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Busreise nach Ostpreußen 28.10.-3.11.2019

Subjektive, aber ganz frische Eindrücke über eine Gemeindefahrt von Potsdamer Christen von Heinz Ney.

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Montag 28.10.
Gnesen

In Gnesen/Gniezno kam es zur Gründung des ältesten polnischen Erzbistums. 1025 wurde Bolesław I. Chrobry der erste König von Polen. 1238/39 erhielt Gniezno die Stadtrechte. Bis 1320 war die Stadt Krönungsort der polnischen Könige. Gnesen war lange Zeit das kulturelle Zentrum Polens. Die Anfänge seines Staatswesens verbindet Polen mit dieser Stadt.


Marienburg, Stadtführung
Pfarrkirche St. Johannes. Die im Nordwesten der Stadt nahe der Burg gelegene St.-Johannes-Kirche entstand in ihrem aktuellen Grundriss zwischen 1468 und 1523, nachdem der Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert im Dreizehnjährigen Krieg um 1460 vollständig zerstört wurde (Erstes Gotteshaus, das Ende des 13. Jahrh. vom Deutschen Orden neu gegründet wurde).
Altes Rathaus.Das Rathaus wurde 1380 im Stil der Backsteingotik fertiggestellt. Es gehört zu den wenigen erhaltenen Bauwerken der Stadt aus der Ordenszeit.
Stadtbefestigung. Der Plauener Wall, ein kompliziertes Mauer-Graben-Zwinger-System mit teilweise vierfachem Mauerring, entstand auf Anordnung von Heinrich von Plauen („Retter des Deutschen Ordens“).
Im Westen an der Nogat steht der Recketurm, auch Buttermilchturm (… dann mußten sie einen Turm an der Nogat bauen, und den Mörtel dazu durften sie nicht mit Wasser bereiten, sondern mit Buttermilch, welche einen festeren Kitt gibt, wie allbekannt ist. Diese Buttermilch hatten die Lichtenauer einzig und allein zu liefern. Der Turm bekam davon den Namen Buttermilchturm und steht heute noch) genannt, aus dem 15. Jahrhundert. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert. Das zwölf Meter hohe und neun Meter breite gotische Töpfertor steht im Osten und wurde 1945 nur geringfügig beschädigt. Das zerstörte Dach wurde 1955 wiederhergestellt.
Das südlich gelegene Marientor ist zehn Meter hoch und acht Meter breit. Es wurde etwa Mitte des 14. Jahrhunderts ebenfalls im gotischen Stil erbaut und im 16. Jahrhundert aufgestockt. 1945 bis auf die Grundmauern zerstört, konnte sein Wiederaufbau erst 1964 abgeschlossen werden.
Denkmal für Kasimir IV. Andreas, genannt der Jagiellone, der als König von Polen am 7. Juni 1457 in Marienburg einzog und von der Burg als neuem Königssitz Besitz ergriff. 2010 wurde das 3,48 m hohe Bronze-Denkmal auf dem zentralen Stadtplatz aufgerichtet. Kasimir IV. Andreas, genannt der Jagiellone, * 30. November 1427 in Krakau; † 7. Juni 1492 in Grodno, war ab 1440 Großfürst von Litauen und ab 1447 König von Polen. Als Sohn Jogailas entstammte er der Dynastie der Jagiellonen
Massengrab von Marienburg. Das Massengrab von Marienburg wurde im Oktober 2008 bei Aushubarbeiten für das Fundament eines neuen Hotels entdeckt. Es enthielt die Gebeine von 2.116 Menschen, 1001 Frauen, 381 Männern und 377 Kindern sowie über 300 weiteren Personen, deren Geschlecht und Alter nicht genauer bestimmt werden konnte. Die Fundstelle lag an der Ulica Piastowska 18 auf dem Gelände des ehemaligen Polnischen Hauses nahe der Ordensburg Marienburg.
Soldatenfriedhof. Im Süden des Ortes befindet sich der Malbork Commonwealth War Cemetery, auf dem britische Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg begraben liegen. Auf dem Friedhof befindet sich darüber hinaus das Malbork Memorial, mit dem seit den 1960er Jahren 39 toten britischen Kriegsgefangenen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, die auf dem Friedhof von Lidzbark Warmiński begraben liegen, gedacht wird.
Wasserturm, Neogotik vor 1900
Bahnhof Malbork, Backsteinbau der Gründerzeit um 1890

