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Darstellungen der letzten deutschen Gutsbesitzerfamilie über Losgehnen und das Gut

Bericht von Wolf-Hermann Tischler – August 2009 – über das Rittergut Losgehnen (Lusiny)

(w-h.tischler@t-online.de)

I. Namen: Frühere Namen waren u.a. Losien, Losein, Lusien, Lusiggen

II. Das Gut Losgehnen

Die abgebildete Skizze vom Gut Losgehnen erstellte mein Vater (Wolfgang Tischler) 1993.


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Bericht von Wolf-Hermann Tischler – August 2009 – über das Rittergut Losgehnen (Lusiny)

(w-h.tischler@t-online.de)

I. Namen: Frühere Namen waren u.a. Losien, Losein, Lusien, Lusiggen

II. Das Gut Losgehnen

Die nebenstehend abgebildete Skizze vom Gut Losgehnen erstellte mein Vater (Wolfgang Tischler) 1993.

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Legende der Gutsskizze:

Gutshaus und Park

  1. Auffahrt zum Gutshaus
  2. Teich schräg gegenüber vom Gutshaus
  3. Gutshaus
  4. Gartenpark
  5. Lindengänge
  6. Blumengarten

Erster Hof

  1. Einfahrt zum Hof
  2. Molkerei, Wagenremise, Bullen- und Kälberstall
  3. Kuh- und Schweinestall, über letzterem der Hühnerstall
  4. Scheune/Speicher

Zwischen Gutshaus und zweitem Hof

  1. Kutscher- und Gärtnerwohnungen
  2. Schmiede
  3. „Rotes Haus“ – Wohnungen für Landarbeiter
  4. Weitere Wohnungen der Landarbeiter
  5. Rinderweide
  6. Pferdeweide

Zweiter Hof

  1. Schafstall
  2. Schweine/Speicher
  3. „Eisberg“
  4. Pferdestall
  5. Scheune – Speicher – Stellmacherei
  6. Wohnhäuser

See – Seefichten – Brostkerster Fichten

  1. Brücke über den Dostfluß
  2. Schleuse (reguliert Dostfluß und Kanal zum See)
  3. Kanal zum See
  4. Dostfluß
  5. Nohner Weg über Kinkeim
  6. Seefichten
  7. Familienbegräbnis
  8. Seepark
  9. Kinkeimer See
  10. Grenze See – Nohner Weg zum Gut Kinkeim
  11. Stelle der Roggenberge im Winter
  12. Brostkerster Fichten

Schierling-Wald

  1. Schierling
  2. Försterhaus

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Marie Lange, geb. Tischler, schrieb 1955 über das Gut: „Ganz Losgehnen ist eigentlich ein Park. Wald wechselt mit Wiese, Wasser und Bruch und fruchtbaren Felderstrecken. Wo die Natur nur irgendein karges Plätzchen gelassen hatte, hatte mein Vater (August Julius Oscar Tischler) helfend eingegriffen. So entstand am Kinkeimer See, der etwa zu einem Drittel uns

gehörte, auf einer sandigen Landzunge der sog. „Seepark“. (3)

Eine Schleuse reguliert über einen Kanal den Wasserzulauf vom Dostfluss zum Kinkeimer See.

„Das große Gutshaus war 1854 von meinem Großvater Tischler (Friedrich Alexander Tischler), der Baumeister war, in dem damaligen Stil erbaut worden. Es ähnelte den Nachbarhäusern in Sandlack und Glittehnen. Eine breite Front, davor eine gedeckte Terrasse, von der aus man einen weiten Blick bis Kinkeim hatte, und von der Steinstufen zur Auffahrt führten. Hinten war ein großer Garten von alten verschnittenen Laubengängen, die

schon im Jahre 1832 gepflanzt waren, eingerahmt. Eine alte Eiche, deren Alter wir auf mindestens 300 Jahre schätzten, breitete ihre Zweige aus.

