von Aachen und dann über Ungarn an den polnischen Hof, von wo aus er auf Ersuchen des Königs Boleslaw Chobry zu seinem Missionsversuch im Land der Prußen aufbrach. Der König stellte ihm in Danzig sogar ein Boot mit 30 Mann Besatzung zur Verfügung, mit dem er ins Samland segelte.

Die Missionierung stieß jedoch auf erhebliche Widerstände der Samländer. Eigentlich bereits wieder auf dem Rückweg nach Polen, wurde die kleine Evangelisten-Gruppe von samländischen Prußen am 23. 4. 997 überfallen und Adalbert erschlagen. Der polnische Herzog Boleslaw Chobry löste den Leichnam aus und ließ ihn feierlich in Gnesen bestatten. Später wurde der Leichnam Adalberts nach Prag überführt und im Veitsdom beigesetzt. In Gnesen versammelten sich 1997 zur Feier des 1000. Todestags Papst Johannes Paul II. sowie die Staatsoberhäupter von Polen, Tschechien, Ungarn, Litauen, Ukraine, Slowakei und Deutschland und gaben der missionarischen Vergangenheit des Christentums im Osten eine europäische Dimension.

Eine erste Kirche soll in Tenkitten bereits im Zeitraum 1014 – 1035 existiert haben, als König Knut von Dänemark, Schwager von Herzog Boleslaw, über das Samland herrschte. Nach anderen Quellen entstand die Kirche zur Zeit des samländischen Bischofs Johann I. (1320 – 1343), wofür spricht, dass die verwendeten Backsteine denen der Burg Lochstädt um 1270 glichen. An den Fundamenten fand man Brandspuren, die einen Wiederaufbau nach Zerstörung durch Feuer nahe legen. Ansonsten wird der Bau der Kirche in die Zeit des Ordensmarschalls Friedrich von Lansa (1422 – 1424) gelegt, der 1424 die St. Adalberts-Kapelle errichten ließ. Nachdem diese nicht mehr benutzbar war, entstand 1523 erneut eine Kapelle, die aber ebenfalls verfiel, sodass die Gottesdienste nach Lochstädt verlegt werden mussten.

In jedem Fall entwickelte sich die Kirche bis zur Reformation zu einem vom Papst gefördertenWallfahrtsort. Ein Sturm zerstörte aber am 24. November 1669 die Kirche, die nicht wieder aufgebaut wurde. Auch das Dorf wurde bei diesem Sturm schwer beschädigt. Den Altarschrein aus der Gedächtniskapelle von Tenkitten findet man jetzt im Museum der Marienburg.

Dieser Altar von 1504 – vermutlich aus einer Nürnberger Werkstatt – war ein gemeinschaftliches Geschenk des Hochmeisters Friedrich von Meißen, des Lochstädter Pflegers von Reitzenstein und des Bernsteinmeisters Leo von Waiblingen. Nach dem Einsturz der Kirche gelangte er in die Burgkapelle von Lochstädt, wurde aber Ende der 1660er Jahre verkauft. Später erwarb Herr von Blell–Tüngen den Altar und spendete ihn nebst vielen anderen Sammlerstücken der Marienburg.

Noch im 19. Jh. gab es Mauerreste der Kirche und 1847 legte man zu archäologischen Zwecken die erhaltenen Fundamente frei und deckte anschließend wieder alles mit Sand zu. Um 1840 gab es noch einmal Initiativen zum Neubau einer Adalbert-Kirche in Tenkitten. Ein solcher Vorschlag des Erzbischofs von Gnesen wurde jedoch von den protestantischen Ostpreußen verworfen, die keine katholische Kirche akzeptieren wollten, und der ersatzweise Bau einer Gedenkhalle nach Plänen von Stüler für den Märtyrer Adalbert durch König Friedrich Wilhelm IV. versickerte, bevor man zur Tat schreiten konnte. 1869 wurde das Inventar der Adalbertskirche als Brennholz versteigert. Dabei ersteigerte ein Bauer Gronau die Kanzel, den Erzengel Michael und eine Heilige aus Stoff. Die Heilige wurde Kinderspielzeug, den Erzengel drehte man um und machte daraus einen Gartentisch und die Kanzel kam in den Stall, bis irgendwann alles im Backofen landete.

Tenkitten war der Landepunkt für ein Unterseekabel nach Leba in Pommern, mit dem man 1920 die Telefonverbindung mit dem Reich herstellte. Das Kabel war 170 km lang, lag bis zu 60 km von der Küste entfernt und erreichte eine Seetiefe bis zu 110 Metern. Es war damals das längste Fernsprech-Seekabel der Welt.

In der Endphase der Kämpfe des 2. Weltkriegs lag Tenkitten im Brennpunkt der militärischen Handlungen. In einem letzten Aufbäumen verteidigte die deutsche Wehrmacht mit letzter Kraft und unter hohen Verlusten den sog. „Tenkitter Riegel“, um das Vordringen der überlegenen Roten Armee auf Pillau möglichst lange hinauszuzögern. Damit wurde der Aktion „Flucht über See“ noch 9 weitere Tage vom 16. bis 25. April 1945 die Möglichkeit geboten, Flüchtlinge mit Schiffen oder durch Übersetzen auf die Frische Nehrung zu retten.

Tötung Adalberts von Prag
 
 
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