Dienstag 29.10.
Ordensburg Marienburg. Führung
Die Marienburg, die sich auf einer Böschung am rechten Ufer der Nogat erhebt, ist das weltweit größte Backsteinschloss. Ihre Befestigungsanlagen erstrecken sich über eine Fläche von 20 Hektar. Die Burg ist eine im 13. Jahrhundert erbaute mittelalterliche Ordensburg des Deutschen Ordens.
Bauherr war der Deutsche Orden, den der polnische Herzog Konrad von Masowien 1226 im Kampf gegen die heidnischen Pruzzen ins Land geholt hatte.
Konrad von Masowien (polnisch Konrad I. Mazowiecki, lateinisch Conradus) war ab 1199, als Konrad I., Herzog in Masowien, ab 1202 Herzog in Kujawien, Sieradz und Łęczyca, sowie 1229–1232 und 1241–1243 Seniorherzog von Polen. Sein Vater war Kasimir der Gerechte, dessen Eltern hießen Bolesław III. Schiefmund und Salome von Berg-Schelklingen. Herzog Konrad entstammte der Dynastie der Piasten.
Bei der Führung „begegnete“ uns dann auch der Markgraf Albrecht, der uns später auch in Königsberg „begrüsste“.
Mittags, Weiterfahrt nach Königsberg

