Deutsch Polnisch Russisch 
 
Link ber Facebook senden
Seite twittern
 

Thierenberg

Bischof Kristan von Mühlhausen (1276 – 1295) begründete das Kammeramt Medenau im Süden und das Kammeramt Rinau im Norden des Samlandes. Aus letzterem gingen die Kirchspiele Thierenberg, Kumehnen und Heiligencreutz hervor. Rinau bestand aber wohl wesentlich nur aus einer Burg nahe bei dem malerisch am Forkener Fließ gelegenen und heute nicht mehr existierenden Pojerstieten, das sich um 1650 im Besitz des Bernsteinmeisters Caspar Witte befand und neben Medenau die größte Ortschaft des ganzen westlichen Samlands bischöflichen Anteils war. Das Kammeramt Rinau wurde etwa Mitte des 14. Jhs. aufgelöst und Thierenberg trat die Nachfolge als zweites Kammeramt des bischöflichen Bezirks an.

In Thierenberg auf bischöflichem Land errichtete der Orden auf dem Standort einer prußischen Befestigung 1270 – 1275 eine Burg, darauf gegründet, dass der Bischof Heinrich von Strittberg sich meist außer Landes aufhielt und dem Orden für die Zeit seiner Abwesen¬heit alle Machtbefugnisse über seine Landesteile übertragen hatte. Verantwortlich für den Bau war der Landmeister Conrad von Tyrberg, der dem hier entstehenden Ort den Namen gab. Im Anfang des 16. Jhs. befand sich die Burg bereits im Stadium des Verfalls. Ihre Mauern wurden 100 Jahre später abgebrochen.

Ein Schulze ist in Thierenberg für 1325 dokumentiert. Da hatte er aber die üblichen vier Schulzenhufen bereits von einem Vorgänger übernommen, sodass die Gründung des Dorfes weiter zurückliegt. Auf einer Anhöhe nahe der Burg entstand bald nach 1330 eine eindrucksvolle Kirche, die durchaus eine der ältesten des Samlands gewesen sein dürfte. Im Innern gab es einen wertvollen Altar aus der Zeit 1511 – 1518 und eine fünfeckige Kanzel von 1581.

Aus dem Kammeramt ging das Gut Schloss Thierenberg hervor, zu dem meist die Vorwerke Markehnen, Dulack, Bärholz und Auerhof gehörten. Bischof von Bünau verlieh das Kammergut 1508 einem Niclas von Niederbach, der es bereits längere Zeit verwaltet hatte. Da diese Familie 1618 ausstarb, kam das als wüst geschilderte Haus Thierenberg zu Lehnsrechten an Karl von der Ölsnitz. Von diesem übernahm es 1638 für 17.000 preußische Mark Georg von Auer, dessen Nachkommen es dann lange Zeit besaßen und von denen auch die benachbarte Ortschaft Auerhof ihren Namen erhielt. Um 1700 war ein Conrad von Auer Eigentümer von Thierenberg, Dulack - dem alten Tullauken - und Kotzlauken, mit insgesamt 37 Hufen 23 Morgen. Kotzlauken, in dem einst sumpfigen Tal des Forkener Fließes gelegen, wurde in einer Urkunde von 1331 als das Lager der „Kaucalisken“, der Unterirdischen, bezeichnet. Weitere Besitzer in früherer Zeit waren 1728 ein Prinz von Holstein, die Familien von Quoß, von Montowt und von Batocki, ferner Stein und Kroeck.

Im Vorwerk Markehnen wurde 1877 eine wissenschaftlich begründete Tiefenbohrung vorgenommen, mit 205 Metern die damals tiefste im Samland überhaupt, die im Ergebnis folgende Schichtungen des Untergrunds ergab: Quartär 3,3 Meter, Braunkohlenformation 43,7 Meter, Glaukonit¬sande mit vorkommendem Bernstein 45 Meter, sandige Letten 18,9 und Kreide¬mergel 94,1 Meter. Im 20. Jh. ist Markehnen mit den Vorwerken Dulack und Bärholz ein selbständiges Gut geworden.

Neben dem einstigen Kammergut existierte das köllmische Gut Thierenberg, das aus dem Dorf Thierenberg hervorgegangen war.

Aber all das ist der Vergänglichkeit anheim gefallen. Dorf Thierenberg samt Kirche kamen zwar unversehrt über den 2. Weltkrieg, doch 1946 begann man in dieser Gegend mit dem Bau einesFlugplatzes. Damals wurden sämtliche Gebäude von Thierenberg und der umliegenden Ortschaftenwie z. B. Pojerstieten, Gut Kalk und Cobjeiten abgerissen, um Platz und Baumaterial zu gewinnen. Selbst das Fundament der Kirche in Thierenberg beseitigte man noch 1987. Von den Dörfern ist nichts geblieben.

Auf dem Vorwerk Bärholz nördlich von Thierenberg wurde Kurt Schustehrus (25. 3. 1856 – 25. 2. 1913) geboren, der ab 1899 Oberbürgermeister der Stadt Charlottenburg war, die 1920 nach Berlin eingemeindet wurde. Noch heute tragen eine Straße und ein Park im Bezirk Berlin-Charlottenburg seinen Namen und ich selbst bin in der Schustehrusstrasse zur Schule gegangen.

Der Ort Pojerstieten wurde anlässlich einer Landverleihung 1325 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1384 eine Landzuweisung von 40 Hufen durch Markgraf Albrecht zu Brandenburg. Es gab hier mehrere Güter. So verlieh der Herzog am 24. 5. 1544 ein Gut mit Krug und mit 5 Hufen + 3Morgen Land an den Krüger zu Kalck Paul Welung.[1] Doch sämtliche Gebäude wurden nach 1945 abgerissen und der Schutt zum Bau des neuen Flughafens bei Thierenberg verwendet. Auf dem 150 ha großen Gut wohnte zuletzt die Familie Jonischkeit.[2]


[1] Karl Willamowius, Das Gut Kalk bei Pojerstieten, Unser schönes Samland, Herbst 2013, S. 79
[2] Karl Willamowius, Lindenstrasse 77, 10969 Berlin in Unser schönes Samland, Frühling 2011, S. 29 f




Einstige Ordenskirche,Thierenberg
Rekonstruktion Burg Thierenberg
Thierenberg mit Gut Bärholz
 
 
©2005 - 2011 www.ostpreussen.net, powered by dev4u®-CMS
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren