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Geschichte von Nesterov - Stallupönen/Ebenrode

Der Ort bestand schon als prußische Siedlung, in der es einen besonderen heidnischen Opferstein gegeben haben soll. Noch für 1730 liegen Berichte über Litauer vor, die am Himmelfahrtstag zu einem prußischen Opfertisch mit Götzenbild gewallfahrt sind.

Zu Beginn der Herzogszeit richtete man sein Augenmerk verstärkt auf die Wildnis-Gebiete und begann dort mit Rodungen, um Land als Kompensation für die nach dem 2. Thorner Frieden verlorenen Gebiete zu schaffen. Zur Rodung stellten sich viele Litauer ein, die dann auch in der Gegend von Stallupönen nieder ließen. Die Siedlung wurde 1539 als Marktflecken angelegt, bekam um 1590 die erste Kruggerechtigkeit nach Kölmischem Recht, 1665 das Recht zur Durchführung von Wochenmärkten und erhielt am 22. 6. 1722 die Stadtrechte von König Friedrich Wilhelm I., weshalb man im Jahr 2002 das 280jährige Stadtjubiläum feierte. Die Planung des Straßenrasters stammte von Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt. Während der Zeit der Großen Pest 1709 - 1711 wurde die Gemeinde stark entvölkert. Sie soll hier 1.600 Opfer gefordert haben. Weiteres Ungemacht entstand durch einen großen Stadtbrand 1719. Der König sorgte jedoch für einen umfassenden Ausbau des jungen Städtchens, indem er dem Dorfkern 200 neue Bürgerhäuser hinzufügen ließ, die den Kolonisten für 200 Taler zum Kauf bei günstiger Finanzierung angeboten wurden. Zuzug kam dadurch sehr bald von Nassauern, Franken und Schweizern sowie 1732 von Salzburgern.

Der Rektor der Schule am Alten Markt wurde 1740 als Prediger nach Tollmingkehmen versetzt. Um die pädagogische Lücke zu schließen, verfügte der Magistrat von Stallupönen, dass der Theologiestudent Christian Donaleitis die damit frei gewordene Lehrerstelle einzunehmen hat. Nach seiner Beförderung zum Rektor 1742 wurde Donaleitis 1743 als Pfarrer nach Tollmingkehmen versetzt.[1]

1860, also recht früh, wurde Stallupönen an das Eisenbahnnetz angeschlossen. In diesem Jahr eröffnete man die Bahnstrecke Königsberg-Stallupönen-Eydtkuhnen bis zur
Staatsgrenze. Dort erfolgte der Anschluss an die Russische Eisenbahn, wobei die Umstellung auf eine größere Schienenspur für die Weiterfahrt erforderlich war. Grenzstation war Wirballen (Wershbolowo).

Die Stadt wurde im 1. Weltkrieg 1914 von den Russen besetzt und erheblich zerstört. Kasseler Regimenter befreiten sie und Kasseler Bürger übernahmen damals die Patenschaft für den Wiederaufbau. Diese Patenschaft wurde dann nach dem 2. Weltkrieg 1954 erneuert und auf den Landkreis Ebenrode ausgedehnt. Der Kreis war am 1. 8. 1944 teilweise, im Oktober fast gänzlich geräumt worden. Nur ein kleinerer Teil des Kreisgebiets - z. B. Kattenau - konnte noch bis zum sowjetischen Großangriff am 13. Januar 1945 gehalten werden.

Bereits im Oktober 1944 gab es in der Stadt große Zerstörungen durch Bombenabwürfe. Weitere Schädigungen entstanden bei den Endkämpfen und auch noch danach, so dass von der Stadt nicht sehr viel übrig geblieben ist.

Der Name Stallupönen leitete sich ab von dem hier vorbeifließenden Flüßchen Staluppe. Am 3. 6.1938 erfolgte die Umbenennung in Ebenrode. Für den russischen Namen der Stadt seit 1947 stand der Oberst der sowjetischen Panzertruppe namens Stepan Kusmitsch Nesterov Pate, der am 20. 10. 1944 bei Kassuben gefallen ist.

Der Erfolgsautor Herbert Reinecker (24. 12. 1914 – 27. 1. 2007), in Hagen/Westf. geboren, ist über seine Krimi-Serien „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Siska“ hinaus mit Stallupönen verbunden. Sein Vater war Ostpreuße und er schrieb aus diesem Bezug heraus die Novelle „Der Jesus von Stallupönen“, in der er die Massenflucht im Winter 1945 über das vereiste Frische Haff mit allen Beschwernissen beschreibt. Dazu führte er aus: „Stallupönen ist für mich ostpreußisch. Für mich ist allein das Wort ostpreußisch bis ins Herz hinein. Also kurz gesagt: Stallupönen steht für Ostpreußen.“

In Nesterov ist 2014/15 eine neue Rapsfabrik eröffnet worden. Pro Jahr sollen 60.000 Tonnen Raps und potentiell auch weitere Ölsaaten zu Speiseöl und Tierfutter verarbeitet werden. Beschäftigt werden 30 Mitarbeiter.[2]


[1] Gumbinner Heimatbrief, Juni 2014, S. 69
[2] T.W.W., Rapsfabrik als Vorzeigeobjekt, Oprbl. Nr. 12/2015 (21. März), S. 13

Oberst Nesterov 2013
 
 
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