In einer Ecke des Gartens stand auf einer kleinen Anhöhe ein kleiner Rundtempel. Von da aus schweifte der Blick weit in die Ferne, bis zum Nachbargut Dietrichswalde. Außer dem Schierling gehörten noch zwei Wäldchen zu Losgehnen: die ‚Seefichten’, in denen sich das Erbbegräbnis der Familie befand, und die ‚Brostkerstner Fichten’.“ (3)

Fritz Tischler beschrieb die Familiengrabstätte wie folgt: „Zu unserem Gut gehörte eine Eigenkapelle mit einem kleinen Friedhof. In der Kapelle standen auf niedrigen Holzpodesten die Särge meiner Vorfahren (väterlicherseits). Zu ihnen gehörte der Sarg von Otto Tischler, der ein Bruder meines Großvaters (August Julius Oscar Tischler) war.“ (4)

Friedrich und Rose Tischler nahmen sich am 29. 1. 1945 beim Einmarsch der Russen vor der Familiengrabstätte das Leben. Dort befindet sich nebenstehend abgebildeter Gedenkstein. Die Grabstätte wurde von den einmarschierten Russen vollkommen zerstört.

Auf dem Gut gab es außerdem zwei Bauernstellen, die folgenden Familien gehörten (2):

Brechmann, Willi 16,26 ha und Sagitzki, Karl 17,00 ha

Die zuständige Schule befand sich im benachbarten Gut Kinkeim wenige Kilometer entfernt. „Die 5te Schule kommt in dem Adel. Guth Kinkeim zu stehen, wozu geschlagen werden 1. Kinkeim,(5). Losgehnen Hr. v. Knobloch und Hr. Liedtke zur Hälfte,“(5) Heute befindet sich in dem ehemaligen Schulgebäude eine Kapelle.

III. Die Geschichte des Gutes Losgehnen (1)

• vor 1391 Stauno

• 1391 Gebrüder Peter und Bartitze Meditten (von Stauno gekauft)

• 1398 10,5 Morgen dazu erworben

• 1410 -1466: Besitzer unbekannt

• bis 1469 Niclas und Pittawen Fischer

• 1469 Jacob Knobloch mit 10 Hufen (1 Hufe = ~16,5 ha). Er besaß bereits 14 Hufen

• 1493 Sohn Andreas Knobloch

• 1524 Sohn Hans Knobloch

• 1570 Im Besitz der Familie Knobloch

• 1616 Nickel Knobloch (Er besaß bereits Glittehnen, Wangritten, Rothgörken, diese Güter grenzen an Losgehnen.)

• 1637 Jacob und Melchior von Knobloch

• 1656 Hans von Knobloch mit 13 Hufen. Erben des Melchior von Knobloch: 14 Hufen

• 1730 Jacob Friedrich Liedke 13 Hufen; Familie Knobloch (bis 1769) 14 Hufen

• 1760 ein Kornet von Knobloch 13 Hufen; Familie von Knobloch 14 Hufen

• 1768 Lieutenant Ciesielsky 13 Hufen; Familie von Knobloch 14 Hufen

• 1769 Lieutenant Ciesielsky 13 Hufen, Graf von Nieroth 14 Hufen

• 1770 Major von Donath 13 Hufen, Graf von Nieroth 14 Hufen

• 1771 Graf von Nieroth 27 Hufen

• 1784 Obrist von Reibnitz 27 Hufen

• 1789 Capitain von Walter u Kroneck 27 Hufen

• 1821 Friedrich Otto Puttlich 27 Hufen (Seine Tochter Bertha heiratete Friedrich Alexander Tischler)

• 1864 Oscar August Julius Tischler (Sohn von Friedrich Alexander und Bertha Tischler) und Marie, geb. Kowalski, 27 Hufen

• 1935 Erbengemeinschaft: Georg, Friedrich, Oscar u. Marie Tischler, Oscar Tischler stand als Treuhänder dem Gut vor.

