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Pionerskij - Neukuhren

Neukuhren war ein Fischerdorf mit prußischem Ursprung. Hier beginnt die Steilküste in Richtung Westen, die bis zu 30 Meter Höhe erreicht. In der Gegend fanden sich umfangreiche Gräberfelder, in denen man sogar vorchristliche römische Münzen ausgrub. Erstmals in Chroniken erwähnt wurde Neukuhren im Jahr 1297. Während der Großen Pest 1709 wurde das Dorf fast vollständig entvölkert. Danach nahm die Bevölkerung wieder langsam zu, bis 1858 erneut etwa 140 Bewohner erreicht waren. Neukuhren besaß den einstigen künstlichen Fischereihafen an der Samlandküste, der durch breite, etwa vier Meter über dem Meeresspiegel hinausragende Steinmolen geildet wurde..

Seit 1837 war Neukuhren mit der Einrichtung von Kuranlagen ein beliebter Badeort und galt zu deutscher Zeit als ältestes Seebad Ostpreußens. Nach 1900 war es vornehmlich ein Familienbad in einer Kolonie vornehmer Villen, ergänzt durch Sanatorien und Pensionen. Dabei profitierte man davon, dass die Cranzer Übernachtungskapazitäten im Zuge des zur Mode gewordenen Sommeraufenthalts an der See nicht mehr ausreichten. Der Anschluss an die Eisenbahn nach Cranz sowie an die Samlandbahn erfolgte 1900. Die Hafenanlage ist von 1904 und wurde 1924 zum Seehafen ausgebaut..

Das Kurleben pulsierte um einen alten Birnbaum vor dem Richterschen Gasthof, in den ein Verlobungsnagel eingeschlagen war, der der späteren Ehe Glück verheißen sollte. Der Baum brannte mit dem Gasthof 1905 ab, wurde aber 1907 durch das Kurhaus der Gemeinde, das damals zu den schönsten Gebäuden im Samland gezählt wurde, ersetzt. Der alte Birnbaum ist dann stückweise versteigert worden.[5].

Ein herausragendes Gebäude im Ort war das 1910 an der Eisenbahnlinie Cranz-Neukuhren errichteteKaiserin-Auguste-Victoria-Heim als Vereinshaus der evangelischen Frauenhilfe für genesende Kinder, später Kinderheim und Volkshochschule.

Neukuhren ist mit Rauschen durch einen 6 km langen Pfad verbunden, der oben am Rand der Höhe entlang führt, dabei den kleinen Ort Rybnoje – Loppöhnen durchquert und die Wangener Spitze tangiert. Loppöhnen war ein kleines Fischer- und Bauerndorf, das im Jahr 1939 nur 155 Einwohner hatte. Vier große Bauernhöfe gaben dem Ort das Gepräge. Mit dem als Haken bezeichneten Landvorsprung, Loppöhner Spitze genannt, beginnt die Steilküste in westlicher Richtung.

Ehemals wurde ein Spaziergang westlich von Neukuhren ins Landesinnere durch das baumbestandene tiefe Lachsbachtal empfohlenen, in der der Lachsbach, auch Lorenzer Fließ genannt, dahinplätschert. Auf 6,5 km Länge von der Quelle bis zur Mündung überwindet das Bächlein einen Höhenunterschied von 60 Metern, was ihm einige Dynamik verleiht. Die westlichen und östlichen Talränder sind mitunter recht steil. Im oberen Bereich liegt der „Borsten- oder Lügenstein“, ein durch Blitz oder Frost gespaltener Findling, der einer alten Sage zufolge jeden zwischen seinen Schenkeln Hindurchgehenden erdrücken sollte, der an diesem Tag schon einmal gelogen hat.

