Deutsch Polnisch Russisch 
 
Link ber Facebook senden
Seite twittern
 

Die Gesamtgrafschaft Dohna

Die Dohnas gehören zu den prominenten Adelsfamilien Ostpreußens. Der Sage nach kommen sie aus Südfrankreich und sollen schon Karl dem Großen treue Dienste geleistet haben. Als Stammvater gilt Henricus nobilis de Rotowe, der 1127 erstmals urkundlich im Pleißener Land auftrat und am 30.11.1156 (laut Hans Graf zu Dohna aber bereits 1143/44[1]) mit der Burggrafschaft Donin (Dohna) an der Müglitz bei Pirna nahe Dresden belehnt wurde. Nach Lothar Graf zu Dohna war Heinrich von Rotau, der Sohn, von 1144 - 1170 Burggraf von Dohna.[2] Von hier aus besiedelten die Dohnas das östliche Erzgebirge und sein Vorland, übten die Aufsicht über die Königspfalz aus, beherrschten die Hauptstrasse nach Böhmen und sicherten die Elbbrücke in Dresden.[3] Schloss Kuckuckstein in Liebstand südwestlich von Pirna gehörte den Dohnas mindestens im 13. Jh. und sie waren die ersten Besitzer der Burg Weesenstein.

Die Stammburg zerstörte Markgraf Wilhelm von Meißen, genannt der "Einäugige", während der Dohnaischen Fehde 1402 und vertrieb die Dohnas aus ihrem Herrschaftsbereich. Einige Mitglieder der Familie gingen an den böhmischen Königshof, andere erwarben Güter in Schlesien sowie in der Lausitz (Staupitz, Muskau. Erloschen Anfang 17. Jh.). Im 15. Jh. zergliederte sich die Familie in eine schlesische Linie (erloschen 1711) und eine preußische Linie. Buggraf Stanislaus zu Dohna (ca. 1433 - 1504) aus dem schlesischen Haus Kraschen war 1454 als Feldhauptmann nach Preußen gekommen, um den Orden im Städtekrieg zu unterstützen. Er ist der Stammvater der preußischen Linie der Dohnas. Da der Orden nach dem Thorner Frieden 1466 kaum noch Geld hatte, belohnte er den Kriegseinsatz Dohnas mit der Verleihung von Deutschendorf sowie 1489 von Karwitten und 1496 von Carwinden. Die preußische Linie spaltete sich später auf in die ältere Linie mit Dohna-Lauck und Dohna-Reichertswalde sowie in eine jüngere Linie mit Dohna-Schlobitten sowie Dohna-Schlodien mit Dohna-Carwinden.

Der Sohn Peter zu Dohna (1483 - 18.1.1553) war persönlich mit Martin Luther bekannt und sorgte für den Übertritt seines Hauses zum Protestantismus. Er heiratete in 2. Ehe 1532 Katharina von Zehmen (ca. 1513 - 20.9.1558), Tochter des Woiwoden von Pommerellen Achatius von Zehmen, mit der er 8 Söhne und 1 Tochter hatte. In der Mohrunger Stadtkirche erinnert das Grabmal mit den lebensgroß in Stein gehauenen Gestalten Peters und Catharina an das Ehepaar. Es ist die einzig erhaltene Grabplastik der Familie Dohna in Ostpreußen.[4] Peter zu Dohna erhielt nach dem Frieden von Krakau 1525 von Herzog Albrecht zum Ausgleich der angelaufenen Kosten im Reiterkrieg und als Ersatz für erlittene Kriegsschäden auf seinen Gütern den Pfandbesitz des Hauptamtes Mohrungen sowie den Lehnsbesitz des prußischen Zinsdorfs Schlobitten verliehen, zwei Jahre später ebenso die Dörfer Herrndorf (Mlynarska Wola), Ebersbach (Stare Siedlisko), Lauck, Hermsdorf sowie einige weitere Latifundien.[5] Der älteste Sohn Achatius (17. Mai 1533 – 18. Okt. 1601) bekam 1561 Reichertswalde als Lehen, wo er ein zweistöckiges Haus aufführen ließ und erwarb in Mohrungen ein Grundstück an der Stadtmauer. Dort ließ er zwei Häuser errichten, die, durch seinen Sohn Fabian mit einem Turmbau verbunden, zu dem bekannten "Schlößchen" wurde. Achatius verlegte den Stammsitz der Familie von Mohrungen nach Schlobitten und ließ hier ein neues Haus errichten.[6] Peters jüngster Sohn Fabian (1550- 1621), Feldherr und Staatsmann, war nach dem Tod Herzog Georg Friedrichs maßgeblich daran beteiligt, die preußichen Interessen an der Erbfolge innerhalb der Familie Hohenzollern in Einklang mit den polnischen Interessen und damit zum Erfolg zu bringen.[7]

Die überlebenden fünf Neffen von Fabian Graf zu Dohna, die Vertreter der vierten Generation der ostpreußischen Dohnas Friedrich (1570 - 1627), Fabian (1577 - 1631), Abraham (1579 - 1631), Achatius (1581 - 1647) und Christoph (1583 - 1637), einigten sich 1621 auf ein "Ewiges Testament" und schlossen 1624 einen auch alle Nachkommen bindenden Hausvertrag, in denen die Aufteilung der Familiengüter und die zukünftige Erbfolge geregelt sowie Vorschriften für einen standesgemäßen Lebenswandel der Familienmitglieder erlassen wurden. Damit bilden sich die fünf Linien Dohna-Reichertswalde, - Carwinden, - Lauck, -Schlobitten und -Schlodien. Um den Familienbesitz insgesamt zu erhalten, wurde der Verkauf oder die Verpfändung der Güter an Fremde strikt untersagt und nur eine Veräußerung innerhalb des Geschlechts zugelassen.[8] In den im 18. Jh. auf der Basis des Ewigen Testaments begründeten Fideikommissen wurde festgelegt, dass das ungeteilte Erbe immer an den Erstgeborenen übergeht.

Im Königreich Preußen nahmen die Dohnas in der Folge viele wichtige öffentliche Ämter wahr. Um diese Dienste zu würdigen, erhob König Friedrich Wilhelm IV. 1840 die Majorate von Schlobitten, Lauck, Reichertswalde und Schlodien mit Carwinden zur Grafschaft Dohna. Im Zuge der Heirat des Obermarschalls Friedrich Alexander zu Dohna-Schlobitten (1741/42 – 1810) mit Caroline Finck von Finckenstein (23. 10. 1746 – 23. 2. 1825) im Jahr 1769 kam 1782 durch Kauf vom Schwiegervater die Besitzung Finckenstein zum Familienbesitz der Dohnas hinzu. Der erstgeborene Sohn Alexander erbte Schlobitten, der Zweitgeborene, Wilhelm, für den u. a. der spätere Philosoph Schleiermacher als Hauslehrer angestellt war, erbte Finckenstein.

Richard Friedrich zu Dohna-Schlobitten (1807 – 1894) brachte durch seine Heirat mit Mathilde Truchseß zu Waldburg (1813-1858) die Begüterung Waldburg-Capustigall in den Familienbesitz ein.



[1] Hans Graf zu Dohna, Waldburg-Capustigall, S. 95
[2] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 37
[3] Hans Graf zu Dohna, Waldburg-Capustigall, S. 95
[4] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 191
[5] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 185 f
[6] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 202
[7] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 208 f
[8] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser I, S. 226 ff

 
 
©2005 - 2011 www.ostpreussen.net, powered by dev4u®-CMS
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren