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Görings Jägerhof

Nachdem es Reichsjägermeister Göring nicht gelungen war, das Kaiserliche Jagdschloss zur Verfügung gestellt zu bekommen, ließ er 1936 etwa 6 km nördlich des kaiserlichen Jagdhauses auf einem 15 Meter hohen Steilhang über der Rominte den Reichsjägerhof errichten, einen nicht ganz so mächtigen Gebäudekomplex wie Carinhall in der Schorfheide. Architekt war Regierungsbaurat Prof. Friedrich Hetzelt, Berlin. Viele Vertraute Görings und ausgesuchte nationalsozialistische Kollegen kamen zu Gesprächen und zum durchaus offenen Meinungsaustausch hierher. Die ungezwungene Atmosphäre im Jagdhaus und während der Pirsch nutzte Göring aber zunehmend auch für diplomatische Gespräche und Sondierungen und gewährte seinen hochrangigen ausländischen Besuchern großzügig Gästehirsche.

Göring schoss in der Rominter Heide viele kapitale Hirsche. So z. B. den kapitalen „Raufbold“, von dem der Bildhauer Johannes Darsow eine überlebensgroße Plastik schuf, die 1937 vor dem Haupteingang zur Internationalen Jagdausstellung in den Berliner Messehallen aufgestellt wurde und seit 1970 ihren Platz an der Freilichtbühne des Tierparks in Berlin-Friedrichsfelde hat.[1] Anders als seinerzeit Kaiser Wilhelm II. während des 1. Weltkriegs verzichtete der Reichsjägermeister während des 2. Weltkriegs nicht auf ausgiebige Pirschgänge in der Rominter Heide. So wurde im Jahr 1942 von Göring der seinerzeit weltstärkste Hirsch, „Matador“, erlegt. Er war die kapitalste Trophäe der Rominter Heide überhaupt und Görings ganzer Stolz.[2] Eine andere hochkarätige Trophäe aus Görings Jagdbereich in der Rominter Heide während des Krieges befindet sich heute im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg: das Geweih des „Eggenhirsches“. Diesen kapitalen Hirsch hatte der von Göring zur Jagd eingeladene Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch im Herbst 1941 zur Strecke gebracht. Göring ärgerte sich sehr über das Jagdglück des Gastes und erließ die Order, dass zukünftig solche hochkapitalen Hirsche nur noch ihm und nicht seinen Gästen vorbehalten sind.[3]

Als im Verlauf des Jahres 1944 zunehmend festgestellt wurde, dass sich Partisanen in der Rominter Heide aufhielten, sogar ein Fahrzeugkonvoi aus der Göringschen Hofkamarilla beschossen wurde, fühlte sich Göring in seinem Jägerhof nicht mehr sicher und zog es vor, in seinem Sonderzug „Asien“, der streng bewacht in Schackummen/Eichkamp – etwa 10 km weiter nördlich - geparkt war, zu übernachten. Am 16. Oktober 1944 ging Göring ein letztes Mal in der Rominter Heide auf die Pirsch.[4] Ende Oktober 1944 verließ der Reichsmarschall die Rominter Heide für immer.

Am 1. August 1944 erging auf Weisung Görings der Befehl, den Reichsjägerhof und die Gebäude des kaiserlichen Jagdschlosses Rominten zu zerstören, sofern eine unmittelbare Feindbedrohung festzustellen ist. Als demzufolge am 20. Oktober 1944 das 2. sowjetische Gardepanzerkorps die Rominte bei Walterkehmen überschritt, steckte der Hausmeister den Reichsjägerhof Görings in Brand. Das dazu gehörende Forstmeisterhaus blieb dagegen unversehrt. Ebenso die kaiserliche Anlage. Am nächsten Tag war die Rote Armee da.

Etwa auf halber Strecke der gepflasterten Jagdbuder Strasse von Groß Rominten zum Jagdschloss Rominten zweigt ein Waldweg nach Süden ab: Lediglich Reste zeugen von dem Tor, das früher die Einfahrt zum Reichsjägerhof von Hermann Göring bildete. Lediglich Görings Bunker ist noch ziemlich erkennbar.

In dem zerstörten Gebäude waren nach dem Zusammenbruch des Kommunismus Kunsträuber aktiv. Neben den Granitplatten der Fassaden wurde sogar der Schlussstein vom Kaminsims der Kaminfassade in der großen Halle des Jagdhauses mit dem Wappen der Reichsjägerschaft rabiat ausgebaut und für 5.000,- DM bei Kunstsammlern im Rheinland angeboten. Derselbe Hehler führte noch einen Hirschgedenkstein mit sich, der für Wilhelm II. angefertigt worden war.

Göring lud 1935 den ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös an den mitten in der Rominter Heide gelegenen Marinowo-See ein. Obwohl der Ungar durch ein Versehen den Hirsch schoss, der eigentlich Göring vorbehalten war, was den Reichsjägermeister sehr verdross, ehrte man ihn, indem man dem See den Namen „Gömbös-See“ gab. Dieser Name setzte sich aber nicht allgemein durch.

Am Ufer des Marinowo-Sees stand ein elegantes Teehaus für Kaiserin Auguste Victoria, das inzwischen verschwunden ist. Auch das auf 300 Pfählen auf dem See errichtete Logierhaus existiert nicht mehr.

Eine ausführliche Darstellung des Reichsjägerhofs und Görings als Jäger findet sich in dem Buch von Uwe Neumärker und Volker Knopf, „Görings Revier“ – Jagd und Politik in der Rominter Heide, Ch. Links Verlag, Berlin 2007. ISBN 978-3-86153-457-0

Im Jahr 2013 wurde das Gelände des Reichsjägerhofs abgeholzt und freigeräumt. Dem Vernehmen nach plant die Gebietsregierung, dort am Abhang der Rominte mit schönem Blick in die Landschaft ein Restaurant für Touristen einzurichten. Ein Hinweisschild am Hauptweg nach Kaiserlich Rominten, dem Jagdbuder Weg, existiert schon.[5]


[1] Neumärker/Knopf, Görings Revier, S. 96
[2] Neumärker/Knopf, Görings Revier, S. 145
[3] Neumärker/Knopf, Görings Revier, S. 136
[4] Neumärker/Knopf, Görings Revier, S. 165
[5] Aus den Heimatkreisen - Kreis Ebenrode (Stallupönen), Oprbl. Nr. 50/2013 (14. Dezember), S. 18

Modell des Reichsjägerhofs
Tafeleindecken im Reichsjägerhof
 
 
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