• ab 1945 unter polnischer Verwaltung

• ab ~2005 drei Brüdern Romanow

IV. Persönlichkeiten

Friedrich Alexander Tischler (1805-1864), Baukondukteur (Architekt), errichtete 1854 das Gutshaus in Losgehnen. Auch die ev. Kirche in Rossitten (Kurische Nehrung) wurde nach seinen Plänen gebaut. Er war mit Bertha Emilie Fredericia geb. Puttlich (1822-1873) verheiratet.

Dr. Otto Tischler (1843-1891) war der bedeutsamste Vorgeschichtler Ostpreußens. Er wird als einer der Begründer der modernen Archäologie gesehen. Sohn von Friedrich Alexander Tischler.

Friedrich Carl Adalbert Tischler (1844-1870). Er war Observator an der Sternwarte zu Königsberg. Seine Doktorarbeit schrieb er „Ueber die Bahn von Tuttle`s Comet“. Am 14.08.1870 starb er an den Folgen einer Kriegsverletzung. Sohn von Friedrich Alexander Tischler.

Prof. Dr. phil., Dr.h.c. med., Dr. h.c. agr. Georg Friedrich Leopold Tischler (1878- 1955) war Leiter des Botanischen Instituts und Gartens in Kiel. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten über Pflanzenzellen und seine Bücher über Pflanzenkaryologie. Sohn von Oscar Tischler (3. Sohn von Friedrich Alexander Tischler). Er heiratete 1909 Gisela Josepha H. W. Freiin von Funck.

Dr. h. c. Friedrich Tischler (1881-1945), Bruder von Georg Tischler, war Amtsgerichtsrat in Heilsberg/Ostpr. (Lidzbark-Warminski) und der bekannteste Ornithologe Ostpreußens. 1941 veröffentlichte er das zweibändige Standardwerk „Die Vögel Ostpreußens und seiner Nachbargebiete“. 1922 heiratete er die Studienrätin Rose Kowalski. Beide nahmen sich am 29.01.1945 beim Einmarsch der Russen vor der Familiengrabstätte in Losgehnen das Leben.

Prof. Dr. phil. Fritz Tischler (1910-1967), Sohn von Georg Tischler, war Vorgeschichtler in Duisburg. Er leitete bis zu seinem Tod das ehemalige Niederrheinische Museum und erwarb u.a. große Verdienste durch seine Ausgrabungen in der kriegszerstörten Altstadt von Duisburg. 1940 heiratete er Barbara Wendig (1914-2009). 3 Kinder

Prof. Dr. phil .Wolfgang Tischler (1912-2007), Sohn von Georg Tischler, war Inhaber des ersten Lehrstuhls für Ökologie im deutschsprachigen Raum in Kiel. Er veröffentlichte eine Großzahl an Arbeiten und Büchern. So z. B. 1955 Synökologie der Landtiere, 1965 Agrarökologie, 1976 Einführung in die Ökologie (4 Auflagen), 1992 Ein Zeitbild vom Werden der Ökologie. 1938 heiratete er Ursula Wendig (1910-1989). 4 Kinder

V. Quellen

• (1) Behnisch, Johann Gottlob Versuch einer Geschichte der Stadt Bartenstein, Königsberg 1836

• (2) Steppuhn, Hans-Hermann Heimat-Kreisbuch Bartenstein-Ostpreußen, München 1983

• (3) Lange, Marie geb. Tischler Ganz Losgehnen ist eigentlich ein Park aus „Unser Bartenstein“ Nr. 10, Okt 1955

• (4) Tischler, Fritz Otto Tischler in La Tène, aus Studien zur europäischen Vor- und Frühgeschichte, Neumünster 1968

• (5) Schul Fundations-Protokoll der Königl. Local-Schul-Commission im Kirchspiel, Bartenstein - Actum Bartenstein den 19. Febr. 1737 (aus (1) Behnisch, Königsberg 1836)

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