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Das Schloß in Klein Beynuhnen

Von dem einst berühmten musealen Schloß blieb nurmehr die Erinnerung. Der Ostflügel entstand 1850 - 1854, Mitteltrakt und Westflügel folgten 1862-1864. Wesentlicher Berater des Bauherrn Fritz v. Fahrenheid war der Bildhauer Albert Wolf (1815 - 1892), dessen Kunstverständnis sich an früheren Projekten Schinkels orientierte.
Das Vestibül und 9 Säle im Ostflügel mit Bibliothek und Kupferstichkabinett und einschließlich des Großen Antikensaals waren seit 1884 öffentliches Museum. In den Privaträumen des Westflügels gab es das Karyatidenzimmer, das Nachbildungen der berühmten Figuren des Erechteion-Tempels auf der Akropolis in Athen präsentierte. Ausgangspunkt der Sammlungen waren 125 Gipsabgüsse nach antiken Skulpturen, Porträts und Reliefs, im Laufe der Jahrzehnte ergänzt um Marmorrepliken antiker Werke, zeitgenössische Plastiken und Gemälde – vor allem Werke der italienischen Spätrenaissance und des Frühbarock als Originale und als Kopien.

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Von dem einst berühmten musealen Schloß blieb nurmehr die Erinnerung. Der Ostflügel entstand 1850 - 1854, Mitteltrakt und Westflügel folgten 1862-1864. Wesentlicher Berater des Bauherrn Fritz v. Fahrenheid war der Bildhauer Albert Wolf (1815 - 1892), dessen Kunstverständnis sich an früheren Projekten Schinkels orientierte. Wolf war Schüler von Christian Daniel Rauch und begleitete Fritz v. Fahrenheid vielfach auf Reisen und beriet ihn sowohl bei Schlossbau wie Schlosseinrichtung, arbeitete an Antikenkopien und restaurierte antike Originale. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die „Löwenkämpfer“ (nach einem Entwurf von Christian Daniel Rauch) auf der westlichen Treppenwange des Alten Museums in Berlin. Ein besonderer Blickfang am Beynunhner Schloss war die Karyatidentreppe am rechten Seitenflügel nach dem Vorbild des Erechtheions auf der Athener Akropolis. Ein weiterer Höhepunkt war der Antikensaal, konzipiert nach dem Vorbild der Glyptothek von Leo von Klenze in München mit seiner berühmten Sammlung von griechischen und römischen Marmorstatuen. Ausgangspunkt der Sammlungen waren 125 Gipsabgüsse nach antiken Skulpturen, Porträts und Reliefs, im Laufe der Jahrzehnte ergänzt um Marmorrepliken antiker Werke, zeitgenössische Plastiken und Gemälde – vor allem Werke der italienischen Spätrenaissance und des Frühbarock als Originale und als Kopien. Das Vestibül und 9 Säle im Ostflügel mit Bibliothek und Kupferstichkabinett und einschließlich des Großen Antikensaals waren seit 1884 öffentliches Museum.

Der Park umfasste eine Fläche von 150 ha. In seiner Mitte erhob sich auf einer kleinen Anhöhe ein dorisches Tempelchen, das in seinem Innern eine Nachbildung der Laokoongruppe barg. Am Rande befand sich die Grabstelle für Fritz v. Fahrenheid und seinen Freund von Salpius, errichtet nach dem Vorbild der Humboldt-Grabstätte an dem kleinen Schlösschen in Berlin-Tegel mit der Nachbildung einer Figur des dänischen Bildhauers Bertel Thorwaldsen auf einer hohen Säule. Den Grabstein zierte der Spruch:

Verlassend eine Welt reich
an unbefriedigter Sehnsucht,
erharre ich in Demut
der großen Offenbarungen im Herrn

Im Park soll es noch 2 Grabplatten geben, davon eine mit dem Fahrenheidschen Wappen. An der Parkgrenze entstand ein großes landwirtschaftliches Wirtschaftsgebäude im Stil einer Ordensburg mit Stallungen und einer großen Scheune, konzipiert von dem Architekten Hermann Gemmel (1814 – 1868), dessen Ruine heute eindrucksvoll den Blick über das Anwesen dominiert.