Mittwoch 30.10. Königsberg Stadtrundfahrt
Dombesichtigung
Zunächst versammelten wir uns zu unserer täglichen Andacht in der ev.-luth. Kapelle.
Seit dem 31.10.2000 steht im Eingangsbereich des Königsberger Doms den Protestanten die Südkapelle mit etwa 40 Plätzen zur Verfügung. Hier finden Gottesdienste, Trauungen und Taufen statt.
Der Kapellenführer Waldemar Biss schreibt im Propsteibrief 1/2016:
„Die Kapelle ist ein einzigartiger Ort, sowohl in Bezug auf die Lage (Stadtzentrum), als auch auf den Wert (sie wird von Einheimischen und Gruppen aus dem Ausland besucht, darunter auch von ehemaligen Bewohnern von Ostpreußen. … ). Der frühere Propst H. Osterwald hat das Konzept für die Kapelle entwickelt. Das Konzept bestand darin, die Kapelle für den vorgesehenen Anwendungszweck zu benutzen (Dienste, Taufen und Hochzeiten) und als Informationszentrum (Vorträge, Exkursionen, Ausstellungen, Konzerte) mit einem religiösen Schwerpunkt.“
Dabei hebt Biss die besondere Rolle des Luthertums in Bezug auf die Erhaltung der Werte christlicher Kultur, wie Toleranz, Respektierung der geistlichen Freiheit jedes Menschen und Überwindung konfessioneller Schranken, hervor. „Güte, Liebe, Dialog zwischen den Konfessionen sind das Ergebnis einer freien, aktiven, persönlichen Wahl. Diese Werte sind mit dem Herzen zu akzeptieren“ und zählt in diesem Zusammenhang auf: Andreas Osiander, Georg Sabinus, Simon Dach, Immanuel Kant.
Waldemar Biss bedankt sich in seinem Bericht ausdrücklich bei der Gemeinschaft ev. Ostpreußen e.V. für die geleistete Unterstützung. (Mehr: „Gottes Häuser in Königsberg“, Teil II, S. 19 ff.)
Synagoge, Führung
Die Kuppel der alten „Neuen Synagoge“ war rd. 10 m höher. Der Vorsitzende des ev.-luth. Propsteirates Sergeij Kiwenko (lks.) führte uns mit viel Engagement durch die Synagoge. Mit dabei war auch der Potsdamer Publizist Heinz D. Rainer Ney, „Gotteshäuser in Königsberg“ (Bildmitte) und die Dolmetscherin Frau Tanja aus Kalingrad (r.), die als Reiseleiterin ein künftiges Besuchsprogramm in der Synagoge gestalten möchte.
Für den Verein Verein zur Geschichte und Kultur e.V. sind Ruth und Michael Leiserowitz die Ansprechpartner. Sie tragen Fotos und Gegenstände zusammen, die an die Königsberger jüdischen Freunde und Nachbarn erinnern. Dazu zählt nun – nach unserer Premiere - auch die Organisation von öffentlichen Führungen durch die Synagoge.
Unweit der „Lastadie“ befindet sich der Eingang zum Meeresmuseum. „In der Nähe der Fischerkapelle wurde 2009 das bestehende Denkmal für St. Nikolaus rekonstruiert. Die feierliche Wiedereröffnung fand am 8. Juli 2010 statt. Das Denkmal bildet nun ein einziges Ensemble. Die sechs Tonnen schwere Bronzeskulptur des Nikolaus ist mehr als acht Meter hoch und wurde 2005 - als eine von vier Nikolausstatuen an allen vier Grenzen Russlands – hier, an der Westgrenze Russlands, installiert. Der Heilige Nikolaus in martialischer Pose! Mit dieser heroischen Darstellung wird der barmherzige Bischof Nikolaus pervertiert!
Der Chefarchitekt von Kaliningrad, Alexander Bashin, eine der prägendsten Figuren des boomenden Wiederaufbaus der Stadt, erklärte 2007, das dass Denkmal "nichts mit der Stadt zu tun habe. Es sei ausdruckslos und unverhältnismäßig, … Dieses ist ein Geschenk, welches hier niemand will.“ Im Juli 2008 ist dann Alexander Baschin zurückgetreten. Er zog die Konsequenzen aus andauernden Konflikten.“ („Gotteshäuser in Königsberg“)
Das im Museumshafen liegende 110 m lange ehemalige Forschungsschiff WITJAS wurde im August 1939 als MARS auf der Schichau Seebeckwerft Bremerhafen erbaut.
Die kleine Homline hütet das Schiff.
Jurij Tschernyschew schrieb April 2019 im Ostpreussenblatt: "Eine Provinzposse erhitzt in Königsberg derzeit die Gemüter: Mit Unterstützung des Kulturministeriums wurden in der Nähe von Sehenswürdigkeiten der Stadt sogenannte Homlin-Figuren aufgestellt. Dagegen läuft die Russisch-Orthodoxe Kirche Sturm. Gegen die Kirche wandten sich wiederum zahlreiche Bürger über die sozialen Medien.
Eine ungewöhnliche Geschichte hat in der Königsberger Öffentlichkeit Fahrt aufgenommen. Die Russisch-Orthodoxe Kirche und Bürger streiten um Homlin-Figuren, Darstellungen von guten Geistern. Im vergangenen Sommer wurde die erste dieser Miniskulpturen auf der Honigbrücke auf dem Kneiphof aufgestellt. Es ist eine Arbeit des Künstlers Andrej Sledkow, der auch an der Entstehung des Alexander-Newskij-Denkmals beteiligt war.
Das Wort „Homlin“ basiert auf dem Wort „Heim“. Laut der Legende arbeitet ein Homlin, der äußerlich einem Kobold ähnelt, sein ganzes Leben lang und stellt einzigartige Produkte aus Bernstein her. Der Homlin auf der Honigbrücke wird liebevoll Karl genannt. In den vergangenen Monaten haben sich die Vorbeigehenden an seinem Anblick erfreut. Von Zeit zu Zeit haben sie ihm eine Kappe aufgesetzt oder einen Schal umgebunden. Damit Großvater Homlin sich nicht einsam fühlt, wurde eine weitere Skulptur aufgestellt. Sie befindet sich in der Nähe des Bernsteinmuseums in einer der Schießscharten des Dohna-Turms rechts vom Museums-Eingang. Es handelt sich um Großmutter Homlin. Bald sollten die beiden zwei Kinder und drei Enkel erhalten, welche die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt zieren sollten.
Doch nun droht der Initiative Unheil: Die Königsberger Diözese der orthodoxen Kirche stellte in den Figuren von Großmutter und Großvater Homlin einen Zusammenhang mit dem Heidentum fest und rief dazu auf, ihre Förderung als touristisches Markenzeichen Königsbergs zu stoppen. Ein entsprechendes Schreiben, unterzeichnet von Erzbischof Serafim, wurde bereits an die Adresse des Gouverneurs Anton Alichanow gerichtet: „Wir glauben, dass das Bild der Homlins einen direkten Bezug zu Kobolden trägt und ein Neo-Heidentum in der Region fördert, was einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der nationalen Kultur in der Region hat und das kulturelle Erbe durchkreuzt, das sich unter dem Einfluss des Christentums gebildet hat. All dies versetzt uns zurück in die dunklen Zeiten des Heidentums.“
Unterstützung erhielt Erzbischof Serafim ausgerechnet von einer kommunistischen Abgeordeneten der Gebietsduma, Jekaterina Koroljowa. Sie forderte den Gouverneur auf, die Gründe für die Platzierung der Figuren zu überprüfen und sie zu demontieren, falls sie illegal aufgestellt wurden.
Das regionale Kulturministerium erklärte, dass die Aufstellung der Skulpturen mit ihm koordiniert worden sei, und bezeichnete die Homlin-Skulpturen als unterhaltend und geeignet, Touristen anzuziehen. Als die Ideengeberin für die Skulpturen von dem Widerstand hörte, erklärte sie, dass die geplante Aufstellung einer neuen Homlin-Figur nun fraglich geworden sei: „Der dritte Homlin ist fertig. Wir wollten ihn aufstellen. Aber jetzt warten wir, bis die Geschichte sich beruhigt hat. Wir wollten etwas Gutes und Kleines machen. Und nun so etwas. Die Figuren wurden rechtmäßig aufgestellt. Wir besitzen alle Dokumente. Das Kulturministerium hat unser Projekt unterstützt, ihm gefielen die Charaktere, eine gute Geschichte. Wir hatten weder heidnische noch politische Hintergedanken.“
Den Stadtbewohnern gefallen die kleinen Skulpturen, und sie sind bereit, sie zu verteidigen. Kurz nach Serafims Erklärung trug Großvater Homlin plötzlich ein Kreuz aus Bernstein. Der Bürger, der ihn angehängt hatte, sagte, er wolle den Homlin „vor dem Delirium der Russisch-Orthodoxen Kirche und der Kommunisten schützen“.
Nach einigen Tagen war jedoch das Bernsteinkreuz verschwunden, und stattdessen trug Karl einen roten Pullover. Gleichzeitig startete in den sozialen Medien ein sogenannter Flashmob mit dem Titel „Rührt die Homlins nicht an“. Beiträge mit entsprechendem Inhalt waren auf Instagram, Facebook und Vkontakte erschienen. Die Städter fotografierten die Homlin-Figuren und setzen sie auf ihre Seiten mit Kommentaren, dass sie auf diese Weise gegen eine mögliche Demontage protestierten.“

Palmnicken
Beim 2011 vom Künstler Frank Meisler errichteten Holocaust-Denkmal zu Ehren der am 31. Januar 1945 von deutscher SS und ihrer ausländischen Helfer getöteten über 3.000 jüdischen Menschen hielt unser Reisepfarrer Jürgen Schwochow eine bewegende Andacht. Unser Reiseleiter zitierte dabei aus den Aufzeichnungen der überlebenden Zeitzeugin Maria Blitz.

Donnerstag 31.10. (Reformationstag) Königsberg
Kirchweihjubiläum Auferstehungskirche
Hier im Hammerweg/Prospekt Mira, Ecke Dürerstr./ul. Lesoparkowaja konnte in den Jahren 1996 bis 1999 nach den Plänen des Architekten Pawel Gorbatsch die Backsteinkirche erbaut werden. In das Fundament wurde im Dezember 1996 aus den Ruinen alter evangelischer Kirchen des nördlichen Ostpreußens ein Kreuz aus Ziegeln gelegt. Der Name „Auferstehung“ für die junge evangelische Kirchengemeinde leitet sich von der Tatsache ab, dass das Gemeindezentrum auf dem Friedhof der Luisenkirche errichtet wurde.
Nach dem Gottesdienst eine Reihe von Ansprachen und Grußworten.

Freitag 01.11. Arnau
Ihn „sahen“ wir schon auf der Marienburg, den Oberpräsidenten der ganzen Provinz Preußen mit Sitz in Königsberg. Heinrich Theodor von Schön, 1773 in Schreitlaugken, Kreis Tilsit geboren, verstarb 1856 auf Gut Arnau.

Insterburg

Herzog Georg Friedrich von Preußen erhob am 10. Oktober 1583 den um die Burg an der Inster angesiedelten Ort zur Stadt und gab ihm zum Insiegel „einen weißen Schilt, darinnen unnden ein grüner Berg, darauf ein schwarzer Behr auf allen vyeren stehndt unnd zu beyder seytten inwendig des Schilts die beyde Buchstaben G unnd F.“ Über dem Schilde erscheint bei reicherer Darstellung ein wachsender Jäger mit seinem Jagdhorn. (Otto Hupp)
Die ehemalige Reformierte Kirche (jetzt die russ. Orth. Erzengel-Michael-Kirche, Architekt ist der Königsberger Friedrich Adler) errichtet zwischen 1886 und 1890, neuromanisches Bauwerk mit einem 60 Meter hohen Westturm und zwei kleineren Türmen im Osten.
I
Gumbinnen

