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Vorwerk Bischunen bzw. Angerapp

Zu Darkehmen gehörte das Vorwerk Bischunen, dem der Besitzer vom Anfang des 17. Jhs., Regimentsrat und Kanzler Christoph von Rappe, den Namen "Angerapp" gab. Am 9. 5. 1673 erbte Johann Friedrich von Rappe die Besitzung, gefolgt von Carl Ehrenreich von Rappe. Durch die Folgen der Pest und von Bränden fiel das Gut 1726 in Konkurs und mußte von der Familie von Rappe aufgegeben werden. Es übernahm der Cornet und spätere Rittmeister Christian Wilhelm Lau die Begüterung, reorganisierte die Bewirtschaftung sehr erfolgreich, besetzt die Fischteiche mit Karpfen usw. und wurde 1729 geadelt. Er errichtete ein neues Herrenhaus, eine Brennerei und eine Brauerei und legte den Park neu an.

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Zu Darkehmen gehörte das Vorwerk Bischunen. Zusammen mit ihren Gütern in den Ämtern Nordenburg uud Gerdauen gehörte das Vorwerk in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. zum Besitz der Grafen von Schlieben. 1618 folgte als neuer Besitzer von Bischunen der Hauptmann Wolf von Kreytz.. Dieser verkaufte das Vorwerk zusammen mit seinen Dörfern Klein Medunischken, Stawischken, Klein Szabienen und Plimballen an seinen Schwiegervater, den kurfürstlichen Regimentsrat und Kanzler Christoph von Rappe. Dieser gab dem Vorwerk den Namen Angerapp.

Am 9. 5. 1673 erbte Johann Friedrich von Rappe die Besitzung, gefolgt von Carl Ehrenreich von Rappe. Durch die Folgen der Pest, zusätzlich dem Ausbruch einer Viehseuche und von Bränden fiel das Gut 1726 in Konkurs und mußte von der Familie von Rappe aufgegeben werden. Es übernahm 1728 der Cornet und spätere Rittmeister Christian Wilhelm Lau die Begüterung, reorganisierte die Bewirtschaftung sehr erfolgreich, besetzt die Fischteiche mit Karpfen usw. und wurde 1729 geadelt. Er errichtete ein neues Herrenhaus, eine Brennerei und eine Brauerei und legte den Park neu an. Bis zu seinem Tod 1750 steigerte er den Wert seines Besitzes um das Zehnfache. Vom Rittmeister erbte das Vorwerk dessen Halbbruder, der Hofrat Johann Jakob Hoffmann, 1752 geadelt. Dieser war Schwiegervater von Reinhold Friedrich Fahrenheid, dem reichen Königsberge Kaufmann, und der erwarb 1762 das Vorwerk Angerapp für seinen noch unmündigen Sohn Johann Friedrich Wilhelm Fahrenheid und verpflichtete Hoffmann, bei Eintritt der Großjährigkeit den Besitz an den Sohn zu übertragen. Das passierte 1773.

Die Familie Fahrenheit stammte ursprünglich aus Westfalen, wo sie 1481 urkundlich in Erscheinung trat. 1512 wanderte der Kaufmann Hans Fahrenheit aus Bielefeld über Rostock nach Königsberg aus und erwarb das Bürgerrecht auf dem Kneiphof. Die Familie heiratete in die führenden Kaufmannsfamilien des Kneiphof ein, erwarb das Salzmonopol von Königsberg und kam so zu großem Wohlstand. Ein Zweig der Familie wurde zu der wohlhabenden Gutsbesitzerfamilie Fahrendheid und den Kriegsrat Friedrich Wilhelm Fahrenheid erhob König Friedrich Wilhelm II. am 2. 10. 1786 in den erblichen Adelsstand. Ein anderes Mitglied der Familie, Reinhold Fahrenheit, verzog 1650 nach Danzig und lebte dort als wohlhabender Kaufmann. Sein Enkel Daniel Gabriel Fahrenheit (24. 5. 1686 – 16. 9. 1736) war jener berühmte Physiker, der dem vornehmlich in den USA und England verbreiteten Temperatur-Meßverfahren seinen Namen gab. Sein Geburtshaus in Danzig in der Hundegasse 95 – ul. Ogarna existiert heute noch. Er ging 1714/1715, als er gerade nach Amsterdam übergesiedelt war, dazu über, statt des bis dahin verwendeten Weingeists seine Thermometer mit Quecksilber zu füllen und konnte dadurch die Messgenauigkeit erheblich steigern. Zum Nullpunkt wählte er die niedrigste Temperatur, die im Winter 1709 in Danzig gemessen worden war. Er wurde 1724 als Mitglied in die Royal Society aufgenommen und starb trotzdem arm in einem Gasthaus in Den Haag anlässlich einer Reise. Vermutlich wurde er dort in der Klosterkirche als Mittelloser begraben.