Ölstlich von Neukuhren in Richtung Rantau befindet sich zwischen Ostsee und Wäldern die Pracherschlucht, die zumindest einst ein beliebtes Ziel für Kurgäste mit Kindern war.[6]

In Neukuhren plant man (2007) mitten im Wald auf der Steilküste mit Blick auf die Ostsee die Bernstein-Residenz für den Präsidenten der Russischen Föderation, um ihm einen komfortablen Aufenthalt in der Oblast Kaliningrad zu bieten. Eine Straße vom Neukuhrener Flughafen, die Ramtauer Strasse, führt am Gelände der Residenz vorbei.[1] Jetzt wird umfangreich repariert, Straßen werden ausgebaut, die Einwohner mit Gas versorgt, Strand und Meer gesäubert.[2] Ein Jachthafen für Luxusboote ist projektiert. Seit 2011 ist die Residenz fertig gestellt, ein ansehnliches Haus, dessen Bau 3 Mrd. Rubel (75 Mio €) gekostet haben soll. Präsident Putin hält sich dem Vernehmen nach nur selten hier auf, aber das Haus ist ja dazu gedacht, hohe Staaatsgäste zu empfangen und als Veranstaltungsort für offizielle Empfänge nicht nur auf der Ebene des Präsidenten zu dienen. Hochrangige russische Beamten nutzen die Residenz als Gästehaus. Da Ostseestürme auch hier den Strand dezimieren und das Land fortspülen, ist man bemüht, die Strandbefestigung zu verstärken.[3]

Die Residenz entstand auf einem direkt am Strand liegenden ehemaligen Kasernengelände. Ursprünglich hatte man ein benachbartes Gutsgelände in die Diskussion gebracht, das angeblich dem Reichskanzler Otto von Bismarck gehörte. Ob diese Geschichte durch Recherchen in Archiven bestätigt werden konnte, ist nicht bekannt.

Im Sommer 2007 wurde die neue Strandpromenade eingeweiht. Sie erstreckt sich über 560 Meter vom Zollhaus bis zum Kiefernwald am Rande des Ortes. Darauf entstehen Cafés, es gibt Bänke und Laternen. Am Strand kann man kostenlos baden gehen.

Das einstige Kurhaus dient heute als orthopädisches Sanatorium für junge Patienten aus ganz Russland, das Orthopädische Kindersanatorium Pionersk. Es ist nach dem neuesten Stand der Techni8k eingerichtet.[7] Herr Cord Wesemann, Nachfahre der einstigen Kurhausbesitzer und heute in Dänemark lebend, schrieb uns dazu: „Mein Urgrossvater Albert Schewski erwarb dieses und führte es als Hotel ab 1919 bis zu seinem Tod 1940. Danach wurde dieses von meiner Urgrossmutter Ida an die Wehrmacht verpachtet:diese nutzte es als Erholungsheim.“[8]

Neukuhren wird vermutlich zum Ausgangspunkt einer ausgeprägten wirtschaftlichen Entwicklung in der Oblast Kaliningrad, die sicher einen Rückhalt in der Existenz der Residenz des Russischen Präsidenten im Ort hat. Wurde der hiesige Hafen bisher ausschließlich für die Fischereiwirtschaft reklamiert, denkt man jetzt daran, den Hafen für große Passagierschiffe und für Yachten auszubauen.[9]Östlich von Neukuhren, im Gebiet von Kulikowo – Strobjehnen, entsteht bereits eine der vier oder fünf Glückspielzonen, die Präsident Putin für ganz Russland festgelegt hat.


[1] Dieter Weiß, Liebe Neukuhrener, Unser schönes Samland, Winter 2010, S. 26
[2] Jurij Tschernyschow, Putin-Residenz in Neukuhren, Oprbl. Nr. 7/2007, S. 15, s. a. Manuela Rosenthal-Kappi, Bernstein, Strand und Luxusjachten, Oprbl. Nr. 31/09 (1. August), S. 13
[3] Russland Aktuell, Putins Palast an der Ostsee wird von Wellen weggespült, 6. 3. 2013
[5] Albert Zweck, Samland, Pregel- und Frischingstal, S. 20
[6] Margarete Lehmann aus Lappöhnen im Bericht aus Neukuhren, Unser schönes Samland, Sommer 2013, S. 13
[7] Dieter Weiß, Unser schönes Samland, Sommer 2014, S. 23 f
[8] cordwesemann@yahoo.dk, 2. 11. 2009
9] Thoralf Plath, Kaliningrad: Kreuzfahrtschiffe contra Hochseefischer, Russland Aktuell, 18. 2. 2013

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