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Die Puszcza Borecka - Borker Heide

In der Mitte zwischen Treuburg und Angerburg liegt das große Waldgebiet der Borker Heide (Puszcza Borecka), ein landschaftlicher Höhepunkt im östlichen Teil Südostpreußens. Das Waldgebiet ist mit rd. 17.500 ha kleiner als die Johannisburger Heide, hat aber mannigfaltigere Baumarten aufzuweisen, denn der Sandboden ist hier mit fruchtbarem Lehm durchmischt. Kiefern und Fichten wechseln sich ab mit Eichen, Birken, Erlen usw. Es gibt urwüchsige Winkel und ein großer Teil ist zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden, in dem sich einige Naturschutzreservate befinden. In den Wäldern leben Wisente in freier Wildbahn, neuerdings auch Wölfe.

Unweit des Forsthauses Walisko - Wallisko/Waldsee erstreckt sich ein Waldreservat mit einer Aufzuchtstation für Wisente. Einige Wisente aus der Gegend von Bialystok wurden 1962 in freier Wildbahn ausgesetzt und sollen inzwischen zu einem größeren Bestand angewachsen sein. Sie sind die Vorfahren unserer Rinder, sehr scheu und ebenso harmlos. Falls man ihnen begegnet, muss man sich nicht unbedingt fürchten. Nur bei Kühen mit Jungkälbern sollte man sich angemessen zurückhalten.

Bereits zu Görings Zeiten wurden in der Rominter Heide Wisente angesiedelt. Der damalige Direktor des Berliner Zoos, Prof. Dr. Lutz Heck, hatte aus spanischen Kampfstieren und südfranzösischen halbwilden Rinderrassen die Wisente zurückentwickelt, die in ihrem Erscheinungsbild jenen im 16. Jh. hier in freier Wildbahn lebenden Auerochsen sehr ähnlich waren. Beim Einmarsch der Rotarmisten landeten sie jedoch sehr schnell in deren Kochgeschirren.[4]

Im 17. Jh. war die "Rohte Heide" einem Wildnisbereiter unterstellt, der seinen Dienstsitz in Bodschwingken hatte. 1830 wurde diese Försterei nach Czerwony Dwór - Rothebude verlegt. Das Revier galt als eines der schönsten der preußischen Forstverwaltung. Erster Oberförster in Rothebude war der älteste Sohn des Freiheitsdichters Ernst Moritz Arndt. Das Dienstgehöft der Försterei wurde 1830 gebaut. Obwohl nicht mehr zeitgemäß, unterblieben Neu- oder Umbauten wegen des 1. Weltkriegs und dann auch wegen des 2. Weltkriegs. Vom Haus aus konnte man bis auf den Großen Schwalgsee blicken. Nach rechts führte eine alte Lindenstrasse zum See und zum Waldfriedhof auf der jenseitigen Höhe, auf der der Förster Brettmann, gestorben 1920, seine Ehefrau sowie sein 1939 bei Poltusk gefallener Sohn zur letztenvRuhe gebettet waren. Zum Hof der Försterei gehörte auf der Ostseite ein langes massives Stallgebäude für Pferde, Rinder und Schweine, nach Norden hin eine große Scheune aus Holz und nach Westen hin ein Schuppen, der Eiskeller und eine Remise. Im Umfeld des Hofes lag nach Südwesten der Obstgarten, nach Nordwesten der Gemüsegarten und eine Straße führte zum "Waldkater". Letzter Oberforstmeister zu deutscher Zeit in Rothebude war Ernst Wagner.[1]