Der kaufmännisch besonders begabte Reinhold Friedrich Fahrenheid (1703 – 1781) schuf ein großes Vermögen, das die Basis für die späteren künstlerischen Ambitionen der Familie bildete. So lieferte er als Inhaber des Königsberger Salzmonopols in den Jahren 1749 – 1758 jährlich 3.000 bos 4.000 Tonnen Salz an das benachbarte Großherzogtum Litauen und während der Besetzung Ostpreußens durch die Russen verdiente er wohl recht gut an Lieferungen von großen Mengen Getreide und Mehl an die russischen Magazine.[1] Er verwendete sein Geld aber auch für mildtätige Zwecke. So stiftete er ein Armenhaus, das nach ihm benannt wurde. Dieses Fahrenheid-Stift erhielt 1899 einen großen Neubau. Dieser überstand den 2. Weltkrieg, steht unter Denkmalschutz, wurde restauriert und beherbergt heute das Meeresforschungsinstitut der Universität Königsberg.[2] Er war es auch, der 1762 das Gut Angerapp für seinen noch unmündigen Sohn Johann Friedrich Wilhelm erwarb.

Johann Friedrich Wilhelm Fahrenheid (17. 2. 1747 – 7. 9. 1834) übernahm also 1773 das Gut Angerapp samt Vorwerken. Fast wäre es dazu nicht gekommen, denn der Jüngling wollte entgegen dem Wunsch des Vaters zum Militär und schrieb sich einfach bei den „Schwarzen Husaren“ ein. Nur mit größter Mühe gelang es der Familie und Freunden, den Vater zu besänftigen und die drohende Enterbung zu vermeiden. Johann Friedrich Wilhelm nahm seinen Abschied, studierte Rechts- und Verwaltungswissenschaften und machte 1770 sein Examen.

Von 1770 bis 1774 war er Kriegsrat bei der Domänenkammer in Gumbinnen, anschließend bis 1879 in Königsberg, um sich dann seinen landwirtschaftlichen Betrieben zu widmen. Als Gutsherr baute er eine Pferdezucht mit Tieren aus Ungarn und England sowie eine Viehzucht auf und durch ihn entstand das erste Privatgestüt von Bedeutung in der Lithauischen Provinz.

Johann Friedrich Wilhelm Fahrenheid kaufte 1804 zwei hervorragende englische Zuchthengste, die nacheinander zu Hauptbeschälern in Trakehnen wurden und gehörte damit zu den Pionieren unter den Privatzüchtern, die englisches Vollblut nach Ostpreußen importierten. Das Fahrenheidsche Gestüt wurde nicht nur berühmt, sondern auch Ausgangspunkt weiterer Spitzenpferde orientalisch-englischer Provenienz.

Auch sonst war der Kriegsrat fortschrittlich, hob als erster Gutsbesitzer 1799 die Erbuntertänigkeit seiner Bauern auf und gründete Schulen in seinen Dörfern. Zu der Besitzung kam 1793 das im 19. Jh. durch sein Schloßmuseum berühmt gewordenen Gut Beynuhnen hinzu. 1777 hatte er Friederike Amalie, geb. Austin, verwitwete v. Redecker (1745 – 1795) geheiratet. Der älteste Sohn und Erbe war Friedrich Heinrich Johann v Fahrenheid (1780 – 1849). 1786 erhob ihn der König in den erblichen Adelsstand. Die Aufnahme in den Grafenstand auf Vorschlag des Freiherrn von Schroetter (1743 – 1815) lehnte er jedoch ab. In einem Brief äußerte er dazu“…, so muss ich Dir mit Herz und Mund bekennen, dass ich auch nicht den mindesten Sinn für diese Standeserhöhung habe. Helfen kann mir der Graf nicht, wohl aber würde er tausend Inkonvenienzen … mit sich führen.“[3]

Der Sohn Friedrich Heinrich Johann v. Fahrenheid studiete ab 1799 in Königsberg bei Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte und Christian Jakob Kraus. Die Kavalierstour führte ihn nach Paris und durch Frankreich und von dort nach Amerika, wo er u. a. Präsident Thomas Jefferson besuchte. 1802 kehrte er von dort nach England zurück, wo er sich besonders für die dortige Vieh- und Pferdezucht interessierte und in großem Umfang englisches Rindvieh sowie Hengste und Stuten für den heimischen Betrieb kaufte. Nach fünf Jahren kehrte er über die Schweiz und Oberitalien nach Ostpreußen zurück. 1808 heiratete er eine Pfarrerstochter, die Schwester eines befreundeten Studienkollegen. Ein weiterer befreundeter Studienkollege war der später als Arzt in Königsberg höchst anerkannte William Motherby (siehe auch unter Arnsberg, Kr. Pr. Eylau). Friedrich Heinrich Johann v. Fahrenheid wurde ebenfalls wie sein Vater zum Kriegsrat ernannt. Er führte umsichtig und besonnen seine vielen Gutsbetriebe und erwarb sich gro0e Anerkennung als Landwirt und Pferdezüchter und Verantwortlicher für eines der größten Privatgestüte Europas. Zu seinen Lebzeiten wurde er respektvoll „Der Angerapper“ genannt.[4]

Nach seinem Tod wurde der Besitz auf die drei Kinder verteilt. Fritz von Fahrenheid erhielt Klein Beynuhnen und Angerapp, Emilie Henriette Friederike (1811 – 1880) die Dombrowkenschen Güter sowie den Besitz Auerfluß und Wolleklen und Friederike Charlotte (1813- 1893), die mit Siegfried von Bujack (gest. 1871) verheiratet war, den Besitz Groß Medunischken und das Gut Oschnagorren.

Sein Sohn Fritz von Fahrenheid (1815 – 1888) war insbesondere mit der Begüterung Klein Beynuhnen verbunden und wird dort behandelt.

Nach dem Tod des letzten männlichen Erben Fritz von Fahrenheid 1888 erbte den Beynuhner Besitz mit Gut Angerapp der Sohn der Schwester Friederike, Philipp von Bujack (1842 - 1892), der selbst den Namen Fahrenheid annahm. Da dessen Sohn Horst von Bujak (1867 – 1904) keine männlichen Nachkommen hatte, wechselte nach dessen Tod erneut die Erbfolge.

Die Schwester von Philipp von Bujak, Anna Theodora, hatte 1868 den Hauptmann und späteren General Johann Friedrich Eduard von Altenstadt (1836 – 1925) geheiratet. Sie erbte zunächst Groß Medunischken und nach dem Tod ihres Neffen die Herrschaft Beynuhnen Durch veränderten Erbvertrag von 1904 wurde ihrem ältesten Sohn Wolfgang Schmidt von Altenstadt (1869 – 1924) die Herrschaft über Beynuhnen übertragen und dieser nahm den Namen „Fahrenheid-Beynuhnen“ an.[5]

Auf dessen Besitzung im heute polnischen Rapa - Angerapp hat sich das Mausoleum der Familie Fahrenheid erhalten.

Das Gutshaus von Angerapp wurde 1946 stark zerstört und dann abgetragen.[6]



[1] Rüdiger von Voss, Niemandsland, S. 81
[2] Rüdiger von Voss, Niemandsland, S. 84
[3] Rüdiger von Voss, Niemandsland, S. 89
[4]
Rüdiger von Voss, Niemandsland, S. 98 ff
[5] Rüdiger von Voss, Niemandsland, S. 234
[6] Rüdiger von Voss, Niemandsland, S. 108

 
 
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