In der Salzburger Kirche wurden wir durch den rührigen Diakon Alexander Michel willkommen geheissen. Anlässlich des Reformationstages sangen wir in der Kirche „Ein feste Burg ist unser Gott …“.
In der Diakoniestation wurden wir freundlichst bewirtet, auch mit Pillkaller - nicht nur einem!
Die Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen ist für die soziale Arbeit und die bauliche Unterhaltung des „Diakoniezentrums Haus Salzburg" in Gusev auf Ihre freundlichen Spenden angewiesen. Bitte helfen Sie weiter mit und überweisen Sie Ihre Spende auf das folgende Konto:
Kto: 34 40 500 00 Deutsche Bank Gütersloh (BLZ 480 700 24)
IBAN: DE53 4807 0024 0344 0500 00, BIC: DEUTDEDBBIE
Danke und Herzliche Liebe Grüsse aus Gusev/Gumbinnen
Direktor der Diakonie Haus Salzburg, Alexander Michel
Auf der Weiterfahrt nach Tilsit über Ragnit fuhren wir an Kraupischken/Breitenstein/Uljanowo vorbei. Den Turm der 172 erbauten Kirche (Turm von 1893) sahen wir in rd. 2000 m Entfernung im Vorbeifahren.
Während die Authentizität des Luther nachgesagten „Apfelbaum-Zitates“ durchaus angezweifelt werden darf, ist hier am Turm ein echtes Lutherzitat zu lesen: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Wir sangen das Lied zwei Stunden zuvor in der Salzburger Kirche.
Der „windige“ Pastor Sengstock bewarb sich im November 1593 auf die Pfarrstelle zu Kraupischken. Diese wurde jedoch anders vergeben… Mehr zu P. Sengstock in „Gottes Häuser in Königsberg“, Teil I, S. 56/57

Ragnit Neman

Ihren Ursprung hat die Stadt in der Burg Ragnit (prußisch ragas: Horn, Ecke, Landzunge, Spitze, Hinausragendes), einem Stützpunkt des Prußenstammes der Schalauen. Sie siedelten spätestens im 13. Jahrhundert beiderseits des Memelflusses. Um 1277 gelang es dem Deutschen Ritterorden (Vogt von Samland Theoderich) die Burg zu zerstören.
In den Jahren 1397 bis 1409 wurde - unter Mitwirkung des rheinländischen Baumeisters Nikolaus Fellenstein (er war auch am Bau der Marienburg beteiligt) - die Burg in Backstein zu einer der stärksten Festungen des Ritterordens aufgebaut. Im Schutze der Burg hatte sich inzwischen ein Marktflecken entwickelt, der dank der günstigen Verkehrslage an der Heerstraße nach Insterburg und dem Flussübergang nach Norden an Bedeutung gewann und das sind heute die - immer noch gewaltigen - Überreste.

Tilsit

Der preussischen Königin Luise wird in dieser Stadt viel gedacht. Sehenswert sind die in der Innenstadt vielfach erhaltenen Jugendstilhäuser, das Theater, die Königin-Luise-Brücke (Grenzübergang nach Litauen) und der Stadtsee, früher Schloßmühlenteich, ein ehemaliger großer Mühlenweiher aus der Ordenszeit.
Den 2. Weltkrieg überstanden hat das 1925/26 von Erich Mendelsohn erbaute Gebäude der Loge zu den drei Erzvätern. Jugendstilfassade mit Ritterfigur, jetzt wieder „bewaffnet“.
Königin-Luise-Brücke, das Tor in das EU-Land Litauen
Der ostpreussische Elch in Tilsit Die ursprünglichen Kirchen der Stadt wurden im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört und ihre Ruinen in der Nachkriegszeit abgerissen. Die ehemalige Synagoge wurde in eine russisch-orthodoxe Kirche umgewandelt. Eine weitere große russisch-orthodoxe Kirche in traditionell russischem Baustil wurde im November 2007 fertiggestellt. Daneben existiert ein Neubau einer römisch-katholischen Kirche für die in der Stadt ansässigen Litauer, die am 20. August 2000 feierlich geweiht wurde. Die alte Tilsiter Straßenbahn ist symbolisch wieder da, mit einer breiteren Spurweite, nämlich 1524 mm, da sie aus Sankt Petersburg importiert wurde. Die Tilsiter Originalspurbreite betrug bekanntlich lediglich 1000 mm.