Nach dem Raubbau in den Mischwäldern des 16. bis 18. Jhs. wählte man für die Wiederaufforstung im 19. Jh. schnell wachsende und frühzeitig nutzbare Nadelhölzer wie Kiefer und Fichte. Die Monokultur begünstigte die Schädlinge, und so wurde 1853 die Borker Heide vom Nonnenfraß mit anschließendem Borkenkäferfraß stark geschädigt. Der deshalb notwendige riesige Holzeinschlag stieß auf große Vermarktungsschwierigkeiten wegen der Menge und den schwierigen Transportverhältnissen. Deshalb errichtete man hier mitten im Wald auf einer Kahlschlagfläche eine Glashütte, neben der sich eine Arbeitersiedlung bildete, zu der auch ein zunehmend beliebter Krug gehörte. Dieser Krug erhielt später den Namen "Waldkater", benannt nach einem trinkfesten Forstrat jenes Namens. Das Haus hat den letzten Krieg überstanden. Die Glasfabrikation wurde bereits in den 1860er Jahren wieder eingestellt und die Arbeitersiedlung verschwand. Im Juli 1944 gelangten sowjetische Partisanen hinter die deutschen Linien in die Borker Heide und erschossen am Straßenkreuz Waldkater hinterrücks einen deutschen Wachtposten. Sie wurden eingekesselt und aufgerieben. Vor dem Waldkatergehöft steht jetzt ein Obelisk, der an sie erinnert.[2]

In Borki - Borken am Haschner See (jez. Lazno) gab es das älteste und schönste Holzhaus des gesamten Kreises. Der Giebel lag zur Straße und der Oberbau war etwas vorgezogen, wobei das Giebeldreieck von drei Stützen getragen wurde. Neben Rothebude gehörte der Forstbezirk in Borken mit dem Siewer See zu den schönsten in Preußen. Nachdem das Dienstgebäude der Försterei 1934 durch Brand stark beschädigt worden war, wurde es großzügig wieder aufgebaut mit zwei Geschäftszimmern und einer Dienstwohnung von 13 Zimmern. Feste zu feiern war nicht unüblich. Dazu war über der Innenseite der Haustür eine Tafel angebracht, auf der Stand:; "Jetzt kommt das Beste vom Feste, es fahren ab die lieben Gäste" - ein Spruch, den sich der Forstmeister Liebeneiner von seinem Onkel Ulrich Benefeldt in Quoossen abgeschaut hatte. Ein Vetter des Forstmeisters war der bekannte Regisseur Wolfgang Liebeneiner.[3]

Auf der Landenge bei Zamoscie - Haasznen/Haschnen gab es zur Zeit Herzog Albrechts wohl eine Jagdbude.


[1] Oberforstmeister a. D. Ernst Wagner, Mein Weg bis zu der Zeit als Revierverwalter in Rothebude und die Erlebnisse in Krieg und Gefangenschaft, in Wald-, Jagd- und Kriegserinnerungen ostpreußischer Forstleute, Hrsg. Andreas Gautschi und Wolfgang Rothe, nimrod-Verlag 2012, S. 34 ff
[2] Oberforstmeister a. D. Ernst Wagner, Mein Weg bis zu der Zeit als Revierverwalter in Rothebude und die Erlebnisse in Krieg und Gefangenschaft, in Wald-, Jagd- und Kriegserinnerungen ostpreußischer Forstleute, Hrsg. Andreas Gautschi und Wolfgang Rothe, nimrod-Verlag 2012, S. 38 f + S. 55
[3] Oberforstmeister a. D. Ehrenfried Liebeneiner, Erinnerungen an meine Lehr- und Wanderjahre, an die Zeit als Forstmeister in Borken sowie die Kriegsjahre, in Wald-, Jagd- und Kriegserinnerungen ostpreußischer Forstleute, Hrsg. Andreas Gautschi und Wolfgang Rothe, nimrod-Verlag 2012, S.143 f
[4] Oberforstmeister a. D. Dietrich Micke, Aufzeichnungen aus meiner Lehrzeit bis zu den Jahren als Revierverwalter in Rominten sowie an den Fronten des Krieges, in: Wald-, Jagd- und Kriegserinnerungen ostpreußischer Forstleute, Hrsg. Andreas Gautschi und Wolfgang Rothe, nimrod-Verlag 2012, S. 279

 
 
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