Nach der Eroberung durch die Rote Armee wurden die Sammlungen von sowjetischen Trophäenkommissionen requiriert, soweit sie nicht zerstört worden waren, und das Schloss, das den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hatte, brannte nieder und wurde abgerissen. Der Verbleib der Exponate ist weitgehend unbekannt. Manches mag von privaten Liebhabern vereinnahmt worden sein. Immerhin existiert mit Sicherheit noch eine Statue, die lange Jahre in einer Nische im Turm des Gärtnerhauses ihr Dasein fristete. Es handelt sich um den Abguss der sog. Großen Herkulanerin, die seit 2003 vor dem Antiquitätenladen im Wrangelturm von Königsberg stand und deren Inhaberin die Statue polnischen Antiquitätensammlern abgejagt hatte.[1] Das Original der Statue ist eine Werk eines Bildhauers aus dem 1. Jh. n. Chr., das auf ein griechisches Vorbild um 300 v. Chr. zurückgeht und gehört zu den bekanntesten Stücken der Dresdner Skulpturensammlung im Albertinum. Gefunden wurde die Figur 1709 beim Brunnenbau unterhalb des Vesuv und entpuppte sich als eine von drei Gewandstatuen des Theaters von Herculaneum, das 79 n. Chr. unter einer dicken Lavaschicht begraben wurde. Sie gelangte 1713 in die Sammlung von Prinz Eugen von Savoyen-Carignan und von dort 1736 in die Antikensammlung des sächsischen Kurfürsten August Friedrich II. nach Dresden. Heute ist sie Bestandteil der Kunstsammlung der Kaliningrader Kunstgalerie in der Börse.

Das Gärtnerhaus ist eines von wenigen Überbleibseln der einst prächtigen Anlage. Es wurde errichtet im italienischen Landhausstil der Renaissance. Im Gärtnerhaus wohnte ab 1946 die Familie des Kolchosvorsitzenden. Dessen 93jährige Witwe (2006) lebte immer noch dort und hat sicher dazu beigetragen, dass das Gebäude und mit ihr die Statue bis heute die Zeiten überstand.

In Königsberg trifft man auf weitere Skulpturen, die ihren ursprünglichen Platz mit großer Wahrscheinlichkeit in Beynuhnen hatten. In der Kunstgalerie, einst am Moskowski Prospekt, jetzt im Gebäude der Börse, befindet sich die weiße Marmorstatue des süddeutschen Bildhauers Joseph von Kopf (1827 – 1903) von 1857 aus dem Roten Salon des Schlosses, ursprünglich angefertigt als Allegorie des Sommers für die Villa Berg in Stuttgart, im Beynuhner Sammlungsverzeichnis aufgeführt als „Ceres“, die römische Göttin der Fruchtbarkeit und des Erntesegens. Das Museum für Geschichte und Kunst in der Stadthalle am Schlossteich besitzt die Marmorkopie einer kauernden Aphrodite[2]. Eine solche befand sich im Kupferstich-Saal in Beynuhnen. Das Original gehörte zur Ausstattung einer antiken Villa, die 1779 von Papst Pius VI. und deren Kopie um 1884 von Fritz von Fahrenheid erworben wurde. Ebenfalls die Marmorkopie einer kauernden Aphrodite befindet sich, wenn auch in weniger gutem Zustand, im Künstlerhaus neben der Luisenkirche.



[1] Bertram Faensen, Königsberger Bürgerbrief, Sommer 2006, S. 52
[2] Im Königsberger Bürgerbrief, Winter 2009, S. 64, wird auf eine badende Aphrodite aus Beynuhnen hingewiesen, die eine Marmorkopie eines Bronzeabgusses der vom Bildhauers Doisalses geschaffenen „Badenden Aphrodite“ war, der sich im den Vatikanischen Museen befindet



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