Seit 2006 besteht eine Bürgerbewegung für eine Rückbenennung der Stadt in Tilsit. Der damalige Bürgermeister gab 2009 einen Zuspruch von etwa 50 % der Bevölkerung an. Der alte Name ist bereits Teil der aktuellen Bezeichnungen eines örtlichen Radiosenders (Tilsitskaja Wolna „Tilsiter Welle“) und des städtischen Theaters (Tilsit-Teatr) (Запрашиваемый ресурс временно недоступен). Das frühere Stadtwappen wird wiederverwendet.

Eine offizielle Absichtserklärung zu einer Rückbenennung von Seiten der Stadtverwaltung gab es bislang jedoch nicht (http://www.sovetsk-tilsit.ru/). 2018 wurde die Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums, Angelika Spiljowa, entlassen, weil sie nach Meinung der Behörden die deutsche Vergangenheit der Stadt zu sehr herausgestellt habe (FAZ, 12.12.18, „Zuviel Bobrowski!“).

Samstag 02.11.

Mehlauken
Die dortige Pfarrkirche ist der Prototyp der Potsdamer Friedenskirche. Die evangelische Pfarrkirche Mehlauken wurde 1843 – 1846 nach Plänen des preussischen Baumeisters Friedrich August Stüler errichtet; zwei Jahre später die Potsdamer Friedenskirche.
Der in Königsberg geborene Architekt, Publizist und Fotograf Christian Papendick, beschreibt das Bauwerk in Mehlauken als eine „eindrucksvolle italienisch wirkende Basilika in rotem Backstein mit vorgezogenen Campanile, der durch einen kleinen Arkadengang mit dem Kirchenschiff verbunden war.“ Aus der Minimalvariante des Mehlauker Campanile hat sich zwei Jahre später für Potsdam der überragende Campanile entwickelt. Auffällig ist die übereinstimmende Anzahl der Fensterachsen im Kirchenschiff: neun Stück.
Und danach fuhren wir - „Richtung Heimat“ – wieder an Königsberg vorbei:

Thorn

Ankunft am Abend, Übernachtung im Hotel Filmar in der Graudenzer Strasse. Am Sonntagvormittag (03.11.) folgte eine Stadtführung durch die schöne Altstadt von Thorn.
In der Reformierten Kirche begannen wir unseren Rundgang. Unser fröhlicher Gesang hallte durch das Kirchenschiff.
Und weiter, zurück Richtung Potsdam, unter der souveränen Führung durch unseren kompetenten, freundlichen Busfahrer Valentin von „Partner – Reisen, Grund-Tourismus GmbH & Co. KG in Lehrte“. Danke schön.
Mit der Vorbeifahrt an Gnesen schloss sich der Kreis. Dazu noch ein Nachschrapsel am Ende dieses Berichtes.
Acht Tage Fahrt durch Ostpreussen - ein tolles Erlebnis!
An die Macher und Mitmacher ein grosses Dankeschön mit der ostpreussischen Mundart:
Nuscht gefunde? I ja, ´n ganze Menge. Oaber de mot noch e bätke luure – bös tom Wiederläse.

Nachschrapsel zu Gnesen: Künstler kopiert Christusrelief Der Stahnsdorfer Künstler Eberhard Trodler hat einen Teil des Christusreliefs auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof als Wandbild im neuen Anbau der Friedhofskapelle an der Sputendorfer Straße übertragen. Das berühmte Original: Das Christus-Relief von Ludwig Manzel auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Quelle: Stephan Laude Christusrelief im Eingangsbereich des Südwestkirchhofs , ein bildhauerisches Werk von Ludwig Manzel, der auf dem Südwestkirchhof seine letzte Ruhe fand.
Das Christusrelief auf dem Südwestkirchhof ist zwölf Meter breit und zwei Meter hoch. Es ist kein Grabmal, sondern zählt als Kunst auf dem Friedhof.
Das Christus-Relief war ursprünglich nicht für den Südwestkirchhof bestimmt. Es sollte in der ev. Kirche in Gnesen (preußische Provinz Posen) aufgebaut werden. Unterbrochen vom Ersten Weltkrieg zog sich die Arbeit des Bildhauers Ludwig Manzel von 1909 bis 1924 hin. Als das Relief fertig war, gehörte Gnesen nicht mehr zum Deutschen Reich, sondern wurde ab 1920 nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages zu Gniezno in Polen. Das Relief steht seit 1924 auf dem Südwestkirchhof. Auszug aus MAZ, 23.04.2019